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die Antwort. "Eben das ist es, was mir Kummer macht. Es fehlt dir sonst von Zeit zu Zeit etwas und jetzt so lang nichts mehr. Das ist nicht gut, du hest nit Sorg gnue, u lue, ih säge dr jetz zur rechte Zyt, lue wasd machst, gwüss gits öppis Bös drus, was, chan ih dr nit säge, ih bi kei Dokter, aber öppis gits. Und drum tue drzue, ds Marei geiht dStadt ab, es chönnt dir doch die Laxierig la rüste, wo dr geng so wohl ta het."

Solche Gäuggle waren freilich Ännelis Leute nicht, aber hätten doch vielleicht nicht gedacht, dass man geschehenen Dingen z'best reden solle, hätten gesagt: "Mutter, warum meinst auch, du seiest noch zwanzigjährig. Mutter, warum glaubst niemere nüt und vertrauist üs nüt a!" Änneli verbarg daher, dass zum Kopfweh, zur Mattigkeit noch Bauchweh kam, ein Durchfall begann; so geheim als möglich machte es sich Tee, und da es ihn nur trank, wenn es niemand sah, so kam es selten genug dazu. Endlich merkten es aber Annelisi und Christen. "Los, Muetter, es fehlt dir; wo hets, sägs doch, du bist nit zweg." Es sei nichts anders, sagte Änneli, es hätte nur ein wenig dr Dürlauf, das werde scho bessere, es hätte Kamillentee angerichtet. "Hör, auf der Stelle muss man zum Doktor schicken, das kann man nicht so gehen lassen, wer weiss, was es geben könnte", sagte Christen. "Das wäre sich wohl dr wert", sagte Änneli, "so wege eme bitzli Dürlauf zum Dokter z'schicke, er wurde is schön uslache. Man kann noch Brühe kochen, und wenn es dann nicht bessert, so kann man immer noch luegen." "Ja, mit em Luege ist scho mänge Mönsch gstorbe", antwortete Christen. "He", sagte Änneli, "emel bis morn wird es nit alles zwänge, und wenn es de nit besseret, su cha me schicke. Es sollte ohnehin jemand in die Öle und bifehle, dass man uns doch unsern Lewat öle; wir haben fast kein Öl mehr, und ich habe keine Ruhe, bis wir wieder haben, ich weiss jetzt, wie es einem ist, wenn man kein Öl im haus hat."

Am folgenden Morgen aber war es Änneli nicht besser, sondern viel schlimmer; es war sehr matt, und sein Übel hatte nicht abgenommen. Früh lief jemand zum Doktor ab, mit dem strengen Befehl, sich nicht zu säumen auf dem Wege. Der Bote kam wieder mit dem Bescheid, die Mutter müsse grusam sorge tragen, mit dem Dürlauf sei nit z'gspasse, dr rot Schade regier, und bös. Nachmittag komme er da durch (der Doktor nämlich) und wolle dann zuechecho.

Als diese Nachricht kam, war es, als ob der Blitz eingeschlagen hätte ins Haus, da war kein Gesicht, welches nicht bleich ward, keine Hand, die nicht zitterte, daran hatte man nicht gedacht; dass die Mutter den roten Schaden bekommen könnte, war ihnen nicht eingefallen, selbst Christeli, der vor der Ansteckung gewarnt hatte, sinnete nicht mehr an so etwas, da die Mutter ihn nicht gleich mit sich brachte wie irgend ein Ungeziefer, das man auf der Strasse aufgelesen. "Herr Jesis, Herr Jesis, dMuetter dr rot Schade", jammerte alles bis auf den Güterbub hinunter, den man hinter dem haus weinend antraf und der jammerte: Wenn die ihm stürbe, so hätte er niemere meh uf dr Welt, und aufs Gutjahr hätte sie ihm eine neue Kleidung versproche, wenn er sich gut stelle, und ihm sie gewiss auch gegeben. Christen war ganz geschlagen, hatte fast den Sinn verloren; wenn er zur tür aus wollte, so fand er die Falle nicht, musste lange sie suchen. Man wusste eigentlich nicht, warum man so erschrak, noch schien keine Gefahr da, der Doktor hatte nur vor ihr gewarnt. Aber die Mutter war nie krank gewesen, nie dahinten geblieben, man sah sie an als des Hauses Vorsehung, von der alles ausging, und dass die auch zurückbleiben, vielleicht gar sterben könnte, das kam allen erst jetzt in Sinn und schlug daher alle, als ob ein Blitz durchs Haus gefahren wäre. Dem Annelisi, das der Mutter den Zeug geben sollte, liefen die Tränen stromsweise die Backen ab, und die Hand bebte ihm so gewaltig, dass es weder den Löffel halten noch mit dem Gütterli den Löffel treffen konnte. Resli musste ihm helfen. Änneli blieb gelassen, tröstete, sagte, sie sollten doch nicht so machen wegen öppis, das noch nicht da sei, und wenn es ihn bekomme, so sei es noch nicht gesagt, dass es daran sterben werde, und wenn es stürbe, so hätte es ja einmal sein müssen, und gäb e chly früher, e chly später, darauf komme es ja nicht an, sie hätten Ursache, Gott zu danken, dass er sie so lange beieinander gelassen. Vor zwanzig Jahren, da wohl, da wäre es ihnen übel gegangen, aber jetzt seis ja gleich, jetzt könnten sie es machen ohne ihn es.

Als nachmittag der Doktor kam, war auch der rote Schaden da. Was das für ein Jammer war! Der Doktor machte erst ein