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gross, die blieben öppe manchmal aus, kein Mensch wüsste, wo sie wären, und er werde öppe nicht besser sein als die Andern. Er sei noch keine Stunde fortgewesen, dass die Mutter nicht gewusst hätte wo, sagte er, und beim zMorgenessen hätte er noch nie gefehlt. Da sei er ein Exakte, sagte die Mutter, so von einem hätte sie nicht bald gehört, ihr wäre es auch anständig, wenn ihre Buben so wären. Sie hätte noch mehr gesagt, denn die Mütter balgen gerne über ihre Buben, wenigstens halb so gerne, als sie dieselben rühmen und rühmen hören, und gar oft ist das Balgen nichts anders als eine brücke zum Rühmen, aber der Vater fiel ihr ins Wort und sagte, wenn er wüsste, dass er es erleiden möchte, so wollte er ihn schon einen Platz führen, dass er heute noch heimkäme. Was er doch denke, sagte Anne Mareili, erst sei er zu ihm selber gekommen, und der Kopf sei noch wie Feuer, er solle kommen und greifen; dazu legte es seine Hand auf Reslis Stirne, dass der gar nicht wusste, hatte er kühl oder heiss, aber einen Umschlag, der ihm so wohl machte, hatte er noch nie aufgehabt. Es düechte ihn, mir dem auf der Stirne liefe er übers Meer bis nach Amerika, ohne umezluege. Jemand schicken könnte man, sagte es, es düech ihn es selber, das wär schickig. Es wolle gehen und sehen, wen man schicken könne, es seien deren genug, die um sechs Kreuzer es wisse kein Mensch wie weit liefen. "Aber wenn er es zwängen will, zu gehen", sagte der Vater, der nicht Lust hatte, zu greifen, wie heiss die Stirne sei, "was willst du ihm dawider sein? Er soll am besten wissen, was er erleiden mag und was sie daheim sagen."

Das gschweigete Anne Mareili, es ward rot über und über und ging hinaus. Resli begriff des Alten Rede wohl, dass er da nicht wert, sondern lästig sei. Das vertrug sein Stolz nicht.

Er sagte daher, er hätte ihnen bereits zu danken genug und wolle nicht länger ihnen in den Kösten sein; bis zum nächsten dorf möge er allweg gehen, und möge er dort nicht weiter, so werde für Geld und gute Worte wohl ein Ross zu finden sein. Er wolle ihn nicht zwängen, sagte der Alte, aber wenn er ein Zeugnis wolle, wie man ihn gebracht, so sage er es ihm nicht ab; er werde die, welche ihn geschlagen, doch kennen und angreifen wollen. Resli antwortete, er sei der Sache nicht gewiss, und wenn er es schon wäre, so griffe er sie doch nicht an. Einen Streich mehr oder weniger mache nicht viel aus, und das Geld, welches er allfällig erhalten könnte, würde ihm nicht so viel Freude machen als das Prozedieren Verdruss, und aparte hätte er es eben auch nicht nötig. "Es hat ein jeder seine Art", sagte der Bauer, "aber wo ich recht habe, da habe ich recht, gebe nicht nach, und sollte es mir den Gring kosten, geschweige denn den letzten Kreuzer."

Resli schwieg dazu und sagte nicht, was sie daheim auf dem Prozedieren hielten, verliess das Bett und machte sich wenn auch schwankend und sturm, zur Abreise bereit. Da kam rasch Anne Mareili und sagte, es seien Zwei auf einem Wägelein gekommen und frügen ihm nach, er werde aber doch nicht fort wollen, er hätte ja jetzt gelegenheit, heim Bescheid zu machen. "Er kann ja jetzt reiten", sagte der Bauer, "und wenn er es ja will ghebt haben, so sind wir nicht schuld, wenn er es öppe nicht erleiden mag." Unterdessen hatte die Mutter Christeli hereingebracht, der eine gar herzliche Freude an den Tag legte, Resli so wohl aufgefunden zu haben und dazu just noch im Dorngrüt, das sei das Kuriosest. "Warum ist denn das das Kuriosest, ist es hier nicht wie an einem andern Orte?" fragte der Bauer. "Ho wohl", antwortete Christeli verlegen und blieb dann stecken auf einen Wink von Resli. Anne Mareili machte gwunderige Augen, es ahndete etwas, das es gerne gehört hätte; aber Resli, der in des Vaters Gesicht Unrat merkte und sein Spiel nicht gerne verdorben hätte durch ein unbesonnen mit der tür ins Haus Fahren, was bei Mädchen öfters vortrefflich ist, bei Vätern aber selten, antwortete rasch: "Wir haben voriges Jahr Holz verkauft, wir reuteten ein Waldlein aus, das mitten im Land gestanden und viel geschadet hat an der Sonne; da ist uns gesagt worden, viel von dem Holz sei an dieses Haus gekommen." Christen machte seltsame Augen, als er den Bruder so reden hörte, war aber klug genug, zu schweigen. Den Bauer nahm es wunder, wie sie das Holz verkauft hätten; er überschlug, was der Händler zwischenausgenommen, und meinte endlich, man sei nur ein Narr, wenn man sich mit ihnen einlasse, wer Zug hätte, täte immer am besten, dSach selber z'kaufen an Ort und Stelle. Er meine es auch, sagte Resli, und wenn er etwas nötig hätte, so solle er nur zu ihnen kommen, es müsste nicht zu machen sein, oder er solle haben, was er begehre, und öppe nit