1843_Gotthelf_137_131.txt

Mode, dass wenn die Könige sich grollen, es über der Völker Haare geht.

Es war gar nicht früh mehr, als man zum Essen kam, und da hatte es auffallend gedunkelt auf Anne Mareilis Gesicht. "Wir können dir nicht aufwarten, wie ihr uns aufgewartet habt", sagte es, "du musst vorlieb nehmen, es ist einmal sufer, das kann ich dir sagen." "Vexier nit", sagte er, "es wär mir leid, wenn ihr Umstände gemacht hättet. Es ist eigetlich uvrschant, dass ich schon wieder da bei euch zuechehokke, aber wils da ist, so will ich einmal nehmen in Gottes Namen." Aber den inneren Ärger Anne Mareilis, dass die Mutter es nicht hatte, um so recht aufzuwarten, auch kein schönes Geschirr, keine schönen Gläser, den merkte er nicht, wohl aber die Wolken auf dem Gesicht. "Was hats wohl aber wieder?" dachte er, "vorhin so zweg u jetzt so muggig, ist es de sövli lünig oder hats mit den Alten etwas gehabt?"

Was auf einem gesicht liegt, das sieht man leicht, aber was es daraufgestossen, das zu fassen ist schwer. Es ist mit den Wolken auf den Gesichtern fast wie mit den Wolken am Himmel. Manchmal sieht man sie wohl sichtbarlich aufsteigen aus einem vorliegenden Nebelloch, manchmal weiss man mit ziemlicher Gewissheit, dass es Bysenebel sind, Kinder des kühlen, sauern Windes; aber unzählige Male begreift man ihr Entstehen nicht, sie erscheinen und schwinden, man weiss weder woher noch wohin, und nur das weiss man, dass verflümeret gerne der heiterste Himmel in den schwärzesten umschlägt. Ein gelehrter Hansdampf hat mir einst das ganz gründlich erklärt, er hat mir gesagt, Wolken seien eigentlich verdichtete Dünste, entstünden also aus Dünsten. Ich konnte ihm nichts darwider haben, aber als ich ihn fragte, woher die Dünste entstünden, so sagte er, aus Feuchtigkeit, und als ich ihn fragte, woher die Feuchtigkeit und ob alle Dünste gleicher Beschaffenheit seien, so sagte er mir, ich solle selbst hingehen und sehen. Was hätte mir der erst geantwortet, wenn ich ihm meine Bedenken wegen den Wolken auf einem Mädchengesicht mitgeteilt? "Schlüf abe u lueg", würde er mir gesagt haben. Der Rat, wenn man ihn befolgen wollte, würde gewiss manchem Mädchen den Husten machen, und was hülfs, unten zu sein, wenn es stockfinster da unten wäre und man zufällig die rechte Laterne nicht bei sich hätte? Indessen, wenn man einmal den Hals runter wäre, so käme es sicher manchem Mädchen kommod und wohl, wenn man sehen täte, woher die Wolke käme und was sie für Dunst entielte, denn gar manche Wolke entsteht aus heissem Liebesgrunde, sieht aber akkurat aus wie eine aus giftigen Gründen. Ein gut Liebeswort würde sie zersetzen in ein freundlich Lächeln, eine zärtliche Träne, und hätte man von weitem meinen sollen, sie berge Donner und Blitz oder gar ein Erdbeben.

Und weil eben Resli den Grund nicht sah, woher die Wolke kam, so schien sie ihm verdächtig, und er hätte viel darum gegeben, sie wäre nicht gewesen; der Kaffee schien ihm bitter und der Eiertätsch, an welchem in der Tat der Mangel an Eiern mit Mehl ersetzt war, bodenbös. Und je weniger gut er Anne Mareili selbst dünkte und je weniger Resli davon ass, desto ärgerlicher ward Anne Mareili, ja recht hässig, und durfte es doch nicht mit Worten erzeigen. Das wusste es, dass Kinder mit nichts sich einen bösern Namen machen, als wenn sie Vater oder Mutter vor den Leuten widerreden oder gar sie vernütigen; das tat es nie, auch wenn es ihm das Herz fast versprengen wollte. Es retirierte sich dann in sein Stübchen, lag übers Bett und schnüpfte grusam, wobei ihm höchstens eine tür etwas härter als sonst aus der Hand entrinnen mochte. Diesmal konnte es nicht fortlaufen, es konnte nichts als der Katze einen Stupf geben; aber wenn ein Mädchenherz so recht schwer geworden ist, vermag es der blosse Stupf einer Katze zu entladen? Ich frage.

"Und jetz, was hast für Bricht?" fragte der Bauer, als die Weinflasche auf dem Tische stunde. "Es wär mir lieber, es wär nüt, aber weil doch einmal das Wort heraus ist, so will ich lose, ob es euch recht ist, wie ich gesagt habe. Aber wie gesagt, lieber wärs mr, es wär nichts, vo wege, wenn eine Katze Bratis schmöckt, so läuft sie den Mäusen nicht mehr nach." "Ja, aber schon manche Katze hätte verhungern müssen, wenn sie auf das Bratis hätte warten wollen, welches sie geschmöckt", antwortete Resli. "Sei es nun mit der Katze, wie es wolle", antwortete der Bauer, "so ist es wie gseit, we ds Wort nit wär, su gäbt mes nimme." "Und du", fragte Resli Anne Mareili, "bist du etwa auch reuig?" "Es ist mir geng wie geng", antwortete Anne Mareili. "He nu so dann", sagte Resli, "so hoffe ich, sei der sache nichts im Weg, myner Lüt sy guet gege mr gsi und haben in allen Pünkten ygwilliget. Der Hof soll mir verschrieben werden um vierzigtausend Pfund, und wenn ich sterben sollte ohne Kinder, so kann es die vierzigtausend Pfund nehmen