ein Wegweiser aus der Welt – ums Spritzenhaus fand Resli, des Bauern Sohn von Liebiwyl, das halbe Dorf geschart. Die Einen sahen in den wirbelnden Rauch, der in der Ferne, aber immer dicker, immer schwärzer gegen Himmel stieg; die Andern liefen ängstlich herum, hantierten mit der Spritze, banden Schlauche auf, schleppten Eimer herbei, schrieen nach Pferden, welche aber niemand werde geben wollen, was ein recht Elend sei und immer so gehe, schrieen nach einem Stück Kerze in die Laterne, da es auf den Abend gehe, und niemand wollte Kerzen haben daheim, aber der Krämer hätte fürs Geld, sagte man. Sobald Resli kam, fragte er: "Wo ist es?" Bestimmt wisse man es nicht, sagte man, aber allem an zu Ufbegehrige, und die Brunst sei gross und alle Augenblicke scheine ein neues Haus aufzugehen. ängstlich rief Resli nach dem Rundellenträger, dem Führer der Feuerläufer; der war nirgends zu sehen. Er sei weder vormittag noch nachmittag in der Kirche gewesen, hiess es, er werde um etwas aus sein, um eine Frau oder um eine Kuh, wahrscheinlich um das Letztere, da er in vergangener Woche den Bernmetzgern zwei verkauft hätte. Resli, rasch entschlossen, fragte: "Wer nimmt meinen Haken?", nahm die Rundelle, sagte: Wenn sie hier keine Rosse mehr vermöchten, so solle jemand rasch heim zu ihnen, sie hätten noch deren, aber machen sollten sie, dass sie bald nachkämen, sonst sei es eine Schande für die ganze Gemeinde. Gerade an solchen Dingen nehme man ab, was für Leute in einer Gemeinde seien ob etwas wert oder nichts. Seine Stichworte gingen in manches Herz, um so mehr, da sie von einem jungen Burschen kamen, der noch zu gar nichts etwas zu sagen hatte, und graue Häupter trafen, die Häupter der Gemeinde zu sein meinten.
Wenn ein jeder Säubub sein Maul in die Sache hängen wolle, so hätte er nichts da zu tun, sagte der Ammann, aber wohlweislich erst, als Resli in kurzem Trabe bereits ein Stück weges weit war. So ein Lümmel wisse nicht, dass man allweg, ehe man fahre, die Rosse füttern müsse, einem jeden ein Immi Haber oder zwei, von wege man wisse nicht, wann sie wieder zum Fressen kämen. Und wenn sie gefressen hätten, so sei es dann manchmal nicht einmal nötig, dass man fahre, und schon alles zBode.
In gemessenem Trabe steuerten die Feuerläufer und mit ihnen Mancher, der nicht daheim bleiben kann, wenn Not irgendwo ist, dem Brande zu. Je weiter sie trabten, desto gewaltiger stieg vor ihnen die Rauchsäule auf und verschwamm unterm Himmel in eine grosse schwarze Wolke, ein zweites Gewölbe, aus Rauch und Russ gebildet, desto kläglicher wimmerten die Glocken, desto grösser ward der Menschenstrom, der dem Brande zueilte. Sie hatten nicht not, wie es oft geschieht, bei jedem haus stille zu stehen, zu fragen, ob man da auch gestürmt und wo man meine, dass es brenne, vor jedem dorf stille zu stehen und sorgsam nach dem dünnen grauen Fädchen zu sehen, das kaum sichtbar irgendwo von der Erde zum Himmel sich wand. Nein, da lag offen, schwarz und schaurig der glühende Ort vor ihnen, wo das entfesselte Element in wilder Schlacht rang mit Menschenkraft, wo weiter die Winde dem Feuer zu hülfe flogen, dem Menschen aber der Mensch. Und wie Regimenter, vom Donner der Schlacht herbeigerufen, nicht ängstlich oder bedächtig das Feld umkreisen, Verweisen, wo Stand und Zugang am bequemsten sei, sondern in die Schlacht sich stürzen, wo sie ihren Bereich erreichen, wohl wissend, dass die schnelle hülfe die beste ist, so stürzten die Menschen sich in Rauch und Feuer, zu kämpfen mit Rauch und Feuer; nur den rasselnden Spritzen eilten Kundige voraus und spähten, wo Platz und wasser sei für sie, wie auch den Batterien die Adjutanten vorauseilten, zu erkunden, wo die Kanonen am bequemsten abzuprotzen, am verderblichsten zu richten seien in des Feindes Reihen.
Kühn drang Resli mit seiner Schar in den Mittelpunkt der Schlacht, suchte die gefährlichste Stelle, suchte die Führer; die letzteren fand er nicht. Wirre durcheinander wogten Feuer und Menschen, geordnet war der Widerstand nirgends. Hier befahlen Viele, dort niemand; wo jeder tat, was ihm der Instinkt gebot, da ging es am besten. Als kluger Kommandant hatte Resli seiner Schar geboten, bestmöglichst beisammen zu bleiben; aber allen wards nicht möglich, auch hier war das Schicksal mächtig, das seine Lust zu haben scheint am Scheiden und Trennen. Die Feuerläufer mit den Haken stürzten zum Brande, rissen seine Beute, brennende Balken, ihm aus den Zähnen, rissen Angebranntes nieder, alle Augenblicke in Gefahr, selbst zu feurigen Branden zu werden. Die mit den Eimern stellten sich zu den Spritzen, lösten müde Mannschaft ab, reihten sich in die Wasserzüge, traten ein, wo Lücken waren, während Resli, als Rundellenträger, durch die Reihen flog, ordnend und mahnend Müssige in die Züge stellte, Unschlüssigen die rechte Stelle wies, den Verband erhielt zwischen der Spritze und denen, die das wasser dahin schafften. Resli erfuhr es, was es heisst, in wild wogendem, gewaltigem, andaurendem Brande einen Wasserzug zusammenzuhalten; leichter ist es, ein Regiment festzuhalten im tödlichen Kartätschenregen, im sausenden Reitersturm, ja wer weiss, ob es schwerer wäre, ein Hundert