eigentlich gar keine Schuld war, sondern höchstens ein Mangel an Besonnenheit, nach einem solchen Brande und noch dazu bei ödem Magen leicht verzeihlich. Er erzählte immer wunderlicher, verworrener, wie es gekommen, dass er von Resli weggegangen, je mehr man ihn fragte, je länger er erzählen musste, und aus dem Ding, das jeder hörte, das je länger je mystischer ward, machte nun jeder eine eigene geschichte, und eine geschichte glich der andern so wenig, als Weiss und Schwarz, als eine Schlange und ein Elefant sich gleichen. Nach den Einen war er als tot verscharret worden im wald, nach den Andern zu Kilt gegangen, die Dritten düderleten vom Teufel, die Vierten von seinem Kameraden, der längst kein Geld gehabt und gewusst, dass Reslis Sack meist wohlgespickt war.
Unterdessen wartete man daheim mit Bangen auf Resli; der Vater lief ungeduldig die Bsetzi vor dem haus auf und ab, die Mutter stunde in den Weg hinaus, und bald sagte das Eine: "Er kommt noch immer nicht", bald sagte das Andere: "Siehst du ihn noch immer nicht?" Bange Stunden verflossen, und eben schickte sich der Vater an, ins Dorf zu gehen, als eine Frau kam und sagte: "Ihr guten Leute, ihr wartet vergeblich, der kommt euch nicht mehr heim." "Herr Jemer! Herr Jemer! Was sagst, was hats gegeben?" sagte Änneli, und Christen schoss ab der Bsetzi wie ein Häbch, dem jemand zum Neste will. "Ich darf es euch nicht sagen", sagte die Frau, "ich möchte euch nicht erschrecken, solche Sachen vernimmt man immer zu früh. Adie wohl!" Änneli war blass geworden, konnte kaum noch sagen: "Mein Gott, mein Gott, was ist es?" "Wenn ich gewusst hätte, dass ihr so erschrecktet, ich hätte wäger nichts gesagt", antwortete die Frau, "aber mehr darf ich wäger nicht sagen. Es ist schrecklich, wie es heutzutage geht. Adie." Da verlor Christen die Geduld und sagte: "Willst du reden oder nicht und mit der Sache hervor? So zum Narren lassen wir uns doch dann nicht halten." "Nur nicht so böse, du mein Gott!" antwortete die Frau, "wenn ihr nicht erschrecken wollt und es mir nachtragen, so will ich es wohl sagen, was ich im dorf gehört. Die Leute sagen, Resli sei futsch; die Einen reden vom Teufel, der ihn genommen, die Andern sagen, das sei nicht wahr, er sei tot und im Wald hieher Ufbegehrige verlochet. Adie wohl." Diesmal horte das Adie niemand, denn Änneli hatte das Haupt auf die Ladenwand vor dem Garten gelegt und schluchzte so jämmerlich, dass es ihn es über und über schüttelte. Christen aber sagte: "Tu nicht so, das wird nicht sein. Komm ins Haus, dass die Leute es nicht hören, sie könnten sonst wieder meinen, was es gegeben hätte. Ich will ins Dorf, dort wird wohl besserer Bericht sein; aber kurios ist es allweg, dass er noch nicht da ist." Er wollte Änneli hineinführen, aber es sank zusammen; er musste es tragen und mit wasser und mit Tropfen lange fechten, ehe er es zurechtbrachte. Dann musste er erst noch jemand zu seinen Kindern senden, die auf dem Acker Erdäpfel hacketen, dass sie heimkämen, und erst als sie da waren und um Mutter und Resli jammerten und wimmerten, konnte er gehen.
So rasch hatte seit Jahren niemand Christen gehen sehen. So wie man ihn von weitem zum dorf kommen sah, hiess es: "Er kommt, er kommt", und alles verbarg sich vor ihm; die Weiber schossen in die Küche, die Männer drückten sich um die Ecken herum in die Ställe, nur hie und da blieb ein gwunderiger Junge an der Strasse stehen, um zu sehen, wie der bedächtige Bauer dahergeschossen kam. Hinter ihm her streckten die Weiber ihre Köpfe über die Küchentüren und sagten: "Er pläret nicht einmal, aber ds Änni, seine Frau, die wird tun! He nun so dann, so gehts, heute rot, morgen tot. Aber man hätte es denken können, dass es so gehen müsste. Wo nichts als Streit ist, da tut der liebe Gott gern ein Zeichen, wie er den Streit hasse und das Wüsttun."
Doch Christen hörte dies liebliche Geflüster nicht, er segelte, da er auf der Strasse und vor den Häusern niemand fand, der ihm Bericht geben konnte, rasch dem wirtshaus zu. Hier hielt die Wirtin stand und gab vernünftige Kunde, aus welcher Christen entnahm, dass noch nicht alles verloren sei und das ganze Unglück darin bestehe, dass Resli abhanden gekommen, aber Weiteres niemand wisse, und dass Samis Hans zuletzt bei ihm gewesen sei, der könne Bericht geben, wenn er wolle, aber er rede gar wunderlich, bald so, bald anders, dass niemand recht daraus komme. "Wohl", sagte Christen, "dem wollen wir die Wahrheit füremache", und steuerte dem haus zu, wo 's Samis Hans wohnte. Dort aber hatte er handliche Arbeit, ehe er jemand füregemacht hatte; er hoschete rings ums Haus und hoschete niemand hervor. Endlich sah er durchs Kellerloch die Bäuerin im Milchkeller, und rasch war er bei ihr und ruhte nicht, bis Hansli