absichtlich oder nicht, untersuchte er nicht, leerte den Habersack in des Bauern Futterkasten, gab zehn Batzen Trinkgeld einem Knechte, trat zum Bauer und sprach: "Lebt wohl, dankeiget, es steht z'vrgelte." "Hest nüt z'danke", antwortete dieser. "Dankeigist du für ds Füehre; was es kostet, habe ich nicht gefragt, ihr habt es mir anerboten."
Resli achtete sich der Rede nicht, sass in raschem Schwung im Sattel, hoch bäumte sich sein Braunross, laut wieherten alle, aber in gemessenem Schritte zügelte er sie, unter sich das tanzende Ross, und erst hundert Schritte vom haus liess er in Trott die Pferde fallen, der rascher und rascher ward, schnell ihn den Augen der Nachsehenden entführte.
"Das ist e stolze Bursch und kann sReiten", sagte der Eine; "der weiss mit den Rossen umzugehen und weiss öppe auch, was der Brauch ist", sagte der, welcher das Trinkgeld empfangen. Nachdenklich hatte ihm der Bauer, die hände in den Westentaschen, nachgesehen, dann sagte er zu den Knechten, es düeche ihn, es wäre jetzt genug gölgötzet u es wäre Zeit, wieder etwas zu machen, hätten sie doch fast einen halben Tag versäumt; dann ging er vom haus weg, hinter ihm drein sein roter Mutz.
Rasch liefen Reslis Rosse, immer rascher rollte sein Blut in den Adern, und je rascher es rollte, umso heisser ward es, umso langsamer schienen ihm die Rosse zu laufen. Hand und Fuss juckten ihm unwillkürlich, zum schnellsten Jagen die Pferde zu treiben. Es kochte in ihm auf glühendem Herde in einem Kessel beisammen Zorn und Weh, Liebe und Leid, Stolz und Demütigung, und wie der Wind die Glut erhitzt, liess das schnelle Reiten den Brand unterm schauerlichen Kessel immer heisser erglühen.
Es ist allerdings ein eigentümliches Heimgehen oder Heimreiten mit einem Korbe auf dem rücken, sei derselbe nun ein grober oder ein feiner, sei er von den Eltern geflochten oder des Mädchens selbsteigenen Händen; immerdar wird er ähnlich sein einem Stück Schwamm, der auf unserm Herzen gleichsam als auf einem nassen Feuerteufel sitzt, dasselbe zischen und Funken sprühen lässt, dass es ein Graus ist. natürlich zischen nicht alle Feuerteufel gleich, die einen haben mehr Pulver als die andern, und auch nicht alle Funken haben die gleiche Farbe, aber sprützen und spretzeln, mehr oder weniger, tut jeder allweg. Ein Korb ist jedenfalls ein dumm Ding, ein Nasenstüber, eine Demütigung, ein Urteil, dass man einen nicht möge, nicht wert sei, die Schuhriemen aufzulösen, es ist ein Dämpfer, der einem aufgsetzt wird. Ob diese Körbe handfester oder zierlicher seien, mit verzuckerten Mienen gegeben werden oder mit höhnischen, darauf kommt wenig an, das Hauptgewicht liegt anderswo.
Ist der Korb nichts als das Fehlschlagen einer Spekulation, gleichsam das Ablecken des Pulvers auf der Pfanne, so ist es richtig eine fatale Sache; eine verfluchte, sagt man, wird taub über Meitschi und Eltern, aber da es halt so ist, so schüttet man anderes Pulver auf die Pfanne, räumt vorsichtiger das Zündloch und sucht aufs neue zum Schusse zu kommen, am liebsten natürlich auf eine fette Wildsau oder ein blankes Rebhühnchen; wer aber gar zu taub ist, lässt sich verleiten und schiesst auf den ersten besten Spatz. Solche Schüsse gehen gerne los, worob aber niemand mehr erschrickt, als wer sie selbst losgedrückt.
Anders gestaltet der Feuerteufel sich, wo er mit Liebe halb oder ganz getränkt ist; der ist nässer, sprüht langsamer, aber länger, und wehmütig flimmern die Funken, und betrübte Gedanken streifen, durchkreuzen den Horizont der Seele. War man zu wenig hübsch, zu wenig reich, zu wenig vornehm, zu wenig galant und elegant? Ach, und auf solche Lumpereien und Nebendinge achtet die Welt, und ds Herz sieht sie nicht, ds Herz, die Hauptsache, wie der Docht in der Kerze; und wie wäre dieses Herz so schön, so gut, so voll Liebe, und wäre auf den Knieen gelegen lebenslänglich und hin- und hergerutscht, auch lebenslänglich, hätte Kartoffelrinde zusammengelesen emsiglichst, hätte sie, ungesalzen und geschmalzen mit Liebe, gekocht oder gebraten nach Belieben am Feuer der Liebe und sie dargereicht auf den Knieen der Liebe und unter Säuseln von Liebe und auf Schüsseln der Liebe. Und ob dem Verschmähen dieser süssen, lebenslänglichen Kost weint man bitterlich, setzt sich an einen Bach, ja selbst an einen Fluss, damit die Tränen gleich unschädlichen Abfluss haben, und balanciert, ob man ihnen selbst nachwolle oder nicht. Wenn unterdessen die Sonne untergeht, so hat man die innigste sehnsucht, mit ihr unterzugehen ins Bett der Nacht; wenn dann aber der Wind kühl weht, tut man einige Knöpfe ein, und weht er noch kühler, so geht man einstweilen heim, von wegen dem Pfnüsel. Aber über Nacht hat man grosse Gedanken über Menschenwert und wahres Glück, und vor dreissig Jahren oder noch länger hat man unter solchen Umständen viel an Werter gedacht. Das war nämlich ein Mensch, der sich von wegen Liebe und allerlei sonst erschossen.
Wiederum anders ist es, wenn der Korb nur ein halber ist, entweder nur von den Eltern oder nur vom Mädchen ausgeht. Da ist Stolz dabei und man sinnet auf Eroberung oder Überlistung des den Korb austeilenden Teiles. Ist man mit den Eltern einig und hat das Mädchen sich spröde gemacht so denkt man