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aus diesem Himmel in den seinen uns nimmt!

Lebensjahre hätte Resli darum gegeben, wenn er dort oben in den grossen Sternen, gleich als wie in einem Spiegel, es hätte sehen können, was da unten in seines Mädchens Herz sich rege, ob er auch noch in selbem sei und in welchem Glanze. Gar oft dachte er: Wenn wir einander nicht mehr sehen in dieser Welt und Beide sterben, sehen wir uns dann wohl wieder in einer andern Welt, erkennen wir uns wohl und ist da auch noch etwas zwischen uns, oder können wir dort bei einander sein in ungetrübter Liebe?

So sinnete, so träumte er, und mancher abenteuerliche Plan ging an ihm vorüber, wie er erfahren könne, was im Dorngrüt gehe und wie dort die Sachen stünden. Er konnte dort als Bettler erscheinen oder als Kiltbub bei den Mägden, konnte bei der Wirtin in eigener Gestalt sich einschleichen und vernehmen oder Bericht machen lassen, er konnte als stilles Unghür das Haus umkreisen und bewachen jeden Eingang und Ausgang.

Dieses und eine Menge anderes bedachte er und tat nichts, nicht aus Unschlüssigkeit und weil er werweisete zwischen diesem und jenem, sondern weil er eben nichts tun wollte und seine Überzeugung feststund, dass es so bleiben müsse. Hundertmal juckte es ihn, mit seiner Mutter zu reden über seine Gedanken, aber weil er wusste, wie sie sich verbünden würde mit seiner sehnsucht, hielt er das Wort gefesselt an ehernen Banden.

Dieses stille Liebesleben ward nachgerade doch Annelisi langweilig, und es erwachte in ihm die sehnsucht nach etwas Lustigerem, Lebendigerem. Und es ist seltsam, wie es Buben und Wespen fast gleich haben. Solange eine Birne hart und bitter ist, da fliegen die Wespen wohl darum, aber rasch vorbei, sobald sie aber nur gäb wie zu mürben beginnt, so ist es, als wenn es die Tilders Wespen von weitem schmöckten; sie kommen scharenweise daher und stechen an und geben nicht lugg, bis die ganze Birne kaput ist. So machens die Wespen nämlich. Nicht ganz gleich die Buben; die merken also auch fast auf hundert Stunden, wenn Birnen mürben, aber jeder möchte die ganze Birne für sich und frisst nicht gerne in Gemeinschaft mit Andern sie an. Und wenn das Mädchen nicht gleich gekapert wird, so ist oft nur das grosse Gedränge schuld und weil das Mädchen nicht ins Klare kommt, wer ihn es am angenehmsten und zärtlichsten fressen würde.

So ging es auch um Annelisi wie wild. Ja sogar einige Fürsprecher liessen sich herbei, gleichsam wie grosse Raubvögel (denn je grösser das Aas, desto grosser die Vögel sind, welche es herbeilockt), und breiteten rotverbrämte Mäntel stattlich aus und schlenggeten die Haare oder strichen den Schnauz und redeten zärtlich nach neuer Mode, welche freilich zuweilen ans Kannibalische streift. Sie machten aber keinen Eindruck, strichen umsonst Schnäuze und liessen Mäntel flattern und wedelten mit den Haaren, eine neue Art ungebundener Zöpfe, nur dass man sie jetzt vornen trägt statt wie ehedem hinten.

Ein junger Bauer, mit dem Annelisi aufgewachsen war, über den es von seinem ersten Schuljahr an bis zum letzten geschimpft, sich mit ihm gezankt, gekratzt, gestriegelt, über den es von dort an beständig zu lachen und zu spotten hatte, der schlich sich auch unter die Wespen, welche um die Birne flatterten. Annelisi spottete nur ärger und richtete alle Pfeile des Witzes und der Bosheit auf ihn, dass ihm die Mutter oft abwehrte und ihn es bat, es solle doch schweigen und denken, es könne sich versündigen. Dann bat es wohl ab, aber handkehrum fiel es in den gleichen Fehler, nur noch ärger.

Da kam derselbe eines Sonntags, als Christen alleine hütete, zum Haus, setzte sich zu Christen und bat ihn um seine Tochter. Der horchte natürlich gewaltig auf und sagte: "Hans Uli, du kömmst mir ungsinnet, an dich habe ich afe nicht gedacht. Meinetwegen hätte ich nichts darwider, aber bigryfst, ehe ich etwas sagen kann, muss ich doch mit meinen Leuten reden, und was ds Meitschi seit, weiss ich nicht." "Was selb ist", sagte Hans Uli, "wir wären neue richtig." "Das wär arig", sagte Christen, "es wird öppe nit sy." "Wohl wäger ist es", sagte Hans Uli, "es het mrs emel verheisse, u sövli e Schalk wirds öppe nit sy." "Öppe selb nit", sagte Christen, "mit sellige Dinge ist nit z'gspasse. Aber wunder nimmts mich doch, dass es so ist, und wenn du es nicht selbst sagtest, so glaubte ich es nicht." "He", sagte Hans Uli, "es ginge mir selbst so, wenn es mir jemand anders sagte. Nit, gfalle hets mr geng u wär mr lieb gsi. Aber es het immer nur ds Gspött mit mir triebe un z'zanke gha, nüt hätt ih dra dörfe sinne, ds Gunträri, ih ha mängist denkt, wenn das einist heirate, so müsse dem ghornet, gklepft, ta sy, dass es e grüsligi sache syg. Da bin ich letztin im Neuenbad zHerrlige und stand e so u luege u ha nit gwüsst, will ih oder will ih nit oder wos mr fehlt, da klopft mr neuer uf dAchsle u seit: Hest aber ds Öl vrschüttet, du arms Tröpfli? Aber weisst ih wüsst dr öppis. Wennd drei