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diesem Baume stunde, das Andere Raupen abstreifte im Vorübergehen, endlich alle sich zusammenfanden unter einem mächtigen Apfelbaume und sich lagerten ins kühle Gras, da redeten sie von dem, was in ihrem Inwendigen vorgegangen. Allen war es mit der Predigt gleich gegangen, allen war sie ein Spiegel gewesen, in welchem sie mehr oder weniger klar ihre inneren Zustände gesehen, und eben deswegen sahen sie so klar und deutlich, dass der Pfarrer durchaus recht hatte und das Eine, das not tue, eben der Geist des Herrn sei, und dass sie eben deswegen so unglücklich gewesen, weil statt des Geistes das Geld Hebel, Mittelpunkt, Ziel ihres Lebens gewesen, und dass es nur der Geist des Herrn gewesen sei, der die wilden Wellen in ihren Herzen und in ihrem Hauswesen gestillet.

wunderbar aber schien es allen, wie der Pfarrer gepredigt, als rede er aus ihren Herzen heraus und kleide es nur in Worte, was er in denselben gesehen, und mache ihnen nur deutlich und hell, was sie selbst gefühlt, geahnet, aber ohne ihm recht Worte geben zu können. Sie wussten, er kannte sie wenig, von ihnen hatte in Jahresfrist niemand mit ihm geredet, von ihrem Inwendigen konnte niemand anders ihm Bericht gegeben haben, kannten sie es selbsten doch kaum. Die Vorgänge der letzten Woche kannte ebenfalls niemand. Sie wussten es nicht anders zu erklären als eine Fügung Gottes, der auch noch heutzutage durch den Mund seiner Knechte redet, die Geister lenket, die Herzen zu treffen weiss. Denn wer ist es, der dem Prediger den Text zur Hand gibt, der dem Text Leben gibt in des Pfarrers geist, dass er aufblüht und zur Predigt wird und gerade zu dieser und zu keiner andern? Der, ohne dessen Willen kein Haar aus unserem haupt fällt und kein Sperling vom dach, sollte der nicht auch Macht in den Geistern haben? Und der, der sich verkündigen lässt durch die Nacht mit ihrer Sprache, durch den Tag mit seiner Rede, durch jede Blume, die auf dem feld blüht, sollte der sich nicht auch durch eine Predigt verkünden lassen können, und zwar gerade so, wie er es will? So meinten es die Leute und fanden grossen Trost darin, dass Gott sie angesehen und den Geist des Pfarrers also gelenket.

Es war aber nicht nur der Text zur Predigt aufgegangen in des Pfarrers geist, sondern seine Predigt war auch auf, gegangen in ihrem geist, war Leben geworden, das heisst hatte mit ihrem Leben sich verwoben, und dieses Leben trat in bald schrofferen, bald mildern Übergängen, gerade wie es der Zufall oder das wunderbare Gedankenspiel in ihrer Seele mitbrachte, in scheinbar rein weltlichen Gesprächen zutage, welche dem Fremden vielleicht gemütlich geschienen, denen er aber keine Spur eines höhern Lebens, eines heiligen Geistes, eines höhern Aufschwunges geahnet hätte. Aber es strömte der Geist des Herrn durch Feld und Wald, durch Nessel und Nelke, er strömt durch alle unsere Lebensverhältnisse, durch alle Worte, womit wir sie bezeichnen, wenn der Geist des Herrn in uns ist. Nur unsere Jungens meinen, er sei an bestimmte Worte gebunden, wie die Seele eines Frosches in den Leib des Frosches.

Die Freude, dass die Finsternis vergangen, der Morgen wieder angebrochen, brachte sie auf den vor ihnen liegenden Tag und seine Gestaltung, und diese Gestaltung war nicht bloss ein Nebel hoch oben im Gebiete der Lüfte, den man mit des Mundes Hauch von einem mund zum andern mund treibt, wie man auch oft Bysluft und Wetterluft ihr Spiel treiben sieht mit den Nebeln, sondern diese Gestaltung stellte mitten im Leben ab, und sie drückten sich aus darüber mit ganz natürlichen, allgemein verständlichen Worten; was aber für ein Geist in denselben lag, das fühlten die, welche gleichen Geistes waren, sehr wohl.

Er werde alt, sagte der Vater, er fühle wohl, er möge nicht mehr allem nach, und so könnte öppe vieles besser gehen, als es gehe, aber ändern könne er es nicht wohl mehr. Die Jungen möchte er nicht versäumen, darum sei besser, er stelle daraus und lasse die Kinder machen. Wenn sie öppe einander verstehen wollten, so wüsste er nicht, warum es nicht gehen sollte.

Es sei ihr auch recht, sagte die Mutter, sie wolle sich wohl gerne darein schicken. Sie und der Vater wollten in die Hinterstube oder könnten eine wohnung machen lassen auf das Ofenhaus , die würde so viel nicht kosten, und wenn man etwas raten könne oder helfen, so sei man immer noch da, und die Jungen seien noch manchmal froh über einen. Aber anständig wäre es, wenn Resli heiraten würde, Sollst sehe sie nicht ein, wie das zu machen wäre. Annelisi werde nicht immer dableiben wollen, und wenn Christen heiratete und seine Frau die Haushaltung machen müsste, und Resli nähmte einst den Hof zur Hand, so täte es Christens Frau weh und es ginge nicht gut.

Resli unterbrach die Mutter und sagte: Von dem wolle er nichts hören, und er wolle sie nicht vertreiben. Dem Vater helfen, wie er könne und möge, das wolle er gerne, und es sei seine Schuldigkeit; aber das Heft solle er nicht aus der Hand geben. Vom Heiraten möge er auch nichts hören, er werde kaum heiraten, und heiraten, nur um die Mutter aus der Küche zu vertreiben, das möge er gar nicht, sie sei ihm zu lieb dazu, und