1843_Gotthelf_137_57.txt

dass man sich lieb haben sollte, wenn man bei einander ist, weiss ja doch kein Mensch, wenn man von einander muss!

In einem waldumsäumten Boden stunde in Mitte reicher Matten ein grosses graues Haus, dessen Hinterseite im Reiz der Neuheit glänzte; nebenbei lagen ein Holzschopf, ein Spycher und ein sogenannter Stock mit kleinen Fenstern und einem auf die Fenster gedrückten dach, das akkurat aussah wie ein Hut, den ein Räuber sich in die Augen gedrückt, damit niemand sehe, was die Augen im Schilde führen. Allerlei lag um das Haus herum, Bauspäne und sonstiges Geräbel; die Mistgülle lebte in süsser Freiheit, Enten und Hühner ebenfalls, und im offenen Tenn stand ein kurzer dürrer Mann mit breiter Nase und schmalen Augen, der Strohbänder machte für die kommende Ernte. Neben dem Tenn lag die Haustüre, die durch einen schwarzen, rauchigten gang zunächst in die Küche führte. Aus derselben kam rasch ein Mädchen, dem man aber den Rauch nicht anmerkte, denn es war nett, schmuck, sorgfältig gestrählt, und sagte: "Vater, es wird doch noch der Doktor geholt werden müssen, er will nicht erwachen, oder was meinst?" "Was anfangs", hässelte der Mann, "dass ihr ihn hättet liegen lassen sollen; was ist er euch angegangen und was hat es braucht, uns die Unmusse zu machen?" "Aber Vater", antwortete das Mädchen, "so hätte er ja sterben müssen." "So hätt' er, es muss einmal sein, und jetzt wäre es ihm vielleicht leichter gegangen als einist." "Aber Vater, was hätten wir uns für ein Gewissen machen müssen, wenn wir ihn hätten liegen lassen und es dann geheissen hätte, er sei gestorben!" "Unkraut verdirbt nicht so leicht, und du weisst nicht, ob seine Kameraden ihn nicht gesucht, und das ist dann eine schöne geschichte, wenn die ihn nicht finden und weiss da Schinder was für einen Lärm machen."

"Es ist einmal jetzt so, Vater", antwortete das Mädchen, "und Balgen macht die Sache nicht anderst. Aber wolltest du nicht hineinkommen und sagen, was du meinst? Wir haben Weinüberschläge gemacht, und jetzt sagt die Mutter, sie wolle noch mit kaltem wasser probieren, und wenn das nicht helfe, so wisse sie nichts mehr anzufangen." Das Band zusammendrehend und dasselbe zu den gemachten legend, sagte da Alte: "So gehts, mit unserer Sache mögen wir nicht fertig werden und haben böse und geben uns noch dazu mit andern Leuten ab und versäumen uns darob. Aber dass du das weisst, einmal für allemal, wer liegt, den lasse liegen!

Was vermögen wir uns dessen, wenn einer nicht zu sich selbsten sieht!" So keifend ging er hinter dem Mädchen drein über die hohe Schwelle durch den dunkeln gang, in welchem Werkzeug stand aller Art und manche schwere Kette an hölzernen Nägeln hing. Das Mädchen öffnete eine Stubentüre, und hinter ihm drein brummte der Vater: Man hätte ihn nicht brauchen in die stube zu tun und ins beste Bett; Solche, die man im Wald auflese, tue man in den Stall, und im Stroh wäre er noch wöhler gewesen als in einem Federbett. "Vater, der ist von einem haus her", sagte das Mädchen, "wo sie nicht gewohnt sind, im Stroh zu liegen." "So wäre er daheim geblieben, da hätte er dann meinetalb liegen können, wo es sich ihm am besten geschickt."

"St! St!" flüsterte drinnen in der stube eine lange, hagere Frau und hielt den blauen Umhang vor dem Bett etwas zurück. "St! er rührt sich." Leise trat die Tochter hinter die Mutter, an der Fusseten blieb der Bauer stehen und sah nach einem blassen Jüngling hin, der im Bette lag, dessen Kopf verbunden war, dessen Augen geschlossen und in dessen Hand ein Zucken sichtbar wurde, ein Heben und Wiederfallenlassen; es war, als fühlte er irgendwo etwas, wolle hin mit der Hand und vermöge es nicht.

Da mangle es des Doktors nicht, sagte der Bauer, der werde bald von sich selbst erwachen. Allbets sei es einem nicht der wert gewesen, wegen einem jedere Müpfli desauszufahren wie ein Kegel und so i dAllmacht z'liege.

Da schlug der Wunde langsam die Augen auf, sah matt um sich, langsam sanken die Augenlider wieder zu; plötzlich, als ob etwas Besonderes zu seinem Bewusstsein gekommen, fuhr er auf, sah mit Staunen in der stube herum und fragte endlich: "Aber um Gottes willen, wo bin ich und was ist mit mir?" "He, wo wolltest du sein, als hier", sagte die Frau. "Aber wie bin ich hieher gekommen?" fragte Resli.

"sehe, Meitschi, bricht", sagte die Mutter, drehte sich, und vor Resli stunde unverdeckt Anne Mareili, des Dorngrütbauren Tochter, sittig und verlegen die Augen gesenkt. Dem Resli ward es gar wunderlich im Herzen, er musste sich legen, aber wie sie ihm auch zufallen wollten, die Augen schloss er nicht wieder. "sehe, bricht, Meitschi", sagte die Mutter, "drwylen kann ich haushasten." "Es ist einmal gut", sagte der Bauer, "dass du wieder bei dir selbst bist, so braucht man den Doktor nicht und dSach wird scho