ist bei solchem Wetter nicht lustig auf der Strasse sein, aber dSach hat pressiert." Resli sagte: "Komm hock und tue Bescheid"; er hätts bald nicht gekannt. Das war wirklich auch fast kein Wunder, denn Anne Mareili war nicht geputzt, sondern mehr verkleidet, hatte ein dünn, kurz Kitteli, einen halbleinernen Tschopen, ein halbreistenes Hemde an, eine Rosshaarkappe auf dem Kopf, war mehr angezogen wie eine mittelmässige Jumpfere und nicht wie eine reiche Bauerntochter, und doch war es auch so recht hübsch und stattlich, dass man da auch wieder sah, dass nicht immer die Kleider es sind, welche die Leute machen. Die Stubenjumpfere sagte, sie werden dSach wohl zusammen wollen, und wenn sie es begehrten, so wolle sie dieselbe ihnen in ein oberes Stübli tragen, es seien weniger Fliegen dort, und wenn man mit einander zu reden habe, so sei man bas alleine. Nit dass sie jemand hier stören würde, so an einem Orte sei sie nie gewesen, wo weniger Leute kämen, längs Stuck niemand als der Mühlekarrer und der Kämifeger, nicht einmal Bettler. Von wegen je böser eine Stubenmagd über die Frau Wirtin ist, desto zärtlicher wird sie in der Regel gegen die Gäste, und warum sollte sie nicht? Zieht es doch zum Herzen das Herz, und wenn die Frau Wirtin das Herz der Stubenmagd nicht will, warum sollte diese dasselbe nicht den Gästen austeilen dürfen?
Das Stübchen war klein, das Lischenruhbett eingesessen, der Tisch wackelte; es hatte nicht die fernste Ähnlichkeit mit irgend einem Prunkgemach, sei es einem Salon oder der berühmten blauen stube; aber doch kam es Resli und Anne Mareili wunderbar vor, und als sie neben einander auf dem Ruhbett sassen, fanden sie anfänglich keine Worte. Alles, was sie einander zu sagen hatten in der kurzen ihnen zugemessenen Frist, hatte sich aufgestaucht vor dem engen Durchpass; eins klemmte das andere ein, bis endlich Resli die Masse zu lösen begann mit der Bemerkung: "Ich habe geglaubt, du wollest nicht kommen, ich müsse unverrichteter Sache wieder heim."
"Es ist ein Wunder, dass ich da bin", sagte Anne Mareili; "ich habe lange nicht gewusst wie machen, und als ich einmal es gewusst, da hat es etwas gegolten, bis ich los geworden."
"Hast du dann nicht im Sinne gehabt, zu kommen? Hast du Mut gehabt, mich zu sprengen und umsonst warten zu lassen?" sagte Resli. "Zürn nicht", sagte Anne Mareili, "aber wenn das nicht so gegangen wäre wie der Blitz, so hätte ich es dir gleich damals abgesagt." "Begehrst du dann nichts von mir, oder mich nur zum Narren zu halten? Hab ich mich dann geirrt, wenn es mich düechte, es sei dir fast wie mir und ich sei dir auch öppe e weneli wert?"
Da tat Anne Mareili einen blick auf Resli; das wasser schoss ihm in die Augen, dann sagte es langsam: "Du weisst darum nicht, wie ich es habe. Mein Brauch ist es nicht, öppe im land herumzufahren, bald hierhin, bald dortin; das ist das erstemal, dass ich einem an ein Ort hingekommen bin. Und wenn ich schon wollte, man liesse mich nicht. Wir haben immer zu werchen mehr als genug, und dann ist es Üse auch, dass es nach ihrem Kopf gehe und nichts dazwischenkomme. Und da ist es mir lang gewesen, was es doch nütze, zu kommen. Nichts, als mir das Herz noch schwerer zu machen, als es schon ist, und ds Beste war, ich schlüge alles aus dem Kopf und liess es sein, als wüsste ich nichts von dir."
"Das wäre schön von dir gewesen, und darauf hätte ich dir nicht viel gehabt; dann hätts mih düecht, es sei kein Meitschi mehr einen Kreuzer wert, und was du von deinen Alten sagst, wird doch nicht eine Sache sein, die nicht zu ändern wäre", sagte Resli.
"'s wird wohl. Aber eben deswegen hets mih düecht, ich möchte dich noch einmal sehen und dir sagen, du sollest es doch recht nicht an mir zürnen, dass meine Eltern es dir so wüst gemacht haben und dich fortgelassen, wo du ja kaum bei dir selbst gewesen bist und ds Ryten nicht hast erleiden mögen. Aber es ist ihnen eben gewesen, dass es dr Kellerjoggi, den ich nehmen soll, nicht vernehme und dass wir nicht etwa viel mit einander redeten und es ihnen dann etwa eine Störung gebe in ihr Eingricht. Von wegen, wo der Vater durch will, da muss es durch, kosts was es wolle und gehe es übel oder nicht. Da hets mih düecht, das möchte ich dir noch sagen, dass du nur nicht zürnest und mit mir dich nicht plagest, dSach trag doch nichts ab. Aber einist wäre ich doch noch gerne bei dir gewesen, darum bin ich gekommen, vielleicht sehen wir uns dann unser Lebtag nicht wieder."
"Das wär", sagte Resli; "sövli übel wird es doch nicht stehen, haben wir doch nicht z'ernstem probiert; so leicht setz ich von einer Sache nicht ab, darauf kommt es nur an, dass du willst und mich begehrest. Dann möchte ich doch sehen, ob man dich zum Alten zwängen kann und dich mir nicht lassen muss.