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gebe, so brülleten die Leute die Welt voll, sie seien bschissen, weil sie den Glauben zu ihm nicht hätten. Der Glaube mache dSach. Und bsunderbar junge Wirte hätten das z'schüchen, sie wüsste einen, der sich mit einem solchen Streich sein Lebtag geschadet hätte, von wegen wenn dSach einmal brännte, so könne man ihr mit keinem Lieb mehr eine andere Kust geben, man möge machen, was man wolle.

So schwer hatte die Dorngrütbäurin nie heimgetragen, auch wenn sie einen Korb voll Birnen auf dem kopf getragen und einen Kratten voll in der Hand. Sie musste immer strenger daran denken, wie ihr Anne Mareili mit dem glücklich sein würde und wie das doch ein ganz Anderer wäre als der alte Unflat, vor dem es ihr selbst gruset hätte in der Jugend, obgleich sie nicht halb so eigelich gewesen sei als ihre Tochter. Freilich hatte sie dieselbe, wenn sie weinte und jammerte, oft damit getröstet, dass der Ätti noch älter sei als ihr Freier, und wenn es ihr der Ätti tue, so könnte es ihr der Andere auch tun, sie wüsste nicht, warum es die Tochter besser haben sollte als die Mutter. Indessen war doch etwas in ihr, welches ihr sagte, dass dieser Trost nicht genügend sei, daher setzte sie gewöhnlich hinzu: Es sei sich doch dr wert, für eine Sache, welche öppe nicht lange dauern werde, so wüst zu tun, eine, der so kurzen Atem hätte wie der Kellerjoggi, werde öppe nit hundertjährig werde. Ja, wenn es so lange dauern sollte, so wollte sie nicht viel sagen, sie glaube selbst, öppe dr Chumligist werde er nicht sein, und gnug tun in der Haushaltung werde eini müssen. Die Dritte möchte sie nicht sein, was sich zweue, das dritte sich auch, aber die Vierte, die werde ihm nadisch wohl den Marsch machen und dann hätte es sein Lebtag gut, könne im Sessel hocke und brauche nur zu befehlen, was man ihm darstellen solle für z'essen und z'trinken, und wenn es siebenmal im Tag Kaffee mache, so gehe das niemand was an.

So hatte die Mutter oft getröstet und gescholten, aber sie war doch von den Müttern eine, welche Gefühl haben für das persönliche Wohl und nicht bloss für Geld und Gut und ihres Hauses Glanz. Es düechte sie, wenn Anne Mareili eine vornehme Frau werden könnte, so wüsste sie doch nicht, warum es absolut um der Brüder willen den Alten nehmen und bloss zum Sparhafen geraten sollte. Es hätte sie doch auch strengs düecht, dachte sie, wenn man mit ihr so verfahren wäre, und wenn man es recht mache, so könnte man den Buben doch zueha, dass sie es machen könnten. Wenn der Alte immer wüst tue und nicht verschreiben wolle, was billig sei, so möge sie ihm nicht mehr z'best rede und dem Meitschi nicht z'böst, wenn es lieber diesen wolle; sie hätte wohl gemerkt, dass er ihm im Kopf sei, es hätte nicht vergebens so oft brichtet, wie es da einist mit einem hätte tanzen können, und dass es ihn gleich wieder erkannt zmitts in der Nacht und zmitts im Wald, das sei ein Zeichen, dass es ihn gut ins auge gno heig. Vielleicht könne man dem Einen mit dem Andern Füss machen, probieren könne man immer. Aber das müsse sie sagen, in das Haus würde Anne Mareili sich schicken, es hätte auch etwas so Stadlichs, und man wisse manchmal nicht, dürfe man mit ihm rede oder nicht, und es sei so ein eigeligs, es schütt sich ab Sache, wo üeblig und brüchlig syge u ke sterblichi Seel sich brauche ein Gewissen darüber zu machen.

So gings der Bäurin im Kopf herum, und als sie heimkam, machte sie ein Staatsgesicht und teilte jedem mit, was die Staatsweisheit erlaubte. Dem mann sagte sie, das seien Leute, wie man sie nicht dick finde, wenn man bloss aufs Meitschi luegti, so wüsste sie nicht, wo es eines besser machen könnte allem Ansehen nach. Besser luegen müsste man freilich allweg noch, aber sie glaubte, es wäre nicht einmal nötig. Wenn der Andere sich nicht bald nachelöy, so hülf sie anbinden. Geradeheraus hätten sie freilich nichts gesagt, die Wirtin, die Täsche, werde ihnen wohl gerunet haben, dass etwas anders obhanden sei; aber dass die Jungen einander gefielen, hätte sie wohl gemerkt, und wenn man mit ihnen etwas wollte, so hätte man die beste gelegenheit, man brauchte nur einmal zu ihnen zDorf, sie hätten sie gar grusam heisse cho.

Ihrer Tochter aber, die um sie her ging wie eine Katze um den heissen Brei, sagte sie, das seien wunderliche Leute gewesen, zu denen schickten sie sich nicht, Leute, von denen man nicht wisse, seien sie vornehm oder gemein; zu rühmen hätten sie nicht viel gehabt, aber mit dem Geld seien sie umgegangen, als ob sie einen Geldscheisser daheim hätten; sie hätten sie wohl daran gemahnt, wie man sage, dass die Täufer seien, deren so viele sein sollen im Emmental. Es werden zuletzt wohl deren sein.

"Aber Mutter, die Täufer tanzen nicht, wie ich immer gehört habe", antwortete Anne Mareili. "Ach was, du hast immer nur dein schiessiges Tanzen im Kopf, als wenn ds Tanzen die Hauptsache wäre in der Welt.