, wo die meisten Menschen nicht einmal die Buchstaben sehen, geschweige dann sie verstehen. So ist es mir gegangen. Von meinem Vater habe ich nie viel gesagt, aber betet für ihn viel. Er hat viel wüst getan, daheim und in den Wirtshäusern, es ha mih mängist düecht, ih möchte i Bode schlüfe, un wenn Lüt drby gsi sy, su han ih nit viel gseit, aber es Gsicht gmacht akkurat wie dys Meitschi, u ha so weni as mügli vorufgluegt, damit ih dr Vater nit gsäch u nit, was dLüt für Auge mache, un es guets Wort hätte ich keinem Mönsche chönne gä, und hätts ds Lebe golte; es het mih düecht, ih möchte entweder pläre oder täubele, dass es kei Gattig hätt. Und mein Vater wäre mir doch noch lieber gewesen als der Andere, e so wüest mit Märte un uf e Gyt hi Jeste ist er doch de nit gsi. Das hat das Mädchen drückt, hier hats ihm gefallen, und viel ist ihm ungewohnts gewesen; ich habe mich dann wohl geachtet, wie es dies und jenes gschauet het und wie es ihm fremd gewesen, und daheim war es grusam gerne fort, bsungerbar wenn es so e Wüeste hürate sött, und grusam angst ist es ihm worde, es gäb aus allem nüt, bsunderbar wo dr Alt so uvrschanti Geding gstellt het. Es hätte gerne was mögen dazu reden, aber es hat sich nicht trauet, hat Kummer gehabt, es müesst afa pläre u zeige, wies ihm drum wär, oder es chönnt dSach verstöre; ih ha recht Erbarme mit ihm gha. Und grad so, es düecht mih, ich sehe es, wird ihm daheim gewesen sein, wo du und der Alte die Köpf gegen einander gemacht; es ist ihm übers Herz cho, und was es so lang vrha het, ist usbroche; die Meisten, glaube mir es, hätte no wüester ta."
"Mutter, ich will Euch glauben", sagte Resli, "dass es ihm so gsi ist, aber tue hätts nit so sölle, ih hätt kes Herz meh zun ere Frau, die so Auge macht und kes Wort meh vo re gä will, gäb wie me ahet. Eine schücht das, e Angere dieses, aber selligs ist mir grusam zwider, wo de vor all Lüt chunt un dChilche- und dMäritlüt drvo rede, wie die Frau aber ta heig un usgwüetet, si syg gar nit by re selber gsy meh."
"Höre, Kind", sagte die Mutter, "du bist unbarmherzig, wegen einem Male willst du das arme Kind verwerfen, welches nicht so getan hätte, wenn es dich nicht so lieb gehabt. glaube mir, eben die, wo an einer Frau keinen Fehler wollen, die werden am meisten gestraft, eben die, wo nicht genug auslesen können, werden am öftersten betrogen, von wegen, die aufrichtigen Mädchen denken nicht daran, die Heuchlerinnen zu machen, die pfiffigsten aber merken, was Trumpf ist, verstellen sich und führen sie an. glaube mir, eine ohne Fehler erhaltest du nicht, und wohl dir, wenn du die Fehler vorher weisst. glaube mir, wenn wir jung sind, können wir alle recht böse werden. Lies aus, wie du willst, behaltest du nicht Geduld und Liebe, übest Sanftmut, wirst ein rechter Mann, den die Frau ästimieren muss, und hilft Gott nicht nach, so hilft dir alles Auslesen nichts. Du hast mich so lieb und willst ds Muster für eine Frau an mir nehmen, willst von einer Jungen fordern, dass sie sei wie eine Alte, die dur so vieles duremüesse het; Resli, ist das recht; glaube mir, wenn du mich jung gekannt hättest, du hättest mich nicht genommen, ich wäre dir z'wüest und z'wild gsi. Aber für was ist me uf dr Welt, als für sih z'bessere? Du willst das Meitschi vrstosse und denkst nicht, wie es so einem armen Kind sein muss, wenn an einem einzigen Wörtchen sein Glück hanget, und vielleicht das zeitliche und ewige Glück, und das Wörtlein wird nicht gesprochen, und das Glück geht unter, denke dir das! Und das Mädchen muss da zusehen und darf nicht viel dazu sagen, darf nicht zeigen, wie es ihm ums Herz ist, und soll da gleichmütig bleiben, aber Resli, denke! Eine Abgefeimte wäre dir um den Hals gefallen und hätte es mit Flattieren versucht, das Meitschi tat aufrichtig, tat, wie es ihm war, und das, Resli, willst du ihm übel nehmen? Nein, tu mir das nicht, versprich mir, du wollest ihm verzeihen und es wieder suchen. Versprich mir es, denke daran, du hast auch Sünden und mangelst Barmherzigkeit. Das wär no mys einzig Bigehre uf dr Welt, de wett ih gern sterbe. glaube mr, ih has lang überlegt, ih weiss, was es Hus vrma, in einem andern Haus wär ich auch anders geworden. Es ist i mängem Hus, als ob e guete Geist drin wär, mi cha nit angers, un es wird mr meh un meh, als wenn ih ne gspürti; wer weiss, viellicht gsehn e bald."
"Mutter, redet nit so, wollt Ihr was?" sagte Resli. "Wotsch mrs vrspreche, wieder um das Meitschi z'luege?"