, fand es nicht im wirtshaus, wo er trotz allem Protestieren seines gefährten endlich einen Schoppen erzwängte; er musste zum dorf hinaus, er mochte wollen oder nicht, ohne eine Spur vom Meitschi gefunden zu haben.
Es war eine schöne Nacht, die Sterne flimmerten am Himmel; die grosse Brandstätte hüllte sie in dünnen, durchsichtigen Schleier, glühte im friedlichen Gelände einer Hölle gleich, und die Schatten der Verdammten sah in derselben wimmeln, wer den Ort verlassen hatte und sich zurückwandte, auf den Graus der Verwüstung noch einen blick zu werfen. Die arbeitende Mannschaft kam ihm vor wie eine wilde Höllenschar, welche das Feuer schürte, die Verdammten hin- und herschleppte, von einem Feuer ins andere Feuer, während die Haufen, die ringsum aus Feuer und Rauch tauchten, die Scharen schienen, welche, durch die Gebete der Ihren erlöst, die Hölle verliessen, den Himmel suchten.
Vor dem dorf liefen viele Wege auseinander und durch einen schönen Eichwald, wo die majestätischen Bäume weit auseinander stunden, das Unterholz spärlich wuchs, der Menschen Auge in tiefen Hintergrund sich verlor. Ein eigentümlich Leben waltete in demselben. Zahllos wogten durch denselben die Helfenden ihrer Heimat zu, lachend und schäkernd, singend und brüllend; dumpfrasselten die Spritzen, ängstlich schwirrten die aufgeschreckten Vögel, seltsam leuchteten die schwankenden Rundellen auf den Spritzen und den Achseln ihrer Träger. Immer wilder und lauter gestaltete sich dieses Leben. Der schwer aufzuregende Berner wird, einmal aufgeregt, schwer wieder ruhig. Nichts aber lässt wohl das Blut rascher kreisen als die Aufregung bei einem Brande. Der jähe Schreck bei den ersten Tönen der Feuerglocke setzt es in Bewegung, der rasche Lauf zur Stätte jagt es immer rascher, Werchen und Wagen beim Brande selbst macht es immer heisser, und kommt zu allem noch ein Schluck Bränz, ein Schoppen Wein in den leeren Magen, dann kocht das Blut, ein Funke bringt es zum Brande. Daher Lärm, Geschrei, Toben und Streit allentalben durch den weiten Wald. Jede Spritze, welche durch die Menge fuhr, drohte oder erzeugte eine Balgerei; um schäkernde Mädchen, welche in massen zum Brande gelaufen waren, von guten Herzen getrieben oder gute Herzen suchend, schlugen Bursche sich blutig; alte Dorffeindschaften setzten die Feuerhaken in Aufruhr, und manche Hake fuhr in Menschenfleisch, als ob es ein brennender Balken wäre. Und wenn das Ding an einem Orte angeht, so geht es allentalben los, wie eine ansteckende Krankheit, wie das Feuer auf einem Brechplatz, das, hier gelöscht, dort erstickt, immer neu ausbricht, bis es rundum gewesen ist.
Resli ging mit seinem Begleiter ruhig und stolz durch das Getümmel hin; kam ihm das Gedränge zu nahe auf den Leib, so wehrte er es mit starkem arme, aber sachte, zur Seite und schritt fürbas. So kam er tief in den Wald hinein. Vor ihm hörte er Fluchen, harte Schläge, plötzlich Weibergeschrei; dunkel war es im Schatten der Eichen und seine Rundelle die einzige in diesem Augenblick im langen, durch Eichenäste gewölbten Wege. Akkurat tönte ihm eine weibliche stimme wie die, die gesagt hatte: "Mach nit dr Lümmel", und rasch zog er aus, dem Streite zu. Vergeblich mahnte sein Freund, aus dem Wege zu beugen oder die Rundelle zu löschen; wie er damit unter die Streitenden komme, so könne er auf Schläge zählen. Aus dem Wege gehe er nicht, der sei für alle Leute, sagte Resli, und die Rundelle lösche er nicht, die hätte man dafür, um heiter zu machen, wo es dunkel sei. Je lauter der Streit vornen ward, desto rascher zog Resli aus, hinter ihm sein Kamerad, der, als er sah, dass Resli nicht abzuhalten sei, meinte, wenn es denn für ds Tüfels Gwalt sein müsste, so sei es ihm zuletzt gleich, z'töde werde es nicht gehen, und um eine Handvoll Schläge mehr oder weniger kehre er nicht die Hand um.
Wie Trojaner und Griechen um die Helena, zankten sich allerdings die Burschen um ein Mädchen oder zwei, und zwar handgreiflich nach der Väter Sitte. Und als Resli über den Trupp leuchtete, sah er manch blutend Gesicht, aber, wie er meinte, auch sein Mädchen in der Mitte. Da fuhr er gewaltig in den Ring hinein wie ein stolzes Linienschiff in des Meeres wilde Brandung, hinter ihm der gute Kamerad, eine Handvoll Schläge gewärtig. Da sauste es über ihren Köpfen, und wie vom Blitz getroffen sank Resli zusammen. Bei jedem Streit, wo Viele sind, gibt es deren Bürschchen, die ihre Haut gerne ganz behalten und doch etwas an der Sache machen möchten; die stehen dann seitwärts im Hintergrunde und passen die gelegenheit ab zu einem guten Streich von hinten. Ein solcher hatte auch Resli getroffen mit dem Feuerhaken; eigentlich galt es der Rundelle, deren verräterisches Licht ungelegen kam.
"Wart, du verfluchter Mörder, dich will ich!" schrie Reslis Kamerad. Das Wort Mörder schreckte die Streitenden, in den Handel wollte Keiner kommen, und ehe er sich versah, war der Begleiter mit Resli allein. Da lag er nun betäubt im Blute, und jener sagte: "Gäll, es ist dir gegangen, wie ich gesagt, wenn du nur wieder lebendig wärest." Er zog ihn neben den Weg, wollte ihn aufwecken, aufstellen, aber nichts gelang ihm; in der grössten Verlegenheit stunde er da. Endlich kam wieder ein Mensch