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bessere. Wenn ich meine Burde Bänder ausgemacht, so will ich wieder kommen und sehen, ob du aufmögest." Es gingen Beide, Vater und Mutter, hinaus, und Keines von Beiden hatte eine Ahnung von dem, was in den jungen Herzen sich regte.

Anne Mareili hatte seinen schlanken Tänzer nicht vergessen können, hatte an manchem Markt, oder wo viele Leute zusammenliefen, seine dunkeln Blicke umsonst nach ihm ausgesandt, war manchmal in dunkler Nacht, wenn der Wind über seine Fenster strich, aufgefahren und hatte gedacht: ist es ihn wohl?, hatte dann traurig sein Haupt in die Kissen verborgen und gesinnet und gedacht: Ob er wohl vernommen, wer es sei, und ob es sein Lebtag nie vernehmen werde, wer er gewesen, und ob sie nie zusammenkämen. Vergessen könne es ihn nicht, und wenn es ihn erst in der Ewigkeit wieder sehen sollte, so kennte es ihn wieder auf den ersten blick. Um so tiefer und inniger prägte das schöne Bild sich ein, je düsterer das Los war, welches ihm zu warten schien; um so weniger durfte es aber auch die Eltern merken lassen, was tief im Herzen ihm lebte. Wenn es gesagt hätte, es liebe einen Burschen, von dem es nicht wüsste, woher er sei und wie er heisse, so hätten sie gesagt: "Bist e Narr, e Sturm, unser Lebtag hat man nie davon gehört, dass ein Mädchen es Mannevolch gliebet het, wo es ihm keinen Namen hat geben können und nicht einmal gewusst, hat er nüt oder öppis und ob er auch an einem rechten Ort daheim ist oder nicht. Wie öppe die zusammenkommen, welche nichts haben, das weiss man öppe."

Heimlich trug es das Bild in sich, wo es niemand sehen konnte, und kein Tag verging, dass es nicht dachte: Sinnet er wohl auch noch an mich und kennte er mich wieder, wenn wir wieder zusammenkämen? Dann stellte es neben dieses Bild ein anderes Bild, einen siebenzigjährigen Gritti mit dünnen grauen Haaren, roten Augen und einer Schnupfnase, und wer dann nahe bei ihm gewesen wäre, hätte wohl gehört: "Und ich tue es nicht, und wenn sie es zwängen, so sterbe ich."

Das Dorngrüt lag keine Stunde weit von Aufbegehrigen, seitwärts von der Strasse. Als Wolke um Wolke in schwarzen Wirbeln gegen Himmel stieg, das Aufflammen neuer Häuser verkündend, die Glocken immer ängstlicher um hülfe wimmerten, da blieb nach üblich schöner Sitte in weiter Umgegend niemand, der arme und Beine rüstig rühren konnte, daheim. Die Bauerntöchter liefen mit den Mägden, die Söhne mit den Knechten, und mancher Grossätti humpelte hinterdrein, mit einem Eimer in jeder Hand, welche von dem leichtsinnigen jungen volk vergessen worden waren und welche doch bei jedem Brande so nötig sind. Auch aus dem Dorngrüt war alles fort bis an Vater und Mutter, und rüstig hatte Anne Mareili gearbeitet, war aber von den Seinen abgekommen und suchte sie wieder. Da erschien ihm plötzlich, als es am wenigsten daran dachte, sein lieb heimlich Bild, es schalt es Lümmel, und wie ein nächtlicher Spuk verschwand es. In einen andern Wasserzug, der durch dunkle Baumgärten ging, gestossen, konnte es sein Bild lange nicht suchen, musste Eimer um Eimer laufen lassen durch die rüstigen hände, und der Boden brannte unter seinen Füssen und es musste bleiben. Zweimal wollte es entrinnen, zweimal wies man es hart wieder an seine Stelle. Die Abdankung machte es frei, aber nur zu hinterst an den Ring gelangte es, sah nichts, musste seine Leute suchen, musste ihre Spritze suchen, denn die Mädchen wollten nicht alleine durch den Wald, wollten mit ihrer Mannschaft gehen; sie verliessen unter den Letzten den Brandplatz, zahlreich und im Geleite der Spritze. Langsam und Jeder seine Helden, taten berichtend, dass wenn er nicht gewesen, der Pfarrer verbrannt wäre oder eine Frau oder ein Hals, und wenn ihre Spritze nicht gewesen wäre, nicht nur kein Haus, sondern kein lebendig Bein übrig geblieben wäre, zogen sie durch den Wald. Plötzlich schrie ein Mädchen, welches etwas seitwärts gegangen war, auf: "Herr Jemer, Herr Jemer, e Totne, e Totne!" Der Zug hielt, die Mädchen schrieen auf, die Bursche liefen hin; man rief nach der Laterne, hinter derselben drängten schüchtern die Mädchen sich nach. Unter einer Eiche lag ein schlanker Bursche, das blasse Gesicht im grünen Grase; blutige Streifen liefen über seine Wangen, mit Blut war das Gras betaut, und ein blutiger Streif lief vom Wege zur Eiche hin.

Auch Anne Mareili drängte sich in den Rund, den zwei Laternen hell machten. Da lag der, den es heimlich im Herzen getragen, gefunden, verloren; da lag er, tot. Es schrie nicht auf, es fiel nicht in Ohnmacht, aber es war ihm, als fasse eine eiserne Hand sein Leben und drücke es zum tod. Da rief einer: "Nein, der ist nicht tot, er ist noch ganz warm, und ds Herz rührt sich auch, wie mich düecht." "So kommt", rief der Spritzenmeister, "ehe er zu sich selbst kommt, sonst wer weiss, ob wir nicht noch ins Schloss müssten oder gar dSach selber sollten gemacht haben." Der Ring lief auseinander, die Bursche wollten wieder zu Rosse, der Spritzenmeister sagte schon: ", i