, und wo sie eine bemerkte, da traf sie Vorsorge. "Christeli, ich habe dir heute Trank angerichtet, du gehst nicht aufs Feld", so sagte sie, und im halben Tag rief sie ihn ins Stübli, wo sie ihm etwas Meisterlosiges zweg hatte, damit er nicht an der harten Speise der Arbeitenden sich noch mehr verderben müsste. Und wollte es nicht bald bessern, so sagte sie: "Man wird zum Doktor müssen", und manchmal sagte sie sogar: "Es wäre gut, er käme selbst, er könnte dann selbst sehen, wo es dir fehlt; so mit dem Brichten breicht man es nicht allemale recht." Nun ging diese Aufmerksamkeit verloren; die Mutter fragte ihn viel seltener, ob ihm etwas fehle, und wenn er es manchmal zu merken gab mit Nichtessen oder Berzen, so war sie imstande zu sagen: "Du musst nicht so nötlich tun, es wird schon bessern; je mehr man sich achtet, um so mehr tut einem weh." Und wenn er liegen musste und meinte, er sei recht übel zweg, und vom Doktor redete, so war der Vater imstande zu sagen: Man könne nicht das ganze Jahr durch einen für ihn auf der Strasse haben; des Dokterns hätte er doch bald satt, er hätte jetzt sein Geld für andere Sachen zu brauchen, aber je nötiger er es hätte, um so mehr begehrten die Andern zu brauchen.
Solche Reden gingen Christen tief ins Herz. Es dünkte ihn, nicht länger als er noch leben werde, sollten sie es ihm gönnen; aber es gehe ihnen noch zu lange und sie möchten nicht warten, bis er weg wäre. Es kam ihn manchmal an, wenn er nur heute sterben könnte, damit sie sich so recht ein Gewissen machen müssten. Es würde sie doch wohl z'plären tun, wenn sie mit ihm zChilchen müssten und denken, sie hätten besser zu ihm sehen können, er lebte noch, wenn sie das Geld für den Doktor nicht gereut hätte. Und wiederum kam ihn das Weiben an, damit er jemand hätte, der zu ihm sehen würde und für ihn tun, was er mangelte. Dann strich er umher, besuchte Orte, deren er sich eigentlich hätte schämen sollen, liess Geld aufgehen in den Wirtshäusern, dass männiglich meinte, er werde bald verkünden lassen; aber plötzlich verleidete es ihm wieder, er sah kein Mädchen mehr an, rührte keinen Wein mehr an, wollte wiederum sterben.
Weitaus am meisten litt darunter der jüngste Sohn,
Resli. Die Mutter hatte ihm früher oft gesagt: "Resli, je früher du mir ein Söhnisweib bringst, um so lieber ist es mit, aber drei Sachen achte dich wohl: nimm eins, das sich wäscht, aber nicht nur oberhalb des Göllers, sondern auch unterhalb, eins, das alles anrühren darf und die Saumelchtern nicht scheut, und eins, dem man nicht zweimal die Zeit wünschen muss, ehe es einmal danket. Ich bin froh, an die Ruhe zu stellen, und wenn du mir so eine bringst, so soll sie nicht über mich zu klagen haben."
Freilich sagte Resli: "Mutter, es pressiert mir
nicht." Aber er redete doch gerne mit der Mutter über die Meitscheni und hörte, was sie für einen Trumpf hatte für dieses oder jenes und was sie von dessen Familie wusste bis zur Grossmutter hinauf. Denn Resli hielt gar viel auf dem guten Namen und wollte nur eine Frau "von braver Familie nache". Er wollte nicht, dass man den Kindern die Eltern vorhalten könne und hielt ebenso viel auf ehrlichem Gut, und eine mit ungerechtem Gut hätte er nicht mögen, und wenn sie einen ganzen Kässpycher voll Dublonen gehabt hätte und dazu es Myneli, wie wenn man es aparti tangglet hätte.
So ein junger Kerli weiss aber, wenn die Mutter es ihm nicht sagt, nicht, was in einer Familie vorgegangen und was ihr anhanget; er sieht bloss, wie das Meitschi tut, und sehr oft sieht er auch dieses Tun durch eine Brille. Und wenn er auch einsieht, wie dumm es tut, so meint er noch sehr oft, aus einem Meitschi, das dumm tut, gehe es eine Frau, die gescheit tue – aber ohä! Es ist daher einer glücklich, wenn er eine Mutter hat, mit welcher er vernünftig über die Meitscheni reden kann und die nicht meint, das Himmelreich bestehe in einem Geldsack und wenn ihr Sohn schon eine dumme Frau kriege, so mache es nichts, weil er gescheit für Zwei sei.
Mehrere Jahre hatte Resli bereits in der Welt gelebt und hatte schon an viele Mädchen gedacht, hatte schon manchmal gwerweiset: Will ich dies oder will ich jenes, das wäre reicher, das wäre schöner, das wäre lustiger und jenes e Werchadere vom Tüfel, aber noch keines hatte er angetroffen, bei dem er in sich selber dachte: Das will ich und kein anderes, und wenn ich das nicht haben kann, so will ich gar keins, und wer weiss, vielleicht hänge ich mich noch.
Da war einmal ein schöner Sonntag, und es dünkte Resli, er möchte auch einmal baden. Er machte sich zweg, steckte eine schöne Rose auf den Hut, legte das schönste Halstuch um und sagte, man solle abends zum Essen und Füttern nicht auf ihn warten, man wisse nie, was es gebe, und säume sich manchmal ungsinnet.