Gottes Name", da sagte Anne Mareili: "Das geht nicht diesen Weg, den können wir da nicht liegen lassen, vor Gott und Menschen könnten wir es nicht verantworten." "kommt", sagte ein Bursche, "dem fragen wir nichts nach; wie er dahin gekommen ist ohne uns, so wird er auch so wegkommen. Es weiss ja niemand, wem er ist." "Nein, so kommt er nicht weg", sagte Anne Mareili, "das ist ein vornehmer Bauernsohn, da obe aben, ich habe ihn einmal angetroffen. Wenn wir den so da liessen ungratsamet und er umkommen musste, so wurde ja unsere ganze Gegend verbrüllet, kein Kreuzer Steuer käme da oben herab, und es möchte brennen wie es wollte, so käme niemand mehr zur hülfe. Es muss doch nadisch nicht heissen, unser Wald sei eine Mörderhöhle." Anne Mareili war im Ansehen, und es war nicht das erstemal, dass es etwas befohlen hatte, und so stellte sein Wort die Leute; sie ratschlagten, wie der fortzubringen sei. Anne Mareili befahl einem ihrer Knechte, auf dem kürzesten Wege heimzulaufen und ein Wägeli mit Stroh zu bringen, bis dahin könnte man ihn mit Zweien, die ihn hielten, vornen auf das Bänklein der Spritze setzen. Auf die Einwendung, wo man dann mit ihm hin wolle, wenn er es doch selbst nicht sagen könnte, wie er heisse, sagte es, dass sie darüber keinen Kummer haben sollten, das sei nicht der Erste und werde nicht der Letzte sein, den sie beherberget hätten. Anne Mareilis zwei Brüder, die da waren, redeten zwar dagegen, aber brachten nichts ab.
So war Resli in dies Haus gekommen. Der Vater hatte darüber gemuckelt, die Mutter aber gesagt: Sie hätten noch keinen kranken Bettler fortgejagt, und da wärs doch grüslich, wenn man Bauernsöhne im wald wollte verrebeln lassen und dass das ein Bauernsohn sei, und zwar von den vornehmern einer, sehe man schon am Hemde, sie hätte noch nicht bald ein so feines und weisses gesehen.
So war es gekommen, dass Resli in Anne Mareilis Stübli war, denn dass er dortin gebracht wurde, hatte es angeordnet, und es hatte ihn es gedünkt, es nähmte nicht alle Schätze der Welt dafür, dass er nicht da wäre, und jetzt, als Vater und Mutter draussen waren, reichte er ihm die Hand und sagte: "Du bist doch nicht mehr höhns, aber ich habe wäger nicht gewusst, dass du es bist."
"Wer wollte höhn werden in einem solchen Wirrwarr", sagte Anne Mareili, "wer hohn werden will, muss nicht an eine Brunst."
"Es war nur lätz, dass der Wagen daherkam wie vom Himmel, ich hätte dir doch sonst gesagt, es sei mir leid, und gab wie ich dich gesucht, fand ich dich nicht mehr", sagte Resli. "Aber wie bin ich hierher gekommen?"
Nun erzählte Anne Mareili, wie es zugegangen, aber die Hauptrolle teilte es sich selbst nicht zu, sondern es bediente sich der Redeform: Me het denkt, gglaubt, gseit, gmacht. Dann musste Resli erzählen, wie er unter die Eiche gekommen und da alleine geblieben. Der redete nun schon etwas deutlicher und sagte, dass es ihn immer gedüecht, er möchte ihn es finden, um ihm zu sagen, dass er ihn es nicht gekannt, denn sonst wäre er doch sicher nicht so grob und unerchannt gewesen, das sei doch sonst seine Art nicht; aber alles hätte ihn böse gemacht, und gäb wie er die Leute zusammengestellt, sei doch gleich wieder alles auseinander gewesen. Er hätte gemeint, er höre ihre stimme, und nachsehen wollen, da sei es ihm gewesen, als schlage man ihn auf den Boden hinab und schwärzer und schwärzer werde es um ihn, je tiefer er falle; plötzlich sei alles erloschen. Da sei es ihm in den Ohren gewesen, als rede es wieder, und mühsam hätte er die Augen aufgetan, aber hinter der Mutter sie nicht recht gesehen; plötzlich sei ihm eingefallen, das Meitschi hinter der alten Frau sei doch das, welches er gesucht, allem an; das habe ihm die Augen wieder aufgetan und ihn zu sich selbst gebracht. "Aber hast du mich denn noch gekannt?" fragte Anne Mareili. "Warum nicht", sagte Resli, "unter Tusige hätts mer nit gfehlt, aber hast du mich noch gekannt?" "Es hat mir geschienen, es sei dich", sagte Anne Mareili, "doch habe ich es so bestimmt nicht gewusst, bis dass ich dich recht gesehen habe. Aber weisst du, wo du bist?" fragte Anne Mareili. "Es wird im Dorngrüt sein", sagte Resli. "Warum meinst" fragte Anne Mareili. "Bist du nicht ds Dorngrütbauern Tochter?" "Wer hat dir das gesagt?" "Ds Stubemeitli, wo uns aufgewartet hat." "So, damals schon hast du es vernommen, und wunder hat es dich nicht genommen, wie ich heimgekommen, das ist schön von dir, und willst an mich gesinnet haben?" "Häb es nit für ungut, hundertmal hätte ich daran gesinnet, zu kommen, aber du hast mir nichts gesagt, und zu fragen hatte ich nicht Zeit." "Es ist einer ein schlechter Schütze, wenn er keine Ausrede weiss