sie habe die Sache dreissig Jahre gut gemacht, es sei die Frage, ob je eine ihr die Schuhriemen auftäte.
"He", sagte Christen, "jemand wird heiraten müssen, ich meine, ich oder du, vom Anneliese will ich nicht reden, das ist keine Frag. Ich aber will nicht heiraten, so ein kränklicher Mensch, wie ich bin, soll nicht ein Haus aufrichten, und ich könnte leicht eine erhalten, sie brächte mich das erste halb Jahr unter den Boden. Nein, ich will bei dir bleiben, wir sind öppe immer Brüder gewesen und werden es auch bleiben. Du musst heiraten, und dass du etwas im Spiel habest, das hast du mir ja einmal selbst gesagt, und längst hätte ich es aufs Tapet gebracht, wenn ich es nicht ab unserm Elend vergessen hätte. Du aber hast es nicht, denn seiter hast du ja keinen Fuss zum Tanz gehoben und keinen Tritt des Nachts zum Haus aus getan."
Resli wurde rot und wollte sich verteidigen, da fragte die Mutter: "Hör, was ist das mit ds Dorngrüter bauern Tochter? Du hast mich einmal nach ihr gefragt und so wunderlich dabei getan. Ich habe dich damals abgeschnauzt, es ist mir seiter manchmal leid gewesen, und ich hätte wieder davon angefangen, aber bald schickte es mir sich nicht, bald dachte ich, du sagst mir jetzt doch nichts mehr, und so schwieg ich. Ist dir die öppe im Sinn?"
"Oh, aparti nicht", sagte Resli.
"Hör, sage es fry recht geradeheraus. Wenn es etwas ist, so kann man dir helfen. Es hat schon Mancher so geschwiegen und hat die Sache so in sich selbst verdrückt und ist hintendrein reuig gewesen", antwortete die Mutter.
"He nun", sagte Resli, "so will ich es geradeheraus sagen: das Meitschi hat mir gefallen wie noch keines, ich glaube nicht, dass es eins gäbe, das ihm die Schuhriemen auftäte, und ich habe gleich gedacht, das oder keins. Und es ist mir noch so, aber ich sehe wohl, dass es nichts daraus gibt."
"Warum?" fragte Christen, "hast gefragt?"
"He nein", sagte Resli, "aber ich weiss es sonst."
"Wie kannst du so etwas wissen, wenn du nicht gefragt hast; das geht oft ganz anders, als man denkt. Oder ist das Meitschi verheiratet?" fragte der Vater.
"Selb weiss ich nicht", sagte Resli, "und vom Meitschi wollte ich nicht reden, es schien mir, als wäre ich ihm nicht ganz unanständig, freilich irrt man sich leicht. Aber es ist noch etwas anders."
"So sage doch, was ist es?" sagte der Vater. "ist es öppis z'schüchen a de Lüte?"
"He, wie man will", sagte Resli. "Der Vater ist sehr reich und grusam geizig, und wie ich gehört, ist ihm für seine Kinder nicht gleich einer reich genug, und wenn es auch einer ist, so will er dann noch ehetagen auf alle Füli, dass es keine Art hat. Er hätte schon zwei Töchtern so gebraucht und ehetagen lassen, dass seine Tochtermänner daheim alleine erben und ihre andern Geschwister mit leeren Händen gehen können. Das will ich nun nicht, ich will mich an meinen Geschwistern nicht versündigen, dass ich denken muss, Kinder und Kindeskinder müssten es entgelten, und wo man unter solchen Gedingen zusammenkommt, da sieht man wohl, was Trumpf ist, und was e sellige Trumpf kann, das haben wir erfahren. Ich begehre nicht mehr als meine Sache, dem Christen und dem Annelisi gehören ihre Teile so gut als mir, wenn es einmal zum Erben kommt, was, so Gott will, noch lange nicht geschehen wird."
"Los Bruder", sagte Annelisi, "wenn es nur das ist, so achte dich meiner nicht. Christen hat nur Spässe gehabt, und es ist dann noch lange nichts Richtiges, und wenn ich dich damit kann glücklich machen, so bleibe ich ledig. Es wäre ja so Mancher ihr Glück gewesen, wenn sie nicht geheiratet. Wie wohl es mir ist bei Vater und Mutter, das weiss ich, wie es mir aber so mit einem mann gehen würde, das ist ein Ungewisses."
"Wie wir es zusammen haben", sagte Christen, "weisst du, und wenn dir das Meitschi anständig ist, so mach, was du kannst, und was wir dir dazu helfen können, darauf zähle, und wenn dir der Vater den Hof abtreten will kaufsweise um ein Billiges, ich für mich hätte nichts darwider."
"Von dem will ich nichts hören", sagte Resli, "Vater und Mutter sollen ihre Sache behalten. Dass sie wegen einem kind sich die hände binden sollten, das tue ich nicht. Wegen einem Meitschi lasse ich Vater und Mutter noch lange nicht auf die Seite stellen, wir sind jetzt so schön bei einander, wir wollen nicht alsobald Unguts hineinmachen."
" Mir tätest du einen grossen Gefallen, wenn es sich machen liesse", sagte die Mutter; "wenn ich sterben sollte, und das werde ich bald, es wäre mir ein grosser Trost, wenn ich deine Frau gesehen hätte."
"Mutter, schweig vom Sterben, du darfst uns nicht sterben