entdeckt war, den er scharf ins Gebet nahm. Hansli gab Bericht und ziemlich der Wahrheit gemäss, nur dass er den, welcher ihn von Resli weggelockt, sehr ins Schwarze malte und zu verstehen gab, dass es mit dem nicht richtig gewesen sein könnte. Aber dass Resli tot sei, glaube er nicht, doch wo er hingekommen, begreife er nicht. "He nun so dann, so muss man ga luege, du kömmst doch mit und zeigst, wo er zuletzt gewesen?" Er sei wohl müde, sagte Hans, die ganze Nacht hätte er nicht geschlafen. "He nun, so nimmt man Ross und Wägeli, mach dass du in einer stunde z'längst unten am Weg bist." Hans war bereit dazu, sobald er sah, dass Christen nicht mit ihm aufbegehrte; er sagte, es sei niemand mehr daran gelegen, zu wissen, was mit Resli gegangen, es sei ihm nicht nur wegen Resli selbst, sondern auch, damit man wisse, dass er ihn nicht liederlich im Stich gelassen.
Christen ward es auf dem Heimwege ganz wunderlich, die Beine schlotterten ihm, und mehr als einmal war es ihm als ob es ihm schwarz werden wollte vor den Augen, dass er sich an einen Zaun stellen musste und sich halten. Er hatte gute Hoffnung, dass die Sache nicht halb so böse sei als die Leute ausstreuten, und das wasser stunde ihm fort und fort hoch in den Augen aus Dank und Freude, dass die Nachrichten besser seien, als er anfangs gedacht; aber eben deswegen liess die Spannung des Schreckens nach, und blöde ward es ihm an Leib und Seele, und lose nur schienen seine Glieder zusammenzuhängen. So kam er langsamer, als er gedacht, und mit Mühe heim, wo weit im Gässchen vornen alle seiner warteten.
"Herr Jemer! Herr Jemer!" sagte Änneli, "wie siehst du aus, er ist tot, gäll? O Resli, my Resli, sehe ich dich nie mehr!" und aufs neue schlugen die Wellen des Jammers über das Gestade. "Tu nicht so", sagte Christen, "wäger nicht, allem an ist Resli nicht tot. Er wird, als er alleine war, zu sich selbst gekommen und nun hingegangen sein, wo er jetzt noch ist. Aber suchen muss man ihn. Christeli, gib dem Braun z'fresse und mach das Wägeli zweg, ich will mich anders anlegen", so sprach Christen in Ännelis lauten Jammer, gegen das Haus gehend, und vor der tür setzte er sich aufs Bänklein hin und sagte, man solle ihm wasser bringen, es werde ihm so kurios. Nun neuer Jammer, dass er doch sagen solle, was er vernommen, einist müsse man es vernehmen, und je länger man hingehalten werde, desto grüslicher schlage es dann nieder. Sie sollten nur ruhig sein, antwortete Christen, die sache sei nicht bös, aber es sei ihm so in die Glieder geschossen, er wisse nicht wie, es werde wohl vom starken Laufen sein und bald bessern. Änneli solle ihm ein frisches Hemd fürelege, er wolle gehen und sich zweg machen. "O nein! Vater, du gehst nicht", sagte Änneli, "Christeli kann fahren, es ist dir ja übel und der Braun wild; es weiss kein Mensch, welche Angst ich hätte, wenn du gingest." "Samis Hans kommt mit", sagte Christen. "So komme er", sagte Änneli; "er kann dich nicht gesund machen, und wenn man so zweg ist wie du, so tuts ds Liegen am besten. Es weiss kein Mensch, ob es nicht einen Schlagfluss, Gott behüt uns davor, oder sonst etwas Böses geben könnte, wenn du in der Welt herumsprengtest. Nein wäger, du musst dich stille halten, und wenn es dr nicht bald bessert, so muss Annelisi zum Doktor. Bluet usela wär vielleicht gut."
Wie der Vater sich auch wehrte, er musste nachgeben und ds Christeli fahren lassen, und die sorge um den Anwesenden zerstreute etwas Kummer und Jammer um den Abwesenden in Ännelis Herzen. Den rechten Weibern ist und bleibt immer der der Nächste, der ihnen zunächst im Bereich ihrer hülfe liegt; sie lassen nie einen Anwesenden schmachten und stöhnen, um zu jammern um einen in der Ferne. Christen musste zu Bette, er mochte sich wehren wie er wollte, musste sich Suppenbrühe geben lassen, und Änneli setzte sich neben das Bett und wehrte ihm die Fliegen, während Annelisi draussen ums Haus herumfuhr und bald in dieser, bald in jener Ecke auf der Lauer stand, ob niemand mit Botschaft komme oder vielleicht Resli selbst. Und zu ihm gesellte sich bald die Mutter, die vom schlafenden Christen sich weggestohlen, und bald wiederum Christen, den die sorge nicht lange schlafen liess; aber gäb wie sie ausschauten, es kam niemand, einsam blieb es ums Haus, einsam, so weit die Sinne reichten. Da sagte Änneli: "Ja so gehts, aber wer glaubt es, ehe man es erfährt! Gestern war es so schön, und wie waren wir alle beisammen, so glücklich und froh, und jetzt, wie ist es? Jetzt sind wir einsam; unser Bub ist hin, und das Herz aus dem leib möchten wir weinen, jetzt, wo wir uns so lieb haben möchten." Oh, wenn es der Mensch sinnen könnte,