1843_Gotthelf_137_54.txt

durch den Wald, liess sich in die Länge erzählen, was es gegeben, und sagte: "Weisst du was, da rechts, nicht einen Büchsenschuss weit, ist ein kleines Häuschen, ich will es dir zeigen, da geben sie dir einen Karren und du kannst mit ihm fahren; wenn du einmal bei den Andern bist, so gehts dann schon." Er zögerte, dem Rate zu folgen, den Freund wollte er nicht allein lassen. "Du Löhl", sagte der Andere, "fortlaufen wird dir der nicht, und stehlen wird ihn auch niemand, und die ganze Nacht da neben ihm stehen wirst du doch nicht wollen, er könnte sich ja verbluten." "Es könnten vielleicht Leute kommen", sagte Reslis Freund, "und ihm helfen." Er zweifle, sagte der Andere, es sei ihm, sie seien die Letzten, aber zwingen wolle er ihn nicht. "Mach, was du willst, anhalten will dr nicht, adie!" "Wart, wart!" rief der Kamerad, suchte Resli bequem an einer Eiche zu betten; "jetzt komm", sagte er, "aber geschwind, geschwind, er ist mir doch nicht ganz am Ort." "Ume hübschli", sagte der Andere, "sonst lauf meinetalb alleine, wenn du den Weg weisst", und folgte langsam dem Eilenden nach, und Beide verschwanden im wald.

Lange war es gegangen, da rauschte es durch den Wald, mit einem Karren kamen zwei Männer gefahren. "Sieh", sagte der eine, "dort, wo die drei Eichen zusammenstehen, dort liegt er an der mittlern." Vor der Eiche hielten sie, aber da lag niemand mehr, lag weit herum niemand; still und öde war es im wald, alles Leben war verrauscht, die aufgescheuchten Vögel ruhten wieder.

Da stand der arme Kamerad, nirgends war der Freund nirgends eine Spur von ihm. Die drei Eichen waren es, ringsum standen keine so, und vor denselben lag Blut, und unter der mittlern sah man deutlich, dass jemand da gelegen. Einige Angst ergriff ihn, rundum zündete er mit der Run, delle, in jedes Mäuseloch hinein, auf jeden Baum empor; dann fluchte er über sich, denken hätte er doch sollen, es gehe so; dann über den, der es ihm angegeben und ihn noch dazu in der Irre geführt. Plötzlich kam ein schwarzer Gedanke über ihn: "Oder hat dermich nur weggelockt", sagte er, "um zu machen, was ihn gelüstete?" Und immer schwärzer ward sein Gedanke, immer grösser seine Angst; er teilte sie dem mit, welcher ihn begleitete, und fragte ihn, ob er den nicht gekannt, der mit ihm zum Häuschen gekommen? "Häb nit Kummer", sagte dieser, "sieh, man sieht ja kein Gestampf oder etwas Ungerades bei der Eiche, und wenn der etwas Böses im Sinne gehabt hätte, so würde er dir das Häuschen nur von weitem gezeigt haben und nicht bis zu demselben gekommen sein, wo er doch hätte denken müssen, man erwische ihn noch ob der Tat. Aber der Mann wird zu ihm selbst gekommen sein; was gilts, du triffst ihn im nächsten wirtshaus." Wer glaubt nicht gerne, was ihm angenehm, dazu noch so natürlich ist, denn dort sollten ja die gefährten warten, wie es Resli selbst angeordnet. Er schaffte mit dem Karrenmannli ab und eilte dem Sammelplatze zu.

Dort war ein gross Gedränge noch, aber beinahe wäre es ihm bei seinem Suchen gegangen wie Resli im wald. Da in der Gaststube seine gefährten nicht waren, so stürmte er durch alle andern Stuben, aber nirgends waren sie mehr. Dagewesen seien sie, vernahm er endlich, aber ob einer zu ihnen gekommen, der blutig gewesen sei, das wusste niemand mit Bestimmteit; die Einen meinten Ja, die Andern Nein, die Dritten sagten, er solle sich streichen und sie in Ruhe lassen, er sehe doch wohl, dass sie nicht Zeit hätten, sich lassen z'kinderlehren und jeder Gwundernase Bericht zu geben; sie hätten wohl viel zu tun gehabt, wenn sie sich eines jeden hätten achten wollen, der blutig gewesen, deren sehe man öppe viel nach einer solchen Brunst. So ohne bestimmten Bericht musste er weiters; er tröstete sich, so gut er konnte, und doch war ihm nicht wohl bei der Sache. War ich doch nur bei ihm geblieben, was hat der verfluchte Karren abgetragenoder ist es vielleicht gar der Teufel gewesen, der mich da weggelockt ? Es het ein fast düecht, es sei nicht ein Mensch wie ein anderer. So musste er immer denken, bis er heim war, und als er heimkam, durfte er fast nicht fragen, wo Resli sei, sondern hatte gute Lust, ein Kind mit der Rundelle zum Spritzenhaus zu senden, in aller Stille sich heimzudrücken, zu tun, als ob nichts geschehen und er gar nicht dabeigewesen wäre. Indessen brachte er das doch nicht übers Herz, wie denn gottlob der Mensch nicht den hundertsten teil tut von dem, was im Herzen ihm aufsteigt; er vernahm aber bald, dass kein Mensch Resli gesehen und dass alle von ihm wissen wollten, was aus Resli geworden.

Er erzählte nun und erzählte immer wunderlicher, weil er die Schuld verdecken wollte, welche sein Gewissen ihm vorwarf und die doch