ihnen so darum gewesen, seiner los zu werden.
Änneli ward nicht müde mit fragen, ob sie etwa nicht gewusst, wer sie waren, und wie das Meitschi gewesen, was die Mutter für ein Gesicht gemacht, was Haus und Hof für eine Gattig gemacht und ob Resli mit dem Meitschi nichts abgeredet, sondern alles im Alten gelassen. Und je mehr Änneli hörte, desto unwilliger war es nicht alleine über ds Bure, sondern auch über seine Buben, die wie jungi Gahline die beste gelegenheit aus den Händen liessen, denen nichts zSinn käme, nicht einmal das Einfältigste, öppe es Bstellts z'mache. Gerade Solche müsse man an einen Ort schicken, wenn alles verkegelt werden solle. Wenn es nur von weitem gewusst hätte, wo Resli sei, kein Mensch hätte es abgehalten, selbst hinzugehen, und es wett die schönste Kuh im Stall, so z'leerem wäre es nicht dort weg; es hätte wissen wollen, woran es sei, und Resli wär noch dort und läge in der stube, wo so hoffärtig sein solle mit Ruhbett und überzogenen Sesseln, wo man, wenn es niemand sehe, brauchen werde als Stelzen, damit einem die Mistgülle nicht über die Schuhe hineinlaufe. Darauf aber hätte es nichts, so hoffärtig innefert und so usufer ussefert; sufer usse u demüetig innenache, das sei seine Sache, und es sei ihm immer wohl dabei gewesen und den Andern auch. Wenn man sich gewohnt, so hocke man auf ihren Stabellen so wohl als auf Ruhbettleni, wo manch, mal ärger verhudelt seien als eine Bettlerkappe, wo dHaar aus hundert Löchern gwunderten, oder verdrohlet und zsämetätscht wie die Strohsäcke in einem Spital, wo man nur alle sieben Jahre frisches Stroh gibt und Sieben in einem Bette liegen.
Kurz, Änneli war unwirsch, ungeduldig, und wenn man ihn es hätte machen lassen, es wäre auf der Stelle fortgefahren der Sache nach und um Resli zu sehen, den man doch nicht so alleine könne sein lassen. Annelisi sagte, es wolle noch heute fort, wenn die Mutter begehre; zu Resli könne es auch sehen, und wenn mit dem Dorngrüt etwas zu machen sei, so käme ein junges Meitschi, dessen man sich nichts achte, vielleicht besser zueche als so eine Frau, wo man gleich vorauswisse, warum sie käme, und an ihrem gesicht abnehmen könne auf hundert Schritte, dass sie was Wichtiges im Sinne hätte.
"Ja wolle", sagte die Mutter, "du wärest mir gerade das Rechte! Bist ja für dich nicht klug genug, geschweige denn für Andere. Nein, da muss ich selbsten hin und sehen, was zu machen ist." Das gute Änneli kam in ein rechtes Fieber hinein, bis der Vater kam und sagte: "Bis ume ruhig; wenn es gut kommen soll, so fehlts nit, und wenn es fehle soll, so hilft alles Zappeln nichts. Heute ist es zu spät, aber morgen kann man fahren und sehen, was zu machen ist allfällig." Da wollte eine Röte aufsteigen in Ännelis Gesicht. Als es aber in Christes gutmütige Augen blickte, liess es sich wieder nieder; es gab Christen die Hand und sagte: "Du hast recht; chömit, Ching, mr wei es Kapitel lese."
Aber den Schlaf las Änneli doch nicht herbei, und gar stürmisch, wie von zwei Winden hin und her getrieben, bewegten sich die Wellen ihres Gemütes. Denn ausgestritten hat niemand, solang das Herz nicht steht; solang das Herz noch geht, erhebt sich neuer Streit, wenn ein alter endet; darum hat nur der ausgestritten auf Erden, der auch ausgelitten hat und durch den Tod ins ewige Leben gegangen ist. Änneli hatte noch kein Kind verheiratet und glaubte das Wehen des Todes zu fühlen, und wo ist die Mutter, die nicht gerne von ihren Kindern wenigstens eins, wenn nicht alle, im stillen friedlichen Schatten der Ehe sähe, ehe sie die Augen schliesst!
Resli war ihr Herzkäfer, und sein Glück schien zu schwanken auf Vorurteilen wunderlicher Eltern; wie die zu beseitigen, zu zerbrechen, das ging Änneli wild durch den Kopf, und es düechte ihn es je länger je mehr, wenn es denen die Sache nur recht sagen könnte, so wär dSach richtig.
Daher weckte diesmal die Sonne Änneli nicht. Änneli war früher auf, suchte Bettstücke zusammen, um wenn möglich Resli das Heimkommen zu erleichtern, machte dabei so manche tür auf und zu, dass alle im haus erwachten und in der Angst, sie hätten sich verschlafen, da die Mutter bereits im haus herumfahre, eiligst sich auf Beine machten, aber bald merkten, was Trumpf war.
Christeli machte sich in den Stall, Annelisi in die Küche; nur der Vater sass noch im Bette schläfrig und rieb sich die Augen, als Änneli mit einem Armvoll Kleider, die es im Spycher geholt hatte, wiederkam. "sehe, Ätti", sagte Änneli, "da hast du Kleider; ich wollte jetzt auf, wenn ich dich wäre, so brauchst du nicht zu pressieren und bist doch fertig, wenn wir fort wollen." "Soll ich mit?" fragte Christen. "Das versteht sich", sagte Änneli, "wer sollte sonst kommen" "Ich glaubte, du und Annelisi wollten fahren", sagte Christen; "was ist es für Zeit?" "denke halb vier ist es. Was wollte ich mit Annelisi