"Los, los, dr Vater ist fertig! Dr erst Tag können wir es ja ändern, versprich nur, was der Vater will, z'halten brauchen wir ja nur, was wir wollen, aber mach, dass ich fortkomme!" "Aber soll ich den Vater anlügen", sagte Resli, "und auch meine Leute, sollen wir unser Glück auf Lug und Trug bauen, denke o, Meitschi! Standhaft wollen wir sein, treu einander und von Menschen uns nicht scheiden lassen, dann können wir auf Gott vertrauen, kommen sicher zusammen, und dann mit reinem Gewissen." "Los, los, er tut das Gänterli zu, er kommt, er kommt, säg dr tusig Gottswille nache, was er vorsagt, oder du hast mich nicht lieb und ich will nichts mehr von dir u wett, ih hätt dih nie gseh! Uf de Kneue halte ih dr a", so rief zitternd, mit unterdrückter stimme Anne Mareili; seine Lippen wurden blass und seine Augen stunden gross und starr in ihren Höhlen. Und ehe Resli eine Antwort geben konnte, trat der Alte herein, fragte nicht um den Bescheid, sondern zahlte in Päcklene und möglichst schlechtem Gelde seine Schuld auf den Tisch, an dessen Ecke Anne Mareili bebend sich hielt. "Da hasts", sagte er, "du wirst pressiere für heim, und aufhalten will ich dich nicht."
Da trat auch Resli zum Tische, das Geld sah er nicht an, aber schwer kämpfte es in seiner Brust. "So da weg", sagte er, "möchte ich doch nicht, und ein vernünftig Wort wird wohl erlaubt sein. Was Geld und Gut anbelangt, will ich nicht märten, was möglich ist, soll geschehen. Dass man da den Vorteil nicht begehrt, hat man gezeigt und mit keinem Wort gefragt, ob das Meitschi etwas mitbringe oder nichts. Einstweilen haben wir genug, und was es künftig geben soll, überlassen wir Gott. Gebe es etwas oder nichts, so hoffe ich, können wir es mit Gottes hülfe fürder machen. Aber etwas will ich offenbaren, damit könnt Ihr dann in Gottes Namen machen, was Ihr wollt. Es gibt in jeder Familie zuweilen etwas, manchmal kann man es mit Gottes hülfe verwerchen, manchmal aber nicht. So hat es auch etwas bei uns gegeben, und damals hat mein Vater gwerweiset, ob er mir nicht den Hof abtreten solle. Da aber hat der Vater gefunden, dass die Mutter das nicht verdiene, weil sie bedeutend Gut eingebracht und eine Hausmutter sei, die für alles Sinn hätte und Vrstang für alle, und so eine, hat er gedacht, soll man nicht bei guten Kräften auf die Seite stellen, weil es ihr leicht in das Gemüt kommen könnte, wenn sie nicht mehr über alles könnte, zu nichts mehr etwas sagen sollte. Das ist eine schwere Verantwortung vor Gott, wenn man so um zeitlichen Nutzens willen jemand beiseite stellt, dem Gott seine Kräfte noch erhalten hat. So hat der Vater gedacht, und ihm wäre es öppe gleich gewesen, hinterezstah u mih la z'mache. U sött ih angers denke gege dr Muetter, wo geng e Muetter a mr gsi ist, vo dr erste Stung a bis jetz, u geng zerst u zletzt gsi ist, wos üse Nutze gsi ist, u ke Rueh gha het, wes eim öppe gfehlt het oder sih öppis Bös a eim erzeigt het ? Ih hätt wäger nit ds Gwüsse, so lieb mr ds Meitschi ist, ih könnts nit vrantworte vor Gott u Mönsche, u dessetwege soll my Frau nit dest böser ha u nüt dest minger. U sinnet o dra, dass dr o King heit u nit wüsset, wies Ech gah cha un dr o froh sy chönntet, we dKing öppe guet gegen Ech wäre."
"Was frage ich deiner Mutter nach, die geht mich nichts an", sagte der Bauer, "und zu meinen Kindern will ich schon sehen, die werden öppe nicht viel anders machen, als ich will. Du hasts gehört, was gredt ist, ist gredt. Zähl du dein Geld, ich will dr heisse gschire", und ging.
Resli liefen, ihm unbewusst, Tränen die Backen ab; blass und lautlos, mit bebenden Lippen, stunde am Tische Anne Mareili. "ist es auch möglich", sagte Resli, "so habe ich doch noch niemand erfahren und nicht geglaubt, dass einer, der selbst Kinder hat, einem gegen die Eltern so etwas zumuten dürfte. So wollen wir treu aneinander halten, dann wird öppe kein Mensch viel zwängen." So sprach er und bot Anne Mareili die Hand. Aber lautlos stand dieses da, nur die Lippen bebten, und immer grösser starrten die dunkeln Augen. "Gib mir noch ein gutes Wort", bat Resli, "an dem will ich mich halten und auf Gott vertrauen, und wenn du mich nötig hast, so mach mir Bescheid, die Wirtin tut dir schon den Gefallen." Damit fasste er Anne Mareili in seinen Arm. Da flammte dessen Gesicht, hart stiess es ihn zurück: "Geh mir weg, rühre mich nicht an, jetz weiss ich, wie du mich liebst," zitterte es heraus. "Wie habe ich dich gebeten, und was hast du getan! Was habe ich dir versprochen, und wie hast du mir vertraut! Ja