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von der Bühni herunter und sagte, die Andern seien eben mit der Mistbütti fort, sie werden wohl selbst abspannen können. Er war nicht halb so freundlich als das Weibervolk, kam langsam heran, ging erst um die Laden herum, ehe er zu Resli kam, und fragte dann, statt Gottwilche zu sagen: "Hest mr die, wo ich ausgelesen, oder öppe anger?" He, sagte Resli, er solle selber sehen, er werde sie wohl noch kennen, und seien es sie oder seien es sie nicht, so werde er öppe an diesen Laden wenig auszusetzen haben, öppe schöner würden kaum zu finden sein. Aber er soll ihm sagen, wo er hinfahren solle, die Laden müssten abgelegt sein, es wär ihm lieb, wenn die Rosse ab der Sonne kämen. Der Bauer zeigte ihm den Ort, Gräbel lag herum und eng war der Weg fürs grosse Fuder. "Zuechefahre wird sich kaum geben", sagte der Dorngrüter. "Mr wei luege", sagte Resli, hob die Geisel, und ohne Hustern und ohne Donnern liefen unter der Geisel und durch einige Worte geleitet die Rosse scharf und schnell, wohin sie sollten, und stunden alsbald aufs Wort. "Du bist schon mehr gefahren", konnte der Bauer sich nicht entalten zu sagen; vielleicht wäre es ihm anständig gewesen und es hätte ihn gelächert im Herzen, wenn Resli das ganze Fuder überleert hätte. "Lue", sagte die Mutter, "wie der fahre cha, ich glaube nicht, dass einer von unsern Buben es so könnte; aber geh und nimm Eier aus, es werden wohl sein. Ich habe nicht einmal mehr für einen Eiertätsch im Keller; we me ke Krüzer Geld het, aber e wüeste Hung zum Ma, u doch allbeeinist es wysses Brötli möchte oder e Wegge, was wett me dr Weggefrau anders as Eier?" "Muetter, ih weiss nit, wo sie sNest hei", antwortete Anne Mareili, schoss den Rossen nach und half sie abnehmen, trotz dem Mahnen, es solle es nur sein lassen. "Ja wolle weisst du dNester nicht", sagte die Mutter, "wo ist es Meitschi, das dHüehnernester nit weiss! Aber es hat den Narre gfresse a dem Kerli; wes ne nit überchäm, ih glaube, es hintersinnete sich. He nu, er gefiel mir auch un schynt nit son e Hündligürter und Batzeklemmer z'sy. Het er mr ächt aber öppis gchramet, es hätt ihms sauft ta, bsungerbar wenn ih myner Eier für ihn bruche muess."

Es beelendete Resli, als er seine Rosse in den dunkeln, engen Stall pressen und im Zweifel leben musste, ob er je wieder eins lebendig aus der Presse kriege und wie seine Rosse sich mit den andern Rossen vertragen wurden, die scheu und wild an die Krippe heraufschossen, sobald jemand in den Stall kam, wie verwilderte Kinder ums Haus schiessen, wenn ein Fremder gegen das Haus kommt. Und wie diese sich nicht mehr zeigen, als allfällig um gegen den Fremden den Hund zu hetzen oder Steine zu werfen oder ihm wüst zu sagen, so konnte sich auch seines Lebens wahren, wer hinter diesen Rossen durchgehen wollte. Das Beste war, sie erst tüchtig abzuschlagen und dann den gang zu wagen. Wie Kinder tun, wenn man gegen ein Haus kommt, und Rosse oder auch Kühe, wenn man in den Stall kommt, daran kann man viel erraten von dem, was inwendig im haus ist, ja selbst der Hund, der auf der Bsetzi liegt, verrät schon viel.

Nun musste Resli mit dem Alten abladen oder wenigstens es anfangen, und Peinlicheres gibt es wohl nichts für einen jungen raschen Kerli, der alle Handgriffe los hat und gerne rasch zu Ende wäre, als mit jemand, von welchem man nicht weiss, macht er es express unbeholfen oder ist er es von natur, ein Werk gemeinsam verrichten zu müssen. Und wenn der rasche Kerli noch dazu eine wichtige Ausmacheten vorstehend hat, wenn es sich entscheiden soll, ob er sein Lieb kriege oder nicht, so wird eine solche Arbeit doppelt peinlich. Zudem wollte der Alte die Laden, um spätere Arbeit zu ersparen, gleich aufgeknebelt, es fehlten aber die Knebel dazu; die Scheiter waren auf alte Mode, noch vier Schuh lang, sie mussten also abeinander gemacht werden, und dazu waren sie noch so ungleich dick, so krumm und holpericht, dass man sie ärger auslesen musste als heutzutage die junge Mannschaft. So wusste der Bauer den armen Resli gut Dings zu versäumen, zudem musste er noch alle Augen, blikke von der Arbeit in den Stall, weil dort die Rosse rumorten und zusammenschlugen, dass man meinte, sie wären daran, den Stall auseinanderzuschlagen. Endlich band er sein Sattelross zuvorderst gegen die andern Rosse zu, das konnte er getrost machen lassen, das wusste sich Platz zu machen wie eine hässige Frau an einer Feuerplatte. Wenn sie die Rosse nur weissen hörten und der Bauer sagte: "Los, was geht aber, mi muess denke ga luege", so antwortete Resli: "Ih hulf se la mache, si werde enangere nit fresse." wenn es aber zum zweitenmal wiederkam, so lief doch dann der Bauer, fürchtend, sein Nebenross zöge den Kürzern, und hieb mit der Geisel ein, wohlweislich aber zumeist auf Reslis Rosse. Das war so ein Vorpostengefecht, aber ganz auf die alte