, so sah er doch nicht nach den Lücken, sondern nur jedem Mädchen ins Gesicht, und wie oft er über weggeworfene rinnende Eimer stolperte, zählte er nicht, aber weitin verkündete es jedesmal ein schallendes Gelächter. Er machte wohl noch die Runde rund um die Reihe, Müssiggänger herbeizutreiben, sah aber wiederum nur nach Dorngrütbauren Tochter, rannte dabei an Bäume und brachte mehr als einmal die längst angezündete Rundelle in Lebensgefahr. Aber nirgends sah er sein Mädchen wieder, wie manches er auch umdrehte, um wie manches er auch lief, und je länger er es nicht fand, um so mehr ärgerte ihn sein Betragen, aber auch das Mädchen, das gar wohl in der Nähe hätte bleiben können, wo es sicher gewesen wäre, ihn wieder zu treffen. Resli dachte nicht daran, dass bei einem Brande an einem fremden Orte und noch dazu nachts, wo alles in Rauch und Glut, in ungewissen Umrissen schwimmt, man nie weiss, wo man ist, und noch dazu ein Wasserzug akkurat dem andern gleicht. Auf einmal riss sein Wasserzug von oben an bis unten auseinander, alles stob davon und auf leerem Platz einsam stunde Resli, ehe er zehn zählen konnte; stille ward es um ihn, nur von oben her, von den Spritzenführern, hörte er fluchen, er wusste nicht warum. Er hatte überhört, dass das Geschrei gekommen war, der Pfarrer halte die Abdankung. Diese will jeder hören, Keiner sie versäumen; wo das Geschrei erschallt, sie beginne, stockt die Arbeit, die Ordnung löst sich auf, von allen Seiten strömt die Menge dem einen Punkte zu, wo der Pfarrer steht, manchmal auf einem stuhl, manchmal auf den Trümmern eines ausgebrannten Hauses, manchmal auf einer umgekehrten Bütte, in welcher sonst gewaschen wird oder Schweine gebrüht werden. Da kam es Resli in Sinn, was diesmal die Leute auseinandergestäubt, ein Stein fiel ihm vom Herzen. Eile kam in seine Beine, er flog dem Haufen nach, denn wo konnte er wohl sein Meitschi besser finden als da, wo alle sich zusammenfanden? Der Brand war gedämmt worden, das Element der menschlichen Anstrengung unterlegen, es war nun billig, Dem zu danken, von dem alle Kraft kommt und der jegliche Anstrengung segnen muss, wenn sie ein Gedeihen haben soll. Auf einer Laube stand diesmal der Pfarrer. "Rundellen vor!" ward befohlen; zunächst unter die Laube mussten ihre Träger sich stellen, und droben begann der Herr zu danken Gott und Menschen. Aber Resli hörte nichts, er war nur Auge und suchte sein Meitschi. Mit List und Kraft hatte er sich auf einen Haufen Holz gedrängt, schaute über die Köpfe hin, drehte seine Rundelle nach allen Seiten, streckte sich dazu noch, so lange er konnte, aber nirgends sah er sein Mädchen. Gesichter sah er zu Hunderten, aber nirgends das rechte, und wenn er auch meinte, das ist es, so war es es doch wieder nicht, bald ein Affengesicht und bald ein Schafsgesicht, die bekanntlich weit häufiger sich finden als hübsche Mädchengesichter.
Die Abdankung ging zu Ende, die Menge verlief; die Führer bliesen ihre Hörner, riefen laut die Namen ihrer Heimat und, wie zu ihren Fahnen, die Zerstreuten zu ihren Rundellen. Resli hätte es vergessen, wenn nicht einer, der sich zufällig zu ihm gefunden, ihn daran gemahnt hätte; er wäre lieber allein herumgestrichen und hätte gesucht, was er verloren, aber Ehre bringt Bürde. Als der grösste teil der Schar beisammen war und die Heimkehr fast angetreten, fiel Resli ein, dass er noch ein Zeugnis heimbringen sollte. Einer wandte ein, dass sei ja nicht nötig, die Eimer, welche sie hier liessen und welche durch die Gemeinde wieder zurückgebracht werden, sollten doch wohl die besten Zeugnisse sein, dass sie beim Brande anwesend gewesen. Er wolle aber ein Zeugnis, sagte Resli, man könne nicht wissen, wer die Eimer wieder bringe, und er wisse wohl, wie oft man die Feuerläufer verdächtige, nicht beim Feuer gewesen zu sein. Die Meisten waren auf der Seite dessen, welcher ohne Zeugnis gehen wollte, denn alle waren fürchterlich hungerig und durstig, hatten seit dem Mittage nichts gehabt, und das wenige Brot, welches zu Aufbegehrige, wo man mehr Worte im Vorrat hatte als Brot, unter die Helfenden ausgeteilt wurde, war bei der grossen Menge nicht bis zu ihnen gekommen; hier ins Wirtshaus sich drängen mochten sie nicht, sie pressierten daher, nach einer der umliegenden Ortschaften zu kommen, wo sie etwas zu erhalten hofften. Das fasste Resli rasch auf und sagte, sie sollten nur vorangehen und in dem und dem wirtshaus ihm warten; sobald er das Zeugnis hätte, käme er nach. Das war allen recht, sie gingen voraus bis an einen, den Resli bleiben hiess; es war ihm, als könnte es vielleicht eine gelegenheit geben, wo er froh wäre, seine Rundelle ohne sich nach haus zu senden. Langsam strich er dem Schulhause zu, wo die Vorgesetzten zu finden sein sollten, stand oft stille, drängte sich durch die dichtesten Haufen, machte Umwege, um mit Menschen zusammenzugeraten, so dass sein Kamerad ihm sagte: "Du! du wirst noch Schläge wollen; nach einer Brunst ist es nicht richtig, die Nase allentalben zu haben." Aber wie er auch zündete und guckte, das Meitschi fand er nirgends, fand es nicht im Schulhause, wo er endlich zu einem Zeugnisse kam