, wenn man es bauen will auf öden Wüsten statt auf gottseligen Häusern.
"Darum, so kehret, wenn ihr klaget, die Augen in euere Häuser, betrachtet sie: sind sie Tempel Gottes, brennt darin als ewig Feuer die Liebe und die Treue, wartet ihr als treue Priester eueres Gottes heiligen Dienst Tag und Nacht? Seid ihr euch bewusst, dass was ihr auch seid unter den Menschen, euer höchst Amt und Beruf eben das Priesteramt, eben das Warten von Gottes heiligem Dienste ist im Tempel, den ihr euer nennt, im Tempel, in dem ihr mit euerer Familie wohnt, im Tempel, wo ihr selbst die heiligen Opfer sein sollt? Und wenn ihr und euer Haus dem Herrn fürder dienen wollt, so meine ich eben diesen heiligen Dienst und nicht ein kühles Halten irgend eines Gebotes hie und da, wenn es die Leute sehen oder es sonst eben nicht unbequem ist oder nicht schwer fällt. Ich meine eben den Dienst, den auch Paulus meint, wenn er sagt: So ermahne ich euch nun, lieben Brüder, durch das Erbarmen Gottes, dass ihr euere Leiber darstellet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei, welches sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und wollt ihr also dem Herrn dienen, so bekennt es offen vor den Menschen und steht in all euerm Tun zu euerm Glauben und gebt dessen Zeugnis; darf doch auch so mancher öde Wicht zu seinen toten Götzen stehen, warum dann nicht ihr zu euerm lebendigen Gott?"
So ungefähr redete der Pfarrer, aber ausführlicher, und namentlich den letzten Spruch erklärte er, wie man sich heilig darzustellen hätte als ein Gott wohlgefälliges Opfer und sein Haus zu machen habe zu einem heiligen Tempel. Und es war grosse Stille und Andacht in der Kirche, und wohl nicht manches Herz war darin, das dem Pfarrer nicht recht gab, und nicht manche Seele, die nicht an das eigene Haus dachte, und manches Auge ward nass, wenn es erkannte, wie es im haus aussah, und weil ihm jetzt die Verständnis kam, warum ihm so übel darin war. Und manch Anderer durchlief seines Hauses geschichte, und klar ward es ihm, warum der Friede desselben gestört war und sich herstellte, warum die Freudigkeit verdunkelt war und hell wieder strahlte. Alles das in dem Masse, als auf des Tempels Altare dunkel oder hell brannte das heilige Feuer. Und manches arme Weib wischte im Stillen eine Träne ab, denkend, welchem Dienste der Mann fröhne, und nahm sich vor, eine desto treuere Priesterin des Herrn zu sein, und mancher Mann freute sich seines Weibes, dem das Haus alles war, und mancher hatte es umgekehrt. Und manches Kind begriff besser der Eltern Zucht und gelobte willigere Treue.
Auch Änneli fühlte sich eigends bewegt, es säuselte in ihm wie himmlisches Wesen, es ward ihm so wehmütig und doch so unaussprechlich wohl. Vor ihm stand ihr Haus in freundlichem Glanze, es durfte desselben sich freuen vor Gott und Menschen; es fühlte so recht innige Wonne, dass dort sein Eingang, sein Ausgang sei und Christen so einig mit ihm, so freudig des gleichen Dienstes wartend, und die Kinder so treu, anhänglich, nichts Zwieträchtiges zwischen ihnen und kein Zweifel, dass auch sie das Haus im gleichen Glanze erhalten würden, und nicht vor den Menschen nur, sondern auch vor Gott. Es fühlte so recht innig das Glück, wenn Eltern mit Zuversicht sagen können: Jetzt lass deinen Diener im Frieden fahren, und das können sie nur dann, wenn sie sicher wissen, dass ihre Kinder in Gott gewurzelt, ihre Namen im Himmel eingeurbet sind. Änneli war nicht stolz, es betete nicht: "Ich danke dir, Gott, dass unser Haus besser ist als andere Häuser", aber es freute sich herzinniglich, dass wenn Gott es abrufe, es nicht zu erschrecken brauche, es nicht umsonst auf der Welt gewesen, es das Pfund, welches der Herr ihm gegeben, nicht vergraben, sondern ihm mit Wucher zurückgeben könne: ein Haus, im Herrn erbaut, drei Kinder, im Herrn erzogen, der Welt mächtig, aber ihrer nicht die Welt, und kann eine Hausmutter Höheres, Köstlicheres bringen vor Gott und erwartet er anderes von ihr als ein frommes Haus und fromme Kinder?
Wohl fiel ein Schatten in die Freude, es war der düstere Resli, der nicht klagte, aber wenig lachte, viel schaffte, aber gerne alleine war und dann so trübe war, wie die Mutter im Stillen oft bemerkt hatte; es war das Bangen, dass er alleine bleiben möchte, der stumme Wunsch, die noch zu sehen, welche einst an ihrer Stelle stehen sollte als fromme Priesterin an des Hauses heiligem Altare. Und dieser Schatten war es, der der guten Mutter Auge trübte; aber bald glänzte durch die Wolke hell und klar des Vertrauens goldener Stern; der Herr, der bis hieher geholfen, der alles so wohl gemacht, sollte der nicht ferner helfen, war es nicht getrost ihm zu überlassen, nicht mit ergebenem Herzen zu sagen: Wie du willst, und nicht wie ich will! Und so fasste Änneli es auch, aufgerichtet und freudig ging es heim; es war ihm, als ziehe jemand an ihm, so leicht und wohl war es seit Jahren nicht gegangen.
Diese Predigt war nicht ohne Eindruck an den Leu
ten vorübergegangen, hatte Beifall gefunden wie selten eine. Da hätte der Herr recht, sagten