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der Regen hört auf, ein fröhliches Treiben beginnt, und wie die Lerchen am liebsten in den blauen Himmel hinein ihre Lieder schmettern, ertönen heitere Lieder ums Haus, und jeglicher bewegt sich, als ob ihm Flügel zu wachsen begönnen. Annelisi tanzte ihrem Tschöplituch nach und ängstigte den Schneider, Resli suchte gespräche mit dem Vater und strich in stiller Freude um die Mutter herum, und mit fröhlichem Herzen, aber mit dem kopf in der Hand, als ob grausames Weh ihn plagte, sass Christen, der junge, hinter einer Teekanne, welche ihm die Mutter ungeheissen schon zweimal gefüllt, und ungefragt hatte der Vater ihm schon den Doktor anerboten. So verging die Woche ohne ein einziges Wölkchen, denn alle Abend ward der Friede inniger und gefestigter, und als der Samstag kam, hatte Änneli kein Bangen mehr, sie wusste, dass er bleibend sei und nicht wie eine Morgenwolke, die bald vergeht.

So kam der Samstag und mit ihm sein früher Feierabend, der hier, wie in vielen andern Häusern, pünktlich gehalten ward. Es ist nämlich noch Sitte, dass am Samstag nach sechs Uhr oder nach dem Feierabendgeläute nicht mehr gearbeitet wird; man macht lieber am Sonntag morgens fertig, was Samstags vor sechs Uhr nicht beseitigt werden konnte. Obs ein Überrest des jüdischen Sabbats ist oder eine freie Zeit sein soll zur stillen Vorbereitung auf den kommenden Sonntag, wissen die Leute selbst nicht recht, und die Einen legen es so aus, die Andern anders. Besonders willkommen ist sie dem jungen Volk, besonders den Dienstboten. Diese benutzen sie selten genug zur stillen Einkehr in sich selbst, sondern fahren ihren Verrichtungen nach, zu denen sie in der Woche keine Zeit hatten, zu Schneider und Schuhmacher, zum Krämer, suchen nebenbei gut Schick. Die Bursche rotten sich zusammen, die Mädchen flattern hin und her wie Mücken ums Licht oder wie Kinder, die neckisch vor jemand laufen und in einem fort schreien: "Nimm mich, wenn du kannst, nimm mich doch!"

Es war abgegessen worden, das Vieh besorgt, die Mägde waren ausgeflattert, die Knechte weggestopfet, auf dem Banklein vor dem haus sass der Vater mit Resli. Christen stunde auf der Bsetzi, wusste nicht was machen, und Annelisi trug Meienstöcke hin und her. Da kam die Mutter heraus und fragte: "Hast du es ihnen gesagt?" "Nein", sagte der Vater, "aber du kannst es ihnen ja selbst am besten sagen." "He", sagte die Mutter, "das kann ich wohl. Es wäre mein Wunsch, dass wir morgen alle zum Nachtmahl gingen mit einander. Ihr wisst wohl, es war lange etwas Ungutes unter uns. Wir meinten es Beide gut, ich und der Vater, aber wir haben uns nicht mehr recht verstanden. Es war uns nicht von wegen uns, sondern von wegen euch, denn für wen husen die Eltern als für die Kinder? Daran war ich den Mehrteil schuld, und grusam habe ich da gefehlt. Das habe ich nun eingesehen und dem Vater es gesagt, und er hat mir verzogen." "Aber Mutter", sagte der Vater, "ich habe gefehlt so gut als du, ich habe so gut als du nicht gewusst, was das Glück ausmacht, und während wir meinten, wir seien unglücklich geworden, hatten wir sGlück noch ganz unversehrt gehabt und trieben es dann selbst vor lauter Ängstlichkeit von uns weg, und ich noch mehr als du. Wenn ich mich etwas besser nachegla hätte, so wären die fünftausend Pfund bald verschmerzt gewesen." "O Ätti, wir wollen jetzt nicht worten, ich weiss es im Herzen wohl, wie ich gefehlt und wie ich mich vor lauter Ängstlichkeit nicht nur am Vater, sondern auch an euch versündiget habe, denn ihr musstet auch darunter leiden, und während ich, wie ich meinte, um euer Glück jammerte, machte ich euch unglücklich. Aber jetzt weiss ich, dass Glück und Geld ganz verschiedene Dinge sind, und ihr habt es auch, so Gott will, für euer Lebenlang erfahren. Gott hat uns das zeigen wollen, darum wollen wir nicht klagen; aber eines möchte ich noch, dass ihr mir nämlich alle so von Herzensgrund verzeihen möchtet vor Gott selbsten, damit wir so recht den Frieden besiegelt hätten, damit wenn ich von euch muss, ich weiss, ihr seid mit mir zufrieden und traget mir nichts nach, vor den Menschen nicht und vor Gott nicht." "Aber Mutter", sagte Resli, "was sinnest auch, dir tragen wir ja nichts nach und auch dem Vater nicht. Es hat uns schon lange gedrückt, dass ihr so nötlich tut wegen dem Geld, und wir haben es wohl gewusst, dass es unsertwegen ist; das hat uns bsunderbar plaget, aber wir konnten nichts daran machen. Wir haben es schon die ganze Woche gemerkt, dass etwas gegangen ist, und es dünkte uns, es gehe ein Schatten ab der Sonne, und es war ein ganz anderes Dabeisein, es hat uns allen geschienen, wir seien auf Federn. Ja, von Herzen gern wollen wir morgen zum Nachtmahl kommen, aber nicht von wegen dem Verziehen, sondern um dem lieben Gott zu danken, dass alles so gegangen, und nicht von wegen dem Sterben, du sollst erst jetzt sehen, Mutter, wie lieb wir dich haben. Es ist gut, wenn es alle Leute wieder sehen, dass