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einander redeten. Die guten Eltern dachten nicht daran, dass wenn man Die Stützen wegnehme, das ganze Haus umfalle, und dass wenn sie selbst das erste Bedingnis, vor den Kindern nicht zu worten, verletzten, die Kinder auch um den alten Respekt kämen, und dass wenn Eltern vor den Kindern sündigen, die Liebe die Kinder treibe, die Eltern zurückzuweisen, so gut als sie auch die Eltern treibt. Der Witzigere wehrt ab, wenn nun die Kinder die Witzigern werden, sollen sie nicht auch abwehren?

So verstunden es aber die Eltern nicht, sahen nicht, dass sie nicht mehr die Alten waren, sondern krank geworden, die Kinder aber die alte Lebenskraft seien, welche sie wieder zur alten Gesundheit bringen mochte. Wenn nun die Kinder zum Schweigen gewiesen wurden, so wollten sie sich entschuldigen und sagten: "Aber Vater, es dünkt mich doch, es sei nicht der wert, so bös zu werden", oder: Die Mutter habe recht; wenn man es so machen würde, wie die Mutter sagte, es käme besser, oder: "Der Vater hat doch auch etwas recht; man kann in Gottes Namen nicht immer machen, was man will, man muss sich zuweilen auch nach den Umständen richten" Das ging dann noch tiefer; was Entschuldigung sein sollte, nahm das Eine als Billigung, das Andere als Missbilligung. So etwas während dem Streit ist Öl ins Feuer, und zugleich kam dasjenige, welches missbilligt sich glaubte, in den Wahn, die Kinder hielten es mit dem Andern, glaubte sich unterdrückt, wurde nur hässiger und böser, der Streit ward häufiger, giftiger, lauter. Resli, in seinem Tätigkeitstrieb vom Vater zurückgewiesen, der Mutter Wohltätigkeitssinn, des Hauses Ehre, notwendig achtend und auch innerlich ihn teilend, entschuldigte sich öfters damit: Es dünke ihn doch, man sollte zuweilen auch darauf achten, was die Mutter sagte. Das machte den Vater immer böser über Resli, und laut klagte er über ihn, dass er nicht warten möge, bis er den Löffel aus der Hand gegeben; er stecke hinter der Mutter und weise sie auf, und wenn er nicht wäre es ginge alles besser. Er merke wohl, was abgekartet sei und dass er den Hof abtreten sollte, aber das tue er nicht, solange er ein Glied rühren könne. Annelisi, Reslis natürlicher Gegenpart und nicht in die Absicht der Brüder eingeweiht, nahm des Vaters Partei und sobald Resli den Mund auftat, mischte sich auch Annelisi ein, oft noch ehe es wusste, wovon die Rede war. Wenn die Mutter es schweigen hiess, so begehrte der Vater um so lauter mit Resli auf, und wenn später Resli mit Annelisi alleine war, so drohte er ihm, wenn es noch einmal den Mund auftue, so nehme er es bei den Züpfen und führe es zur stube aus. Er wolle ihm zeigen, was es sich in alles zu mischen hätte, und es sollte sich schämen ins blutige Herz hinein, ein Wort gegen die Mutter zu sagen. "Tue es nur", antwortete ihm dann Annelisi, "wenn du darfst und du meinst, du hättest alleine das Recht zu reden! Aber das Haus ist noch nicht deins, und solange ich in der Kräze sein muss, will ich das Recht haben, zu reden, was ich will, hörst du, so gut als du. Und es nimmt mich wunder, ob du dich nicht noch mehr schämen solltest, so auf dem Vater zu sein, du solltest doch wohl sehen, was er zu leiden hat von der Wunderlichkeit da Mutter." "Was, Wunderlichkeit der Mutter", schrie Resli, "es nimmt mich wunder, wer wunderlicher sei, der Vater oder die Mutter!" So gings, und oft war es nahe dabei, dass Die Beiden sich in die Haare gefahren wären, wenn der ältere Bruder nicht gemittelt hätte.

So ward, was zum Frieden dienen sollte, ein neues Reizmittel zum Streit, wie es ja auch bei grossen Bränden geschieht, dass Feuerspritzen, welche man zur Rettung eines Hauses in eine Gasse gestellt, das Feuer leiten vom brennen, den haus ins Nachbarhaus, weil, durch die Hitze angesteckt, sie selbst in Brand geraten. Statt dass da Eltern Streit aufgehört hätte, riss Streit unter den Geschwistern ein, und ein Streit nahm Nahrung aus dem andern Streit. So ward das Leben immer trübseliger, und es erleidete Änneli oft so dabei, dass es zu Gott betete, er möchte es doch sterben lassen, und Christen ging es nicht besser.

Einmal, es war am Sonntag vor Pfingsten, am ersten heiligen Sonntag, dünkte es Christen, er möchte noch Kuchen zum zMorgenessen. Sie hatten am Samstag gebacken und nach üblicher Sitte Kuchen gemacht für das ganze Hausgesinde über den Tisch weg. Dies geschah gewöhnlich in so reichlichem Masse, dass immer übrig blieb und manchmal später den Rest niemand essen mochte. Diesmal kam Christen die Lust an, es war, als ob der Teufel ihn stüpfe, wie man zu sagen pflegt, oder ob er zwei Bettlerweiber vom haus weggehen sah, ich weiss es nicht. Denn die sind auch früh auf, und je länger je weniger soll man den Bettlern Faulheit vorwerfen, hoschen und doppeln sie einem ja manchmal schon vor fünf Uhr an der tür.

Genug, Christen wollte zu seinem Kaffee Kuchen haben, und Änneli sagte: "Kuchen ist keiner mehr, aber