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, in einem Staat zum Beispiel, oder bei einem Bataillon). Und Anne Mareili hatte der Sache Beifall gegeben und gesagt, es wäre ihm recht so, es hätte ihm Kummer genug gemacht, wenn es auf einmal alles übernehmen sollte, es hätte wohl gesehen, dass ein Hausbrauch nicht wie der andere sei.

Als der Bauer seine Frau hinausgemustert hatte, sagte er: "Aus der Sache gibt es nichts, ich will dir die Laden zahlen. Ich sehe schon, wie ihrs wollt: mys Meitschi für e Hung ha u Usrede uf alli Füli. Darum ist Abbreche am besten. Wie gesagt, wenn me Bratis schmöckt, su lauft me nit de Müse nah, ih will ga Geld reiche." "Aber Vater", sagte Anne Mareili, "dSach wär mr recht u lieber so, ih bi bas drby. Was soll ih ga bifehle, wo ih dSach nit chenne? Ih wett mih ihne emel avrtraue." "Das vrsteihst nit, u drum hest nüt dryz'rede", sagte der Alte. "Aber Vater", antwortete Anne Mareili, "ich muss doch dabei sein." "U müessist, su han ih z'bifehle. Was gredt ist, ist gredt", und somit ging er, Geld zu holen.

"Aber du mein Gott", sagte Resli, "was ist der Vater preussisch; ist es uns dann nicht erlaubt, bei dieser Sache unsere Meinung zu sagen, und Unbilligs wollen wir nichts. Aber so Hudel und schlecht Lüt sind wir doch nicht, dass wir uns alles müssen gefallen lassen und Gsetzi machen." "Er ist geng so", klagte Anne Mareili. "Er zwängt alles durch in der Gemeinde und meint, es solle daheim auch so gehen. Jetzt hat er die Sache mit dem Kellerjoggi wieder im Kopf, der alte Schelm hat ihn wieder andrehen können. Aber lass dich nach, ich halte dir dr Gottswille an. Am Vater bringe ich nichts ab, ich weiss es wohl; was er im Kopf hat, das ist darin, und lieb hat er mich nie gehabt. Du musst dich meiner annehmen, wenn du mich lieb hast, gib ihm nach; ich verspreche dir, ich will deinen Eltern ein Kind sein, habest du den Hof oder habest du ihn nicht. Wenn ich hier einmal entronnen bin, wenn wir einmal beisammen sind, so können wir es immer machen, wie wir wollen, dann hat uns niemand mehr etwas zu befehlen. Und was du willst, das tue ich, es soll dir versprochen sein." Er glaube es gerne, sagte Resli, er wüsste, dass es ihn lieb hätte, aber es sei immer wegen Leben und Sterben, und darin hätte der Vater recht, dass wie man es mache, man es hätte. Was an ihm sei, wolle er von Herzen tun, aber für die Andern könne er doch nicht versprechen, und billig sei es auch nicht, dass seinetwegen alle sich entgelten sollten und alle tun, als ob sie nichts wären; das dürfte er ihnen nicht zumuten.

"Aber hast du mich dann nicht lieb, und wenn du willst, so sagen die Andern alles nach, ich habe wohl gesehen, wie sie an dir hangen, und wenn du nicht dem Vater alles nachsagst, so bindet er auf und macht es mit Kellerjoggi richtig. denke an mich!" "Du bist mir lieb, lieber als ich mir selbst, aber wenn da Vater ein Wort hat, sollen wir nicht auch eins haben, und ist etwa das unsere das unbillige, soll ich Vater und Mutter auf die Seite stossen?" antwortete Resli. "glaube mir nur, ich will Kind an ihnen sein, mich unterziehen, ich bins ja gewohnt, aber mach, wies der Vater will, sonst heisst der dich gehen, und was er einmal gesagt, nimmt er nicht zurück", sprach dringlich das Mädchen, trat vor Resli, sah angstvoll und liebvoll ihm ins Auge.

Resli tat es im Herzen weh, er schlang den Arm um Anne Mareili, drückte es an sich. "Wie lieb du mir bist, weisst du nicht", sagte er, "und wenn ich sieben Leben hätte, ich gäbte sie dir alle, vo wege, die Lebe wäre myni. Ich weiss, du hieltest dein Wort und wärest wie recht. Aber die erste Woche könnte ich sterben, dann kämen Andere über dich und du wärest nicht mehr Meister." "Du stirbst aber nicht", sagte Anne Mareili, "du musst Gott vertrauen." "Ja", sagte Resli, "aber vor dem, wo man selber tut, muss man selber sein, da nützt ds Vertraue nüt. Das hat Gott einem selbst zugestellt, dass man luege, was man mache." "Los, los" , sagte Anne Mareili, "wie er Geld zählt, bald wird er fertig sein, o versprich mir, sag zu allem Ja und machs ab!" "Aber Meitschi", sagte Resli, "denke doch, wenn ich sterben musste und läge da und müsste denken, sobald ich begraben sei, müssten meine Leute ihre alte Heimat mit dem rücken ansehen, denke o, Meitschi, wie mir wäre, wie dir wäre und ob ich wohl beten könnte für meine arme Seele und hoffen dürfte auf ein seliges Sterben?"