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, vertraue so einer nur auf Gott, verlassen wird er dich, wie du mich verlassen!" Wie Resli reden wollte, es hörte ihn nicht. "Geh weg", rief es, "ich mag dich nicht sehen, nicht hören! Ein Wort, und du hättest mich erlöst, und willst nicht und machst mir es so, und jetz –" da ging seine Rede in krampfhaftes Schluchzen über, es stürzte ins Nebenstübchen, warf sich aufs Bett und weinte, dass es das ganze Bett erschütterte.

Verstummt war Resli, Schrecken ergriff ihn, er wollte trösten, entschuldigen, ging nach zum Bette, bat um ein gutes Wort, wollte dessen Hand ergreifen; aber es hörte ihn nicht, zuckte, wenn es seine Hand fühlte, zusammen, als wenn diese eine Schlange wäre. Wie er so dastund und es ihn fast zerriss, so weg zu sollen, kam die Mutter und sagte: "Lass du das Mädchen sein, es hilft jetzt nichts mehr. Was gehst und verkegelst dSach; selber ta, selber ha. Es ist öppe recht, we me zu re Muetter luegt un ere allbeeinist öppis kramet, aber mit ihre ga dr Narr z'mache, ist dumm und trägt nichts ab. Einist muess si doch vom Hof, gäb es Jahr früher oder später, und was soll ihr das machen! Einmal mir wärs recht, wenn mir jemand dBurde abnähmte und ich meine Sache gleich hätte, öppe allbeeinist es Tröpfli Kaffee un es äsigs Möckli. Aber jetz mach, dass fortkömmst, vom Meitschi bekömmst du doch keinen Bescheid mehr; es ist es Grüsligs, wes so zwegchunt, und wenn dr Alt drzuechunt, su seit er dr wüest." "So gehe ich doch nicht gerne fort", sagte Resli. "Bist selber schuld", sagte die Alte, "nimm ds Geld u gang, angers gits jetz nümme."

"Er soll cho", rief eine harte stimme zur tür ein, "es cha ke Mönsch die Donners Keibe gschire." "Mi söll se la sy", rief Resli, trat noch einmal zum Meitschi: "Ume no es guets Wort", bat er, "dr tusig Gottswille, so la mih nit furt!" Aber Schluchzen war die Antwort, und tiefer drückte das Mädchen den Kopf ins Deckbett. "Komm, komm", rief die Mutter, "ih ghöre dr Alt! Nimm ds Geld, es git dr ke Mönsch es guets Wort drfür", und somit wischte sie das Geld in Reslis daliegenden Hut, drückte ihm diesen in die Hand. "Adie", sagte sie, "und zürn nüt, es geht nicht allemal, wie man gerne möchte, und es ist gut, wenn man sich früh daran gewöhnt."

"Es wäre Zeit, dass du kämest", sagte der Bauer, "so ungrymti Ross habe ich noch nie im Stall gehabt." Weh und Zorn wogten hoch auf in Resli, des Bauern Worte waren eine Art Aderlass. "Wenn man vernünftig mit ihnen umgeht, so sind sie vernünftiger als mancher Mensch", sagte er. "Du wirst uns doch nicht lehren wollen mit Rossen umgehen", sagte der Bauer, "dazu bist du noch z'junge." "Has nüt im Sinn, es chönnt mr z'lang gah", sagte Resli. "Wie meinst" fragte der Alte. "Es gäb mänger Gattig Lüt un mänger Gattig Ross, u die eine möge erlyde, was die angere us dr Hut sprengt, es chunt geng uf ds Gwahne a." "Da musst du deine wunderlich gwehnt ha", sagte der Bauer.

Reslis Antwort ging im Stall verloren. Dort war ein stark Brüllen; Knechte standen mit Stecken und Geiseln im gang, seine Rosse waren in der Krippe oben, des Bauern Rosse hatte man geflüchtet. Als er die Zuversicht sah, hiess er sie alle hinausgehen mit Stecken und Stangen und fing mit seinen Rossen zu reden an. Da war es, als ob sie, verirrt in der Wüste, eine bekannte stimme hörten, in Not und Drangsal einen Retter erblickten; sie wieherten laut auf, drehten ihm die Köpfe zu, und wenn sie schon noch hin- und herfuhren, so biss oder schlug doch keines mehr. Er gschirete und zäumte ohne Not und ohne Zorn, denn die Rosse erbarmten ihn, darum liessen sie es auch willig geschehen und folgten ihm auch willig aus dem Stalle. Draussen kriegte er aber wieder seine liebe Not mit ihnen, als sie den Bauer und die Andern erblickten. Eins wollte hier aus, das andere dort aus, wahrscheinlich den kürzesten Weg der Heimat zu. Er musste alleine anlegen, denn sobald jemand von den Andern zu nahe kam, schossen die Rosse in die Zügel oder schlugen aus; er hatte mit seiner hässigen Mähre zu tun, der er in der Hast den unrechten Kommet angelegt und die jetzt nicht Vorross sein wollte und es doch bleiben musste, da er nicht ändern wollte und der Draguner ihm wirklich diesmal unterm Sattel anständiger war.

Während diesem schweren Geschäft (vier verwilderte Pferde allein zu schirren und anzulegen, ist nämlich nicht leicht) hatte er sich gefasst, und in dem Masse, als seine Rosse ruhiger wurden, ward auch er es. Mit aller Gelassenheit räumte er seine Sachen zusammen, suchte noch eine Kette, die vergessen worden war, ob