Zähle darauf, es kommt dir nicht gut, wenn du nur solche Flausen im kopf hast; kannst du dein Lebtag nicht auch zu guten Gedanken kommen: was der Flachs gelten werde dieses Jahr, in welchem Zeichen man Bohnen setzen müsse und wie machen, dass es einem mit dem Heiraten gerate, wie es Vater und Mutter gerne sähen?"
Die Weggehenden, welche den Ort verändern, kommen aus dem Fluss der Rede; es geht eine Weile, bis sie an die Strasse sich gewöhnen, die Worte wieder flüssig werden, und manchmal geschieht es gar nicht, bald sind die Beine zu müde dazu, bald ist das Ross zu wild, oder die Gedanken über das, was man gesehen und erfahren, sind zu schwer und wollen erst verwerchet sein, ehe sie zu Worten werden können, wie es auch oft aus den schwärzesten Wolken weder regnen noch hageln kann, wie gerne es auch möchte.
So redeten sie auf dem Wägeli nicht viel und am allerwenigsten von der Hauptsache. Die Mutter kümmerte sich um Reslis Kopf, dieser hatte mit dem Draguner zu tun, der jedoch unter seiner Leitung besser gehorchte als unter der des Vaters, welcher sehr schläfrig war und mit seiner Pfeife sich abgeben musste, wenn er nicht einschlafen wollte, was er jedoch nicht verwehren konnte.
Daheim aber warten ängstlich und neugierig die Zurückgebliebenen, langsam verläuft ihnen die Zeit, und immer zu früh gucken ihre Augen aus nach den Heimkehrenden, und gar manchmal wird verhandelt, warum sie noch nicht da seien und wie sie kämen und was sie brächten an Kram und Neuigkeiten, und kommen sie endlich, so ist Geschrei ums ganze Haus, aus allen Löchern schiesst es hervor, jedes bietet seinen Willkomm, sogar die Tiere stimmen ein, es blökt das Schaf, es wiehern die Pferde, der Hund wedelet um Ross und Menschen, und auf der Bsetzi steht mit aufgehobenem Schwanze die zurückhaltendere Katze und harrt, um ihre sittsamen Liebkosungen merkbar anzubringen, eines günstigen Augenblickes. Vorlaute fragen werden nicht vernommen, aber ungeduldig harrt man des Augenblickes, wo die Geschäfte abgetan, Hunger und Durst gestillt, überflüssige Ohren sich entfernt, um zu fragen und auszupacken, was an fragen und Antworten in den Herzen aufgespeichert liegt.
Obgleich Resli sehr müde war und der Kopf ihm schwer, so wartete er doch die Auspacketen ab, denn auch ihn nahm wunder, ob Vater und Mutter nichts zu sagen hätten.
Annelisi war sehr unzufrieden, dass der ganze Bericht eigentlich auf nichts hinauslief, als dass sie die Dorngrütbäurin gesehen, und auch dieser Bericht fiel sparsam aus, denn Vater und Mutter waren vorsichtig in ihren Äusserungen über sie, und dass mit ihr gar nichts über die Sache geredet worden, das konnte es ihnen nicht verzeihen. Es sei ume lätz, dass es nicht dabei gewesen, dSach wäre anders gegangen und ab Ort gekommen, meinte es. Endlich vernahm es, dass das Ding sich nicht so machen liesse, indem etwas anderes im Spiel sei, und wo viel Dornen seien, müsse man erst zusehen, ehe man Hand anlege, wenn man nicht die Hand voll Dornen wolle. Da meinte Annelisi, das müssten aber doch wüste Leute sein, einem Meitschi so etwas (Schüligs, würden die Zürcher sagen) zuzumuten. Es wolle aufrichtig sagen, keinen Augenblick könnte es Vater und Mutter mehr lieb haben, wenn sie ihm so etwas zumuten würden, so ein Einmetzgen bei lebendigem leib; es düechs, ein rechtes Meitschi sollte fortlaufen, so weit es seine Beine tragen täten, einmal es würde es so machen.
Da seufzte Änneli, und Christen tubakete stark. Resli aber bekam die Augen voll wasser. Er sehe wohl, sagte er, dass sie etwas auf dem Herzen hätten, und er merke wohl was. Die Leute gefielen ihnen nicht, und wenn sie schon wegen Namen und Reichtum sich wohl schicketen, so hätten sie Kummer, inwendig sei es nicht gut. Er sehe das wohl ein, aber auf der Welt sei leider Gottes nie alles beisammen; bald fehle es auswendig, bald inwendig, bald am Meitschi und bald an den Eltern. Auch ihm gefielen sie nicht, und wenn das Meitschi ihm nicht so lieb wäre, und bsunderbar seit er es vor seinem Bette gesehen, als er die Augen aufgeschlagen und er gemeint, er sehe einen Geist, könne er nicht von ihm lassen. Es sei aber auch ganz anders als die Alten und hätte einen andern Sinn, nicht nur er meine es, alle Leute sagten es. Es sei ja auch ganz anders anzusehen, täte anders, und man sehe wohl, wie oft es sich für die Andern schämen müsse. Zudem käme es weit von ihnen weg, des Jahrs werde man sich nicht manchmal sehen, und sie sollten nur sehen, wie wohl es sein werde, wenn es bei rechten Leuten sei und ungehindert tun könne, wie es ihm sei. Dann erst werde so recht fürecho, was ihm Guets im herz syg.
"Man kann nicht wissen", sagte Christen, "Blut ist Blut und Art ist Art, aber ich will deswegen nicht wehren; du bist alt genug, um selber z'luege, du musst sie haben." "Vater", sagte Resli, "glaubt mir, die Sache macht mir auch schwer, ich weiss, es ist für mein Lebtag, ja vielleicht noch für die Ewigkeit, und es ist mir manchmal, es wäre mir viel nützer, ledig