fragte: "Du hast doch nichts vergessen, hest e Lumpe, u Zwick, u dSackuhr?" "Ja, Mutter", sagte Resli, "ich glaube, alles." "He nu so de", sagte sie, "su schaff de wohl, mach ume hübschli u chumm nit z'spät hei, bhüet dih dr lieb Gott!"
"Hü, i Gottsname", sagte Resli und hob die Geisel; satt zogen die Rosse an, und vorsichtig zündete Christeli, bis sie aus dem hof draussen im Wege waren. Es ging immer etwas eng zwischen den Türlistöcken durch, aber das war eben die Kunst, darum wurde das Türli nicht grösser gemacht, sondern die neuen Stöcke immer in die alten Löcher gepflanzt. Der junge Geiselherr hätte es für eine Schande gehalten, wenn er nicht zu einem ebenso engen Türli hätte einfahren können als der alte, und allerdings, im ganzen Dörfchen hätte es geheissen: "E Fuehrme git ds Bure Resli syr Lebtig nit, denkit ume o, si hei ihm ds Türli müesse wytere, wo me scho hundert Jahr us- u ygfahre ist, u ist alle wyt gnue gsi, u mi het öppe nie ghört, dass neuer agfahre syg."
Glücklich, wie üblich, kam Resli durch und fuhr trotz der schweren Last rasch seinem Ziele zu. Die Geisel in der Hand, vier rasche Rosse unter seinem Wink, steigerte in Resli das Selbstgefühl sich immer mehr, und immer mehr fand er sich in seinem Recht, wenn er sich nicht ganz unternliesse als einer, der mit Geld es zwängen müsse, wenn er eine Frau wolle.
Die Liebe ist wunderlich, ist stolz und demütig, sie duldet alles und ist wie ein Pulverfass, das aufsprüht, man weiss nicht wie; sie ist süss wie die gute Sommermilch und wird sauer, wie sich der Wind dreht; sie setzt das Leben ein und weigert Kleinigkeiten; sie bietet ungeheissen Hab und Gut, schlägt Kreuzer ab, wenn sie gefordert werden, hält die schwersten Proben aus und verschmäht am Ende den Lohn um dessentwillen sie die Proben bestanden.
Als fräulein Kunigunde den Ritter Delorges ihrem Händsche nachsandte, da ging Ritter Delorges und holte ihn. Aber es wuchs ihm, das Schwert an der Seite und des Mutes Brand in der Brust, der Kamm, als er aus der Ungeheuer Mitte zurückkehrte. Er fühlte, sein Leben sei mehr wert als an eine flüchtige Laune gesetzt zu werden, dass wer mit einem Leben spielen könne, von sittlichem Ernste nichts wisse (wohlverstanden: er fühlte es, aber was sittlicher Ernst sei, hat Ritter Delorges kaum gewusst), und als er wieder vor das fräulein trat, schmiss er ihr den Handschuh ins Gesicht und sprach: "Den Dank, Dame, begehr ich nicht." Dieses Selbstgefühl muss die rechte Liebe zu einem Menschen in sich tragen (die Liebe zu Gott ist eine andere, sintemalen Gott einem nichts Niederträchtiges zumutet), sonst ist sie eine hündische, das heisst sie ist nichts als eine Begierde, welche um jeden Preis befriedigt sein will, sei es nun eine Begierde nach purem Fleisch oder eine Begierde nach einem vollen Mushafen, worin vielleicht noch Würste sind, oder nach einem schönen Hundshalsband, wo auf blankem Messing ein glitzernd Wappen steht. Die heraldische Begierde möchte dato, wenn das Halsband nicht aus einem Mushafen hervorguckt oder um einen Hals von schönem Fleisch gelegt ist, rar geworden sein. Aber es ist auch der beste Mensch dem Fleische untertänig und hängt mehr oder weniger von äussern Zuständen und Einwirkungen ab. Den hielte ich mit Feuer und Geist getauft, der der Gleiche wäre mit Hudeln an den Beinen oder mit einer Krone auf dem kopf, an der Spitze von hunderttausend Mann oder zwanzig Dutzend Besen ziehend, hungrig und durstig, ohne Schuh in Kot oder Schnee, oder sich erhebend von einer englischen Lordstafel in bequemem Wichs, oder voll Läuse und voll Schulden, einem guten Schick nachgehend, oder Gold im Sack und Muggen im Kopf, auf stolzem Engländer der Liebe nachreitend (Apropos, es wird Mode, dass wer heiraten möchte und nur Körbe gekriegt, sich ein Pferd anschafft. Ein schlechtes Kompliment für den Menschen, der zweibeinig die Liebe nicht erreicht und vierbeinig glaubt versuchen zu müssen; es ist aber auch ein schlechtes Kompliment für unsere Zeit, es wird wahrscheinlich im Zeitgeist sein; es ist aber das allerschlechteste Kompliment für die Damen, erstlich, weil es den Anschein hat, dass man mit vier Beinen ihnen näher komme als mit zweien, und zweitens, weil man gegen einen grollenden Unterleib und gegen spröde Damen das gleiche Mittel versucht). Wer in allen genannten Lagen der Gleiche bleibt, die gleiche Ruhe, das gleiche Selbstbewusstsein bewahrt, das Herz am gleichen Flecke behält, den Kopf auf gleiche Weise, gleich hoch und doch gleich einfach trägt, den hielte ich für den besten Mann. Der wäre wohl zu gross für des bayrischen Königs Walhalla; der gute König wüsste nicht, in was für einen Sprachknäuel er ihn einwickeln, auf was für einen unghürigen Satz er ihn abstellen sollte. Wer aber, der kein Düpfi ist, kein Bayer, keine Regierungsmajestät, hat nicht schon erfahren, wie man in verschiedenen Um- und Zuständen bei der grössten Ehrlichkeit doch ein ganz Anderer ist, anders vor einem Gläschen als nach demselben, anders hinter einem Schulteiss als vor demselben, anders vor den Wahlen als nach denselben, anders, wenn man