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ward freundlich, sagte, wenn schon die Frau heimkomme, deswegen sollten sie nicht vergessen sein, aber sie alte afe und mög nümme alles erlyde. Sie sollten nicht Kummer haben, es werde schon bessere, und wenn sie wieder gesund wären, so sölle si de öppe cho, mi well de luege, was me tue chönn. Das war von Christen viel, der sonst derlei Dinge seiner Frau überliess, und was ihm die Frau auf dem Heimwege erzählte, rührte ihn noch mehr. Man wisse nicht, wie man es hätte, sagte er, aber vrwundere tue es ihn, dass sövli Not da zmitts unter ihnen sein könne. Öppe am wüsteste sei man doch hier gegen die armen Leute nicht, und doch könne es solche Falle geben. Aber man sinn nit dra, öppe selber z'luege, u will so Viel zum Hus chöme, su mein me, wer öppis mangli, der lauf selber nache.

Es war ein kühler Herbstmorgen, als sie heimfuhren, ein scharfer Nordwind strich ihnen entgegen; es fröstelte Änneli, als sie heimkamen, es hatte warm gehabt und sich nicht wärmer angezogen, als es aufs Wägeli sass. Daran hatte niemand gedacht, und weit war übrigens der Weg nicht. Seit gestern hatte es nichts genossen, den Kindern mochte es die Brühe nicht wegtrinken, und anderes hatte es nichts. Wenn man so leer im leib sei, so friere man doch afe, sagte es, es hätte es nicht geglaubt. Annelisi werde aber schon an ein Kaffee gesinnet haben, und es müsse sagen, so hätte es nie nach demselben blanget als jetzt.

So war es auch, das Kaffee war zweg, und Änneli lebte wohl daran, aber bei jedem Schluck musste es sagen: "O Kinder, wir wissen nicht, wie gut wirs haben und wies hergege arm Lüt hei; warms Esse, es warms Bett, u we mr öppis mangle, su cheu mrs ga näh im Keller oder im Spycher, oh, mi weiss nit, was das ist u was me het!"

Die Kinder waren an der Mutter, dass sie gang ga ligge, um wieder recht zu ihr selbst zu kommen, mit grosser Muhe brachten sie es dahin. Änneli war so voll des Gesehenen, dass es lieber den Kindern den ganzen Morgen brichtet hätte. "Schlaf du jetzt, Mutter" , musste Annelisi mehr als ein Halbdutzendmal sagen, ehe sie es entliess; "los no das, u denke doch!" hielten es immer aufs neue fest. Und lange wollte der Schlaf nicht kommen, und als er kam, war er unruhig und bewegt. Annelisi hatte die tür nur zugezogen, um zu hören, wenn die Mutter was begehre. Es hörte sie reden, sah hin und fand sie schlafend. "Komm doch" , rief es Resli. "Komm hör, wie dMuetter redt, und schlaft doch, soll se ächt wecke?" "Ich liesse sie schlafen", sagte Resli, "sie hät gar es lings Herz, die Lüt hei se grusam erbarmet, un das chunt ere jetz für. Ih glaube, es syg nüt angers, aber gang nit dadänne u gib wohl acht."

Änneli erwachte mit Kopfweh, sagte aber nichts; es war recht unwohl, wollte aber nicht den Namen haben, wie die Andern auch fragten. Änneli fürchtete, die Andern möchten sagen: " lue, Muetter, warum gehst und machst solche Dinge, haben wir es dir nicht gesagt, du magst wäger so etwas nicht erleiden."

Diese Furcht ist ein Ding, das oft zu finden ist und viel Unheil stiftet, denn sie ist Ursache mancher Verheimlichung, die einen übeln Ausgang nimmt. Manchmal liegt diese Furcht im Bewusstsein einer Schuld, man war gewarnt worden, man tat es dennoch; manchmal entsteht sie durch allzu grosse Ängstlichkeit oder Zärtlichkeit anderer Personen, die sich gleich grusam gebärden, aus der Haut fahren und einen Güterwagen in die Apoteke schicken, um Medizin zu holen. Dann gibt es aber auch Leute, welche den Gugger im Leib haben, Predigten anzubringen; die lassen sich, wie bekannt, an Sündern am bequemsten applizieren. Erwachsenen Personen kann man nun so mit Anstand doch nicht jede Kleinigkeit vorhalten, die Anlässe zum Predigen fänden sich selten, wenn sie nicht glücklicherweise zuweilen unwohl würden. Merkt man nun so etwas an ihnen oder klagen sie gar, so ist dies die prächtigste gelegenheit, die bekannten Sprüchlein anzubringen: "Han drs nit scho mängist gseit, lue, jetz hesch es, du wotsch mr geng nüt glaube, aber mira, ih cha schwyge, ih will nüt meh säge, du wirst es welle zwänge, he nu so de, i Gotts Name, wenn es ha witt, su häbs, aber nume gib de mih nit dSchuld." Es gibt Leute, denen man so aufwarten muss, aber wie gesagt, es gibt Leute, die allen so aufwarten und die, wenn man ihnen alles mit der grössten Sorgfalt verheimlicht, dass sie gar keine Predigt anbringen können, an einem schönen Morgen so anfangen: "Hör, ich muss dir einmal was sagen, wird nit scho ungeduldig, es ist dy sache und ih chönnt eigetlich schwyge, wenn es mr nit um dih wär. Du darfst das gewiss nicht mehr so gehen lassen, du musst abführen oder sonst etwas machen." "Aber es fehlt mir ja nichts", ergeht