ich will dir lings Brot holen." "He, das wäre kurios, wenn kein Kuchen mehr da wäre", sagte Christen, "es ist ja gestern noch so viel übrig geblieben. Gehe du, Annelisi, du wirst wohl noch finden." "Du hast gehört", sagte Änneli, "es ist keiner mehr, und du brauchst das Meitschi nicht zu schicken, wenn ich es dir sage." "Aber wo ist denn der Kuchen hingekommen?" fragte Christen. "Er ist einmal nicht mehr da", sagte Änneli. "So, geht das nun so", brach Christen los, "fressen einem Die Bettler den Kuchen vor dem Maul weg? Brot ist nicht mehr gut genug für sie. Es wird bald dahin kommen, dass wir nicht einmal Brot mehr haben, wenn die Bettler uns den Hof gefressen. Aber so geht es, wo die Frau den Bettlern die Sache besser gönnt als dem Mann und den Kindern." "Ich weiss gar nicht, warum du heute Kuchen willst", sagte die Frau, "das ist nur um zu zanken, es ist manchmal übrig geblieben und du hast keinen begehrt, so dass er zuschanden gegangen wäre, wenn ich ihn nicht weggegeben hätte. Wenn ich dir anbot, hast du gesagt, du liebest alten Kuchen nicht." "Selb ist nicht", sagte Christen, "aber du begehrst mich auf Die Gasse zu bringen oder ins Grab, du – ". "Vater, Vater" sagte Resli, "denket, es ist heute heiliger Sonntag, und was werden die Leute sagen, wenn sie hören, dass wir wieder Streit haben." "Aber was braucht die Mutter den Kuchen fortzugeben", sagte Annelisi, "sie hätte doch wohl denken können, der Vater nehme noch." "Und was hast du dareinzureden", sagte Resli, "die Mutter hat gewusst, was sie zu machen hat, ehe du dagewesen bist." "Ich habe so gut das Recht, dareinzureden, als du", sagte Annelisi, "und lasse mir von einem Solchen, wie du einer bist, nicht befehlen." "Wie bin ich denn einer?" fragte Resli. "He, einer, dass wenn man mit den Schuhen an ihn gekommen wäre, man sie wegwürfe aus Grusen, man sei vergiftet." "Wart, du Täsche!" rief Resli und wollte hinter das Meitschi her. Das floh hinter den Vater und brüllte jämmerlich, der Vater donnerte auch. Da tat die Mutter, welche hinausgegangen war, als Resli vom heiligen Sonntag redete, die tür auf, welche aus der Küche in die stube führte, und sagte: "Eh Resli, denkst du jetzt auch nicht an den Sonntag und schämst dich nicht vor den Chilerleuten, sprichst Andern zu und kannst dich selbst nicht halten?" Das schlug Resli wie mit einem Zaunstecken. Er sagte: "Vater, zürne nicht, mit dir wollte ich nicht streiten, und wenn ds Meitschi sagen darf, was es will, so ist es mir auch recht, wenn du es erleiden magst", und ging zur Tür hinaus.
Es war eine gestörte Haushaltung an selbem Morgen. Sobald der Streit anging, hatten die Diensten sich fortgemacht, und als Resli hinausging, machten sich auch die Andern fort, eines hier aus, das Andere dort aus, fast wie eine Bande, die ob böser Tat gestört worden, und Keines kehrte in die stube zurück, das zMorgen blieb auf dem Tische fast bis zMittag. Niemand liess sich herbei, es wegzuräumen.
Änneli wollten Reslis Worte, was die Leute sagen würden, nicht aus dem Kopf. Was werden sie erst sagen, wenn heute an einem heiligen Sonntag niemand in die Predigt geht? Da erst werden sie uns verhandeln und allerlei lügen, warum wir nicht gegangen. Jemand muss doch gehen. Aber Änneli fand niemand, den es senden konnte; es musste, wenn ihr Haus repräsentiert sein sollte in der Kirche, Hand an sich selbsten legen, das heisst sich des Hauses, in welches es wollte, würdig kleiden. In ungestörter Einsamkeit vollbrachte es sein Werk, und es kam ihm wohl, dass es zu demselben nicht fremde hände brauchte; aber die Mutter hatte es von Jugend auf gelehrt, dass der Mensch sich selbst müsse helfen können in allem, was täglich ihm zur Hand käme. dafür hätte Gott einem die hände wachsen lassen, über die man einsten auch Rechnung ablegen müsse wie für jedes andere erhaltene Pfund.
Änneli pressierte nicht, es begehrte nicht der Menge sich anzuschliessen, welcher oft das, was vor und nach der Predige auf dem Kilchweg geredet wird, wichtiger ist als die Predigt selbst; sein Gemüt drängte es nicht zur Mitteilung, und für Anderer Angelegenheiten hatte es keinen Platz, es war voll eigenen Leids.
Eine halbe Stunde weit hatte Änneli zur Kirche, und niemand war auf ihrem Wege, denn heute eilte alles, um noch Platz zu finden. Gar seltsam war ihr zumute, so einsam und schauerlich, als ob sie pilgern sollte weit, weit weg und wüsste kein Ziel, wüsste keine Heimat mehr, und alle seien vorausgezogen und niemand wartete ihr, alleine müsste sie pilgern, weit und immer weiter. Noch tönten die Glocken, die ihr sagten, wo die Andern seien, aber sie verhallten bald, und stille wards. Sie hörte nichts als