1843_Gotthelf_137_21.txt

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Da erschien zum Glück unter der tür der Wirt und fluchte: Es nehme ihn doch wunder, warum heute alles da oben sein wolle; aber wenn das nicht aufhöre, so wolle er ihm schon ein Ende machen und jage die Geiger fort. Es dünke ihn, für so eine Alte sollte sie witziger sein, und wenn eine drei Männer gehabt und vierzehn Kinder, so sollte ihr das Tanzen erleidet sein. Aber er habe schon manchmal gehört, für die Narrochtige sei kein Kraut gut als einmal der Tod. Sie solle sich abemachen, es seien Leute unten, die wollten etwas essen, und zwar auf der Stelle. "He, die werden wohl warten", sagte die Wirtin, "wir haben auch warten müssen, bis sie gekommen sind." "Hast dus gehört", sagte der Wirt, "oder soll ich dir zünden?" "Du bist ein Grobian", sagte Die Wirtin, "hast du es gehört, ich lasse mir nicht von dir befehlen und tanze, mit wem ich will und so lang ich will. Komm, Bürschli, wir wollen noch einen haben", und somit drehte sie sich und wollte Resli wieder fassen, aber es war kein Resli mehr da; sie streckte die arme in die Luft und stand da, ungefähr wie Lots Weib gestanden sein mag. Es erscholl ein donnernd Gelächter, der Wirt sagte: "Gäll, der hat es dir gereiset!" "Wo ist der junge Löhl?" fragte die Wirtin, sah rund in der stube hemm, aber Resli war nirgends zu sehen. "Hat ihn der Schwarze genommen?" Und abermal lachten alle, und der Wirt sagte: "Such nur!" Die Wirtin wurde endlich verblüfft und sagte: "He nu so de! Wenn es hat sein müssen, so ist es mir allweg lieber, er habe ihn alleine genommen als mich damit. Es nimmt mich nur wunder", sagte sie zu ihrem mann, "warum er dich nicht mitgenommen hat, es wäre ihm in einem zu gegangen, und er hat schon Manchen genommen, der am kleinen Finger besser gewesen ist als du am ganzen Leib mit Haut und Haar."

Während unter solchen zärtlichen Gesprächen das Ehepaar an seine Arbeit ging, hatte Resli, der zum offenen Fenster aus auf die Laube und von da ins Freie gekommen war, schon einen Plätz Weg gemacht. Bald schiens ihm, er gehe auf Rädern, bald wieder kniestief in der Erde, bald tanzte er mit dem Mädchen, bald dachte er, er hätte es zum letzten Male gesehen.

Er machte Plan um Plan, wie er zu ihm gelangen wolle, bald nachts als Kiltbub, bald unter dem Vorwand, Kühe oder Rosse zu kaufen oder Heu oder Stroh; so ein Baurensohn hat gar manchen Schlüssel zu andern Baurenhäusern, wenn es ihm ernst ist, hineinzukommen. Aber nichts gefiel Resli recht; er ersann immer etwas Neues, und das gefiel ihm dann wieder nicht, und er war daheim, er wusste nicht wie.

Die Andern hatten schon gegessen, aber die Mutter hatte ihm sein Essen an die Wärme gestellt. Sonst war sie neben ihn gesessen und hatte ihn gefragt, wo er aus gewesen, und dann hatte ein Wort das andere gegeben, bis Beide wussten, was sie wollten. Jetzt aber stellte sie ihm sein Essen dar, fragte nicht: "Ist es noch warm?", sagte nicht: "Du bist früh heim", sagte ihm kein Wort, ging aus und ein, als wäre er nicht da. So konnte er keine Frage anbringen, und das tat ihm weh. Manchen Tag strich er um die Mutter herum, aber wenn er etwas vom Sonntag anfangen wollte, so verschloss ein mürrisch-grollend Wort ihm den Mund.

Endlich glaubte er einen günstigen Augenblick erhascht zu haben, er war mit der Mutter alleine im Spycher und fasste ihr Korn für die Schweine. "Mutter, kennst du den Dorngrüter Bauer?" "Warum fragst du nach dem?" "He, ich habe ihn letzten Sonntag gesehen." "Wie hast du gewusst, dass es der Dorngrüter Bauer war?" "Oh, ich habe gefragt." "Was hat dich das wunder genommen?" "Ho, nienerum. Aber ich habe mit der Tochter einen Tanz getanzt oder zwei." " so", sagte die Mutter, "während man daheim für euch sorget und huset und kummert, fahrt ihr herum und lauft jedem Schlärpli nach." "Es dünkt mich doch, Mutter, du solltest nicht über mich zu klagen haben, ich mache ja, was ich kann." "Ja" sagte die Mutter, "und läufst an den Orten herum, wo es lustig geht. Es dünkt mich, das sollte dir vergehen, wenn du sinnetest, wie wir dran sind, und der Mut zum Tanzen und Karisieren sollte dir vergehen. Aber so hat man es mit den Kindern, wenn man sie am nötigsten hätte, so sieht ein jedes für sich und frägt Vater und Mutter nicht mehr nach." Darauf konnte Resli keine Antwort mehr geben, das Herz tat ihm zu weh. Die Mutter sollte doch wissen, dachte er, wie lieb er sie hätte und dass er diese Vorwürfe nicht verdiene. Wenn es einem Bauernsohn nicht mehr ziehe, einmal im Jahr zu baden und einige Tänze zu tanzen, so wäre