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." "Es war neuis, aber es wird nichts mehr sein", antwortete Christen. "Neue einmal haben sie mit einander getanzt, und da hat ds Meitschi dem Bub wohl gefallen und er hat von ihm gesagt; aber er wird wohl selber sehen, dass da nichts ist als Mühe und Umtrieb, und selbem fragt er nichts nach, so wenig als ich." "He", sagte die Wirtin, "ich wollte ds Herz nicht gleich fallen lassen, ein schön und reich Meitschi ist doch wohl öppis Müh wert; auf denen, wo einem so in den Mund fliegen, wie im Sommer die Muggen, werdet Ihr doch auch nicht viel haben. Und wenn ich etwas dabei helfen kann, so unter der Hand, dass es niemand merkt, so will ichs gerne tun, von wegen dem Meitschi möchte ichs gönne, und wenn ich den Alten etwas zwidertun kann, dass sie es nicht merken, so spar ichs auch nicht."

Endlich kamen Resli und die Mutter wieder hinein und die Letztere darein ergeben, nicht ins Dorngrüt zu fahren, aber man sah, es ging ihr nahe. Alle Umstände, die man gemacht, die schönen Kleider, das viele Geld, die halbe Todesangst mit dem Draguner umsonst! Bloss der Trost hielt sie aufrecht, dass doch andere Leute sie gesehen, und was diese gesehen, werde im Dorngrüt nicht unbekannt bleiben.

Das gute, fromme Änneli war ganz Mutter, und für seines Sohnes Glück hätte es seine Seligkeit gegeben, wenigstens die halbe, und weil es glaubte, man hätte seinen Sohn verachtet, so konnte es Prunk und Hoffart treiben, welche beide ihm sonst in der Seele zuwider waren. Es ist jede rechte Mutter einer Henne gleich, die mit Schnabel und Flügeln schlägt und pickt, wenn man ihr nur von weitem nach einem Küchlein reckt; aber während die sorge der Henne nur einige Wochen dauert, erlischt die sorge der Mutter erst, wenn das Auge im tod bricht, und wer weiss, ob auch dann? Und wenn ums Bett der sterbenden Mutter die Kinder stehen und ihr brechend Auge gleitet in flüchtigem Blicke über die weinende Schar, so könnte, wer die Schrift verstünde, im flüchtigen Blicke zusammengedrängt lesen all den Kummer und die Sorgen, die Leiden und die Freuden, die das mütterliche Herz um jedes ihrer Kinder getragen und die sie jetzt als ihre Lebensbeute mit ins Grab nimmt und sie auch hinauftragen wird zu ihrem Vater und ihrer Kinder Vater.

Änneli machte sich, um das Ding recht unter die Leute zu bringen, auf nach dem Krämerladen. Es gehe so selten fort, sagte es, dass es anständig sei, etwas zu kramen denen, die daheim geblieben, und es nehme ihn es wunder, wie man hier den Kaffee gebe. Das Krämerhaus ist noch mehr als das Wirtshaus der Ort, wo den Weibern nicht nur der Mund aufgeht, sondern auch das Herz, und wo es alle Tage Verhandlige gibt, die noch viel kurzweiliger wären als die Verhandlungen von Grossräten und Tagsatzungen, welche doch in die Zeitungen kommen. Aber eben vor lauter Wichtigkeit und weil man mit Leib und Seele dabei ist, hat niemand Zeit, sie aufzuschreiben. Und doch kommen sie im land herum, laufen von Haus zu Haus, richten Krieg an und Frieden, Hochzeiten und Kindstaufen, während in den gedruckten oft weder Kraft noch Leben ist, nichts als tote Buchstaben, mit denen man keinen Hund vom Ofen lockt, höchstens den Narren treiben kann mit einer jungen Katze.

Änneli traf es bei der Krämerin wie gewünscht; niemand war da, und so konnte es reden, sehen, sich vorlegen lassen und kaufen ganz nach Belieben. Es nahm sich Zeit, die Krämerin nahm sich Zeit, und so geschah es, dass am Ende Änneli einen Haufen zusammengekauft hatte, welcher ihm schwer geworden wäre, ins Wirtshaus zu tragen. Dabei benahm es sich ohne Ruhmrederei, aber so recht apart, verständig und einfach, dass es die Krämerin fast zTod wunder nahm, wer das sein möge, und doch durfte sie nicht fragen. Denn eben dieses Betragen war so recht vornehm, dass es ihr grossen Respekt einflösste. Wer sich selbst rühmt und vornehm scheinen will mit Gebärden und Redensarten, der verrät seine Gemeinheit, und jeder macht sich mit ihm gemein, und niemand scheut sich, ihn zu fragen, was ihm in den Mund kommt. Die Krämerin tat es durchaus nicht, dass Änneli auch nur ein Stücklein trug, versprach, sie wolle auf der Stelle es nachbringen, sie müsse nur noch die Erdäpfel über, tun. Sie hielt ihr Versprechen, wusste es aber zu machen, dass sie von der Wirtin vernahm, was das für Leute seien, samt einigen Deutnissen auf den Dornakker.

Und wie es kam, weiss man nicht, aber die stattliche Mahlzeit neigte sich eben dem Ende zu, der Wirt sass bei Christen und sie redeten von Knochenmehl und Ölkuchen. Die Wirtin trug ab und zu, und Änneli sagte, es wäre bald Zeit fort, und Resli sollte doch sehen, ob auch das Ross seine Sache hätte; es möge nichts minder leiden, als wenn die Leute sich wohlsein liessen, während die Tiere Mangel litten und Hunger. Resli sagte, zwar öppe viel werde der nicht mangeln, ging aber doch nach der Mutter Willen, und wie es kam, weiss man nicht, aber wie er aus dem haus trat, kam gerade die Dornackerbäuerin die