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Denn als die Mutter fragte, ob alles zweg sei zum Essen, antwortete Annelisi ganz freundlich und mit viel mehr Worten, als nötig gewesen wäre. Noch fehlte der Vater; er sei zum Waldacker hinaufgegangen, hiess es.

Dort oben am Waldessaum sass Christen, und während der Himmel so heiter über ihm war, die ganze Erde lachte, war es ihm so trüb im Gemüte. So kann es nicht mehr länger bleiben, sagte er zu sich selbst; kein Essen ist mehr gut, Die Kinder reden in alles, die Diensten ästimieren einen nicht mehr; eins zieht hier aus, das Andere dort aus, und zuletzt geht alles über mich aus, und mit dem rücken kann ich ansehen, was ich vom Vater geerbt. Nein, so kann es beim Schiess nicht mehr gehen. Aber was machen? ZBoden stellen, dass man einmal weiss, wer Meister ist, und wenn es sein muss, sie zuweilen in die Finger nehmen, das wär ds Best, wenn die Kinder nicht wären. Aber man muss sich vor den Kindern schämen, und dann liefen sie fort und der Lärm würde nur grösser. Die verfluchten Bettelweiber mit der Geisel wegjagen, und wenn eine ins Haus schleichen würde, sie an den Züpfen hinausführen, so gutete doch wenigstens das verfluchte Verschleipfen. Aber was hätte ich davon, als verbrüllet zu werden im ganzen Land, und wenn eine Frau verschleipfe will, so ist ihr der Tütschel nicht listig genug. Scheide wäre ds Kürzest, und dann könnte ein jedes mit seinem Gelde machen und husen, wie es wollte. Aber wie ginge es dann mit dem Weibergut? Wenn ich das herausgeben müsste, es täte mir notti weh. Und dazu hätte ich eigentlich gar nichts wider Änni; wenn es nur weniger narrochtig tät mit dem Bettelvolk und nicht meinte, es musste jeder Täsche aufwarten mit dem Hemd ab dem leib, und weniger regieren wollte und mir die fünftausend Pfund nicht immer vorhielte, so hätte ich gar nichts wider ihn es, im Gegenteil, es wäre mir fast noch so lieb wie ehemals. Denn daneben wäre es ein Gutes in alle Spiel, hätte Sorg zu allem, und es sei kein Zeichen im Kalender, über welches es nicht Bericht geben könnte. Öppe so Laster, wie die meisten Weiber damit behaftet seien, wüsste er notti an Änneli keines. Aber die fünftausend Pfund lasse er sich nicht vorhalten; er sei nicht für seine Freude Vogt gewesen, vermöge sich dessen nichts, und wenn sie einem Menschen weh täten, so täten sie ihm weh, und bsunderbar weil er sehe, dass auf diesem Wege man nicht mehr dazu käme, sondern noch um das, was man hätte. Aber zuletzt wäre ihm an den fünftausend Pfund nicht mehr alles gelegen. Wenn sie nur den vorigen Zustand wieder hätten und Änneli würde wie ehemals, so könnten seinetalb die fünftausend Pfund sein, wo sie wollten. Er könnte dem Bub den Hof abtreten und in die Hinterstube gehen, aber er schäme sich auch, schon abzugeben und mit minderem Vermögen, als er ererbt; das würde die Leute lächern, und zudem daure ihn der Bub. Wenn sie mit dem ganzen Vermögen nicht fahren möchten, wie sollte es denn der Bub machen können, wenn er den Geschwistern herausgeben und dazu ihnen noch einen grossen Schleiss ausrichten müsste? Und er wüsste auch nicht, wie Änneli das ausstünde. Man habe schon manches Beispiel, dass eine Mutter, wenn man ihr die Haushaltung abgenommen und sie zu nichts mehr etwas hätte sagen sollen, verhürschet worden seie im Kopf, und bsunderbar sei es denen begegnet, die gewohnt gewesen seien, viel auszuteilen, und die nun auf einmal nichts mehr zu geben hätten. Er glaube nicht, dass Änneli das ausstünde, wenn man ihm auf einmal alles abnehmen würde, und daran möchte er doch nicht schuld sein, es sei daneben doch noch ein Gutes gewesen. Nun habe man Beispiele, dass man mit ihnen umginge gerade wie mit Vieh. Nit, solange er lebte, wollte er schon dafür sorgen, dass es nicht geschehen würde, aber man wisse nicht, wer zuerst davon müsse. Er wüsste eine Frau, die auch verhürschet worden sei, weil man ihr alles eingeschlossen und sie zu keiner Sache mehr etwas hätte sagen sollen und nichts mehr geben, und die man jetzt, seit ihr Mann gestorben, behandle wie ein Unvernünftiges, sie einsam und abgesondert einschliesse und niemand zu ihr lasse. Und doch sei es nicht, dass die Leute es nicht vermöchten. Er möchte an solchem nicht schuld sein, solches müsse einst abgebüsst werden an beiden Orten, hienache und dortnache, und was die Kinder nicht alles ausessen, das warte noch den Kindeskindern. Und selb möge er nicht. Resli täte es jetzt freilich nicht, aber man wisse nicht, was er für eine Frau erhalte, und was eine Frau aus einem Menschen zu machen vermöge, das wisse man auch nicht. Man habe Beispiele, dass aus den freinsten Burschen halbe Tüfle worden seien vor Gyt und Unverstand, wenn sie Weiber darnach erhalten hätten. Ja, wenn es Wyb z'ungutem geratet, so hat es siebe mann use und dr Tüfel könnt byn ihm ga Lehrbueb sy. Aber was er anfangen wolle, das wüsste er wahrhaftig nicht, aber so stehe er es nicht mehr aus.

Bis hieher dachte Christen, nun versank er in tiefes, bewusstloses Sinnen; einzelne Glockenklänge, mit denen leise Winde über den