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neuis gspürte, so würde es es sagen; sie hofften wieder, da der Tod nicht einsmal kam.

Und eines Morgens schien der rote Schaden aufgehört zu haben, da hatten sie grosse Freude, und dass es nach sövli Leiden schwachs sei, düechte sie nichts anders. Es strengte selbst sie an, auf den Acker zu gehen, allesamt, Resli könne bei ihm bleiben. Er hätte die ganze Nacht gewachet, da könne er vielleicht ein wenig schlafen. Wenn es etwas geben sollte, so sei es ja nicht weit, man hätte sie plötzlich. Es war so heiter und schön draussen und allerdings Arbeit not, dass sie gingen, obschon es sie düechte, sie könnten nicht fort, und es war Keins, das nicht noch vorgab, etwas vergessen zu haben, und nachsah, ob es der Mutter nicht noch was tun könnte.

"Sind sie alle fort?" fragte die Mutter. "Ich glaube es", sagte Resli, "ich höre keinen Menschen mehr." "So komm und sitz da neben mich, ich habe mit dir zu reden, und öppe laut mag ich nicht mehr. Los, Kind, lang macht es nicht mehr mit mir, und da möchte ich ab dem Herzen tun, was noch auf demselben ist." "E Muetter, öppe das nit, es wird sicher bessere, wollt Ihr nicht einen Augenblick schlafen?" sagte Resli. "Es ist jetzt nicht Zeit zum Schlafen", sagte Änneli, "meine Zeit ist aus, ich fühle es, es git de bald e länge Schlaf zum Leue. Los, schwyg u gib mr dHand, es ist ja Gottes Wille, dass die Einen gehen, die Andern kommen. Aber eben das ist jetzt mein grosser Kummer und das einzige, wo ich auf dem Herzen habe, dass die noch nicht da ist, die nach mir hier sein wird, dass ich mein Tagewerk niemand abgeben, Mann und Kinder niemere anempfehle kann. Das drückt mich. fragen habe ich dich nicht wollen, wie es dir sei im Herzen, ich habe gesehen, dass du viel zu verwerchen hast und das lieber alleine machst. Aber jetzt möchte ich deinen Sinn doch wissen; liebst das Meitschi, oder sinnest an ein anderes? Denn eine Hausfrau musst du haben, Annelisi folgt dem Mann, ich dem Vater droben, da muss jemand anders herbei."

"Nein wäger, Mutter, an kein ander Meitschi habe ich gesinnet, wie wollte ich auch!" "So liebst das andere noch?" fragte Änneli. "Mutter, ich sollte nicht, aber aus dem Sinn bringen kann ichs nicht, und wenn ich schon etwas anderes denken will, es ist immer wieder da und steht mir vor den Augen." "Los, Kind, das freut mich, du nimmst es also, wenn ich nicht mehr bin?" "Was denkt Ihr, Mutter", antwortete Resli, "da wärs ja, als hätte ich auf Euern Tod gewartet und Ihr wäret mir jetzt aus dem Weg gegangen. Nein, Mutter, das soll niemand glauben. Auch kann ichs nicht vergessen, wie es mir Augen gemacht hat, so zornige, Mutter, sie haben fry zündet, und kein gutes Wort hat es mir geben wollen, dr tusig Gottswille habe ich darum bete, wie ih no kei Mönsch bete ha, un keis Wörtli hets mr gseit, u so hets mih la gah. U so könnt ih niemere la gah, u wärs my ärgst Find. U da soll ih ga anekneue u ga säge: Gottlob, dMuetter ist jetz tot! U für was für es Meitschi? Wo mr keis guets Wort het welle . Muetter, wenn es als Frau so tät, so wüest un lätz, ih wär dr unglücklichst Tropf uf dr Welt u müesst mih ja schäme vor alle Lüte, vor Knechte u Mägde."

"Kind, du musst das nicht so nehmen", sagte Änne

li. "Dass du nicht auf meinen Tod gewartet, das weiss öppe, wer uns kennt, und die Andern machen uns nichts. Und wegem Meitschi musst du nicht so sein und das sövli höch ihm näh. So wege einem einzigen Augenblick es zu verstossen aus deinem Herzen, und ds Meitschi hanget a dr, denke doch, wenn unser Herrgott auch so sein wollte!"

"Nein, Mutter, wenn es mich lieb hätte, so hätte es

nit so ta; es ha scho hie son es gspässigs Gsicht gmacht, ih ha nit gwüsst, was ih drus mache söll, es het mr himmelangst gmacht", antwortete Resli.

"Ich habe der sache auch nachgedacht, Kind, und

anfangs hets mih duret; ich habe geglaubt, es gefalle ihm hier nicht, man warte nicht gut genug auf und erweise ihm nicht genug Ehre, und bin fast misstreus worde. Da ist es mir aufgegangen auf einmal, es ha mih düecht, sein Mänteli sei ein Fenster, und was dahinter sei, könne ich sehen, so deutlich, wie wenn es mir vor Augen wäre, und doch ist der Spiegel eigentlich in meinem Herzen gewesen, und was ich in dem des Meitschis erkannte, las ich eigentlich ab in mir. O Kind, glaube, wenn man sich zurückbesinnt, wie es einem gewesen und was man gedacht und erfahren, so ist das gerade, als ob man lesen könnte eine unbekannte Gschrift