den Häusern, in die sie gerieten. Es trifft dieser Vorwurf arme und reiche Häuser. Es sind leider sehr viele arme, welche bloss noch leiblich leben, geistig aber tot sind, deren Hütten nichts viel Besseres sind als die Höhlen, in welchen die Tiere des Waldes wohnen. Aber auch viele arme Kinder wurden in reichen Häusern erzogen, und viele wurden nicht besser als die Kinder in jenen Höhlen; geschieht es ja, dass man sie in den Stall hinaus zum Vieh verstösst und Kälber es besser hätten als Kinder. Aus diesem grund auch, weil des Hauses Dienst fehlt, weil die Kirche nicht mehr das gemeinsame Vater- Familienhaus ist, das bindende Band zerrissen wird, entsteht der Hass zwischen Reich und Arm, den die Bruderliebe nicht mehr mittelt; der versöhnende Geist entschwindet, es verschwindet der Geist, der alles, was der Vater gibt, als gut nimmt, der Geist, der sich freut, dem Herrn dienen zu können, wenn auch an kleinerem Altare; hängt doch des Feuers Glanz und Grösse nicht vom Altare ab, auf dem es brennt, sondern von der Treue und dem Eifer dessen, der des Feuers wartet.
"Torrecht aber auch ist das Klagen über Regenten, denn aus eurer Mitte, aus euern Hausvätern sind sie nicht nur hervorgewachsen, sondern von euch selbst auserkoren; haben die Hausväter den rechten Sinn, so werden sie auch die Rechten sehen, die da wüssten, worauf es ankommt, wenn es das Heil eures Volkes giltet. Dürftet ihr euch bekennen zu dem, der bekennt sein will, wenn auch er euch bekennen und erkennen soll, so hättet ihr weder über Regenten noch über Regierung zu klagen. Die Gründe eurer Klagen wachsen also aus den Häusern heraus, und ihr wisst es nicht; ihr sehnt euch nach bessern zeiten, nach freundlichem Morgen, und schafft doch Finsternis, webet selbst das Böse in die Zeit hinein.
"Darum lege ich auch euch die Frage vor wie Josua, der auch seinen guten Grund gehabt, doch keinen bessern als ich heute: Wem wollt ihr dienen, irgend einem Götzen oder dem Herrn, dem ich und mein Haus dienen wollen? Ihr werdet meinen, das sei eine müssige Frage, aber das ist sie eben nicht; ihr werdet sagen, das verstehe sich von selbst, dass ihr Christen seiet und mit euerm haus dem Herrn dienet, aber das versteht sich eben nicht von selbst.
"Ein Haus will man machen, ein Haus will man bauen, ein Haus möchte man besitzen, aber alles das in Beziehung auf die Welt, auf den äussern Schein; man will ein braver Mann sein, eine berühmte Frau, aber an das recht christliche Haus, ans christliche Priestertum denkt man nicht; bedenkliche Verlegenheit würde über so manchem gesicht sich lagern, wenn man manchen Hausbesitzer, manche sogenannte Hausfrau nach ihrem christlichen Priestertum fragen würde; man heisst sich Christ und dient der Welt, man hat ein Haus, darin zieht die Welt ein und aus, aber dem Herrn ist es nicht geweiht, man meint es nicht bös, aber was man eigentlich will und ist, weiss man nicht, man hat eben nicht daran gedacht. Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen, so sprach Josua, und wir, was wollen wir?
"Es ist, ihr mögt wollen oder nicht, das Haus der Spiegel euerer selbst, eueres Inwendigen; ist euer Herz zerrissen oder hoffärtig oder zuchtlos, so wird alles dieses auch euer Haus sein, wird als Zeuge und Spiegel täglich euch vor Augen stehen. Seht, darum ist es auch, warum so oft Menschen nicht daheim sein mögen, warum es dem mann wird im eigenen haus, als ob er im Gefängnis wäre, der Frau wie einem Vogel, der in eine stube sich verirrt, dass ihnen wind und bange wird innerhalb der eigenen Schwelle; was sie im Spiegel sehen, vor dem grauet ihnen, des Hauses Predigt, die ohne Worte, aber wie ein zweischneidend Schwert durch ihre Seele fährt, möchten sie nicht hören, aber wo wollen sie hinfliehen? Das Herz, so öde und ohne Trost, aber voll Stürme Wind und Graus, das folgt ihnen überall, dem entrinnen sie nicht, das sitzt ihnen nicht bloss auf der Ferse, das sitzt mitten in ihnen. Und das Haus sollte doch eben sein der süsse friedselige Zufluchtsort des Pilgerims nach vollbrachtem Tagewerk, der freundliche Hafen, den der Schiffer sehnsuchtsvoll sucht, wenn hart des Lebens Wellen ihn geschaukelt; im haus findet er den Frieden, der aus der Liebe wächst, die süsseste Frucht eines Gott ergebenen Herzens. Und lasst euch nicht irren durch ödes Geschwätz unseliger Toren, es ist nicht der Staat, nicht die Schule, nicht irgend etwas anderes des Lebens Fundament, sondern das Haus ist es. Nicht die Regenten regieren das Land, nicht die Lehrer bilden das Leben, sondern Hausväter und Hausmütter tun es; nicht das öffentliche Leben in einem land ist die Hauptsache, sondern das häusliche Leben ist die Wurzel von allem, und je nachdem die Wurzel ist, gestaltet sich das Andere. Täuschet euch nicht, es mag zuweilen die Krone des Baumes noch grün scheinen, während schon die Wurzel welket; aber lange bleibt die Krone nicht grün, dürre wird es bald in ihren Ästen, und wenn ein Sturm übers Land kommt, so wird sie einen grossen Fall tun, die Wurzel hielt den Baum nicht mehr: so wird es dem Vaterland ergehen