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Aber eben darauf kommt es jetzt an. Was meinst?"

"Das werde ich dir öppe nicht z'längem sagen müssen", sagte Anne Mareili; "wenn du mir nicht lieb wärest, so wäre ich nicht da; keinem Menschen auf der Erde wäre ich hieher gekommen und hätte ihm z'lieb so wüst getan und gelogen. Hätte ich gesagt, ich käme deinetwegen, so wäre keine Rede gewesen, dass sie mich hätten kommen lassen; da habe ich zWort gehabt, ich wolle ds Guetjahr trage. Ich habe ein Gevatterkind nicht weit da weg, und das ist letztes Neujahr nicht gekommen, wie sie es sonst im Brauch haben. Sie meinten, nachezlaufe mangle es sich nicht, das Jahr sei bald um, am nächsten Neujahr werde es schon kommen, da könne man es ihm für zwei Jahre zusammen geben. Und gäb was ich gesagt habe, sie sind dabei geblieben. Und wenn es schön Wetter gewesen wäre, dass das Werchen draussen recht gegangen wäre, so wäre keine Rede davon gewesen, dass ich hätte kommen können. Der Vater ist gar misstreu, und wenn er dSach nicht auf der Hand hat, so trauet er nichts. Da habe ich bei der Mutter pläret und ihr gesagt, es sei doch schrecklich; wenn ich den haben müsste, so wüsste ich wohl wie ich es bekäme; keinen Tag könnte ich mehr fort, und jetzt, wo ich noch daheim sei, gönne man mir nicht einmal einen Tag für fort; so hätts doch keine Jumpfere. Aber wenn man so wüst gegen mich sein wolle, so solle man nur sehen, gut komme das nicht, ich wolle es ihnen vorher sagen. Das ist der Mutter zHerze gange, von wege, wenn dr Vater nicht wäre, öppe so bös gegen uns wäre sie nicht, sie wüsste noch, was Erbarmen ist. Sie hat mit dem Vater geredet und mir darauf gesagt: Sage öppe nicht mehr viel und gehe, aber mache nichts Ungeschicktes, ghörst, wenn ich etwas vernehmen müsste, es weiss kein Mensch, wie es ginge! Jetz ist es mir aber doch himmelangst, und es düecht mich, wenn ich nur schon wieder daheim wär."

"Du hast dann nicht Freud bei mir?" fragte Resli.

"Oh, plag mich nicht und frag nicht so", sagte das Meitschi, "allem an weisst du nicht, wie es einem ist wenn man alle Augenblicke fürchten muss, es sehe einen jemand, der einen kenne und verrate. Und wenn man immer denken muss: was machen sie für Augen, wenn ich heimkomme, was sagen sie mir, wie wüst werden sie mit mir tun; wenn man das vorstehnds hat und denken muss, das ist der letzte Tag, wo ich hätte Freude haben können, und kanns nicht einmal, weil mit dem Tag auch ein Elend näher kommt, das ärger ist als das Grab. Du weisst nicht, wie es einem da ist."

"Wohl", sagte Resli, "das ist z'denke. Öppe ganz am besten ist es mir auch nicht immer gewesen, und auch schon ist es mir im Kopf gewesen, dass ich mich dessen, was ausser mir gegangen, nichts geachtet und dass ich hätte plären mögen, wenn die Sonne am schönsten geschienen. Wohl, das begreife ich. Du hättest also nichts gegen mich und begehrtest mich zu heiraten, wenn es nur an dir wäre?"

"Rede mir nicht davon", sagte Anne Mareili, "es macht mir das Herz nur schwerer; ohnehin wenn ich dich ansehe, so muss ich immer an den Kellerjoggi denken mit seinen Augen, die immer tropfen wie ein alter Weinhahne, und wenn ich an ihn denke, so chunt mih ds Briegge a."

"Lybstalbe gefiel ich dir also besser als der alte Unflat?" fragte Resli.

"gang mr", sagte Anne Mareili, "selligs z'frage!"

"Aber wenn dr Alt my Lyb hätt, so wärs dr recht?"

"Wenn ich gewusst hätte", sagte Anne Mareili, "dass du nur daran Freude hättest, mich zu plagen, so wäre ich nicht gekommen, und hättest mir noch zehnmal Bscheid machen lassen. Nein wäger, es ist mir nicht nur Lybstalb, dass mir Kellerjoggi zwider ist. Ich weiss nicht, aber es düecht mich manchmal, ich könnte mich in alles schicken, wenn er nicht so wüst gegen alle Menschen wäre und alle Laster an sich hätte. Oh, es ist ein schreckliches Dabeisein, wenn man immer das denken muss, es vrfluchen einen alle Leute und kein Mensch bete für einen, und einem dabei die hände gebunden sind, dass man auf keinen Weg öppe gut machen kann. Davor gruset es mir am meisten, denn ich weiss wohl, das kann ich nicht so in der Geduld annehmen, sondern ich ertaube auch, und was ich dann anfange, weiss Gott! Und deretwege habt ihr ein gutes Lob, wie ich vernommen, und rechtschaffen geht es bei euch zu; da könnte man Guts lerne, und ich mangelte das so übel, ich gspürs wohl, wie nötig ich es hätte. Und deretwege, ich will es aufrichtig sagen, habe ich mehr als Lybstalb an dich gesinnte; 's düecht mich immer, wenn es Gott so gut mit einem meinte, als es heisst, er sollte einen nicht so dem Teufel