das vorbeiging und sah, wie oft er jeden Schweif ins Kübli tauchte und ihn dann ausstrich, meinte, es wäre schade, dass er nicht eine Kammerjungfer gegeben, es gäbte gewiss manche vor, nehme Frau, sie wäre froh über so eine. "Ich denke", antwortete Christeli, "o mängs Buremeitli hätt mih nötig, es soll dere gä, wo me ringer e Stall misteti, als so eins süfereti." "Oh, stich ume, du breichst mih doch nit, un mit em Süfere weiss ich nicht, wer fleissiger ist, öppe es jungs Meitschi oder son e alte Vetter, wo zletzt z'fule wird, es Jahrs zweumal es angers Hemmli azlegge." Da stäubte Christeli einen nassen Rossschweif aus, und Annelisi schrie mörderlich auf: "Nu du, du Uflat! Herr Jemer, wie gsehn ih us, o myn Gott, mys Mänteli, u han ihs erst hüt früsch agleit!"
Am Nachmittag putzte Christeli das Geschirr, hohe das schönste aus dem Spycher, und spiegelblank musste ihm das Messing werden. Er machte sie in der Küche fast ds Guggers, wollte immer etwas, bald einen leinenen Lumpen, bald einen wollenen, bald wollte er Essig, bald wollte er Öl. Christeli wollte zeigen, wer man sei und dass man zu Liebiwyl noch einen Rosszug vermöge. Christeli hatte es wie alle alten Vettern, diese sind mehr den Katzen ähnlich als den Hunden; ein Hund nämlich hängt mehr an der person, eine Katze mehr am Ort. Nun, die bessern Katzen lieben auch Menschen, laufen der Bäurin nach bis in den Kabisplätz und der Tochter bis in des Weges nächste Krümme; dann kehren sie aber um, wenn es weiter geht, und machen, dass sie heimkommen. So haben es alte Vettern auch. Sie lieben wohl Personen, besonders die, welche ihnen das Kännli auf den Ofen stellen oder dänne decken, wenn sie im Holz sind; sie lieben auch irgend ein Kind, solange es ihnen nachläuft und bei ihnen gerne schlafen will. Aber von allem, was weiter geht, dem haus den rücken kehrt, wenden sie sich ab, denn so wie ihnen im haus am wöhlsten ist, sorgen sie auch fürs Haus, und so wie es in ihrer Familie am besten ging, sorgen sie für ihre Erhaltung, balgen wohl über deren gegenwärtige Glieder, aber auf die Jungen bauen sie ihre Hoffnung, dass sie die Vergangenheit herstellen, und suchen für die Mittel dazu zu sorgen. Darum sorgte Christeli so sorgsam für schönen Aufzug; man sollte von dem Zug und von dem Hof, zu dem er gehörte, noch lange reden da unten, wo kein rechtes Haus sei.
Die vornehme Welt hält viel auf einer schönen Equipage. Zwei Pferde dran sind schon was, für vier aber muss man ein Graf sein. Bei einem rechten Bauer gräfelts, der hält wenigstens vier Pferde, zwei tüchtige Stuten hinten, zwei lüftige junge Mönche vornen. Ehrenfest ziehen die einen daher, tänzelnd die andern, aber wenn Not an Mann kommt, der Wagen an den Berg, dann vereinen sie treu ihre Kraft und liegen ins Geschirr, jedes so stark es mag. Es ist eine Freude, so mit vier tüchtigen Rossen zu fahren in Wald und Feld, Fuhrmann und Pferde aneinander gewöhnt, dass die letzteren dem Erstern ohne Worte unter der Geisel laufen, wie und wohin er will. Darum ist die Geisel auch eine Art von Szepter, sie fuhren zu können ein Ehrenpunkt. Man liest von jungen, vornehmen Engländern, wie sie die Kutscher machen, sich hoch meinen, wenn sie vier Pferde vom Bocke führen können; man liest von Parisern, welche gerne engeländerlen, dass sie es auch versuchen; die alle machen es eigentlich nur unsern Bauernsöhnen nach. Es bildet ein eigentlich Ereignis, wenn ein Vater seinem Sohn die Geisel gibt, er erhebt ihn damit zu seinem Mitregenten und Stellvertreter. Die Geisel ist gleichsam ein Marschall- oder Feldherrnstab, welchen der König seinem besten und treusten Soldaten gibt. Aber ebenso ist es ein Ereignis, wenn ein Vater seinem Sohne die Geisel wieder nimmt. "denke o, er het ihm dGeisle gno!" heissts. Ärgeres droht ein Vater seinem Sohne nicht leicht als: "Ich nehme dir die Geisel!" Das geht gleich vor dem Enterben her, und wenn man einen General wieder zum Gemeinen macht, es kann ihm nicht ärger als einem Sohne sein, der vom Pfluge weg wieder unter die gemeinen Hacker auf den Acker muss. Und diese Strafe wird nicht bloss verhängt oder gedroht, wenn einer schlecht fährt, den Wagen in den Kot, die Pferde zutod, sondern auch wenn der Sohn zu einem Mädchen geht, welches dem Vater nicht anständig ist, oder in ein Wirtshaus, welches dem Vater verhasst oder verdächtig ist, und wegen andern wichtigen Vergehen mehr.
Resli hatte die Geisel, Christeli hatte sie nie begehrt, dessenungeachtet wandte er alle Sorgfalt an den Zug und labete sich an dem Gedanken, wie die Leute luegen, wie sie fragen werden, wem der Zug sei, wenn sie die vier stolzen Braunen mit dem schönen Geschirr und dem mächtigen Ladenfuder durchs Land laufen sehen, als wäre die Last federleicht. Als sie das Fuder luden, sparte er die gewaltigen Ketten nicht zum Binden, und als Resli bemerkte, es manglen sich nicht so viele, die Wege seien gut und öppe schlagen werde es nicht fast, so meinte Christen