1843_Gotthelf_137_123.txt

Mutter ungfragt, was nicht recht ist, wer weiss, wie sie es aufnimmt und ob sie nicht meint, die Mutter wolle sie kujonieren und es gehe sie nichts mehr an. Und muss ich es ihr sagen: Die Mutter hat es so gemacht, so sind wir es gewohnt, frag doch die Mutter, wer weiss, wie sie das dünkt, ob sie nicht im Herzen denkt, sie könne nichts recht machen, ob sie nicht schalus wird und meint, ich habe die Mutter lieber als sie, und dann sich und Andern das Leben schwer macht mit Plären und Dublen oder sonst Wüsttun. Und wenn wir nichts sagten, es verdrückten, so wären wir auch nicht wohl dabei, und Zufriedenheit wär keine."

"Oh, so wird sie doch nicht sein, du wirst doch wohl wissen, an wen du so gesetzt hast", sagte der Vater. "Vater, was weiss ich", sagte Resli, "die Mutter kenne ich und ihr darf ich vertrauen, sie wird mir öppe es Fraueli nit plage. Aber wie ein Meitschi ausfällt, kann man nicht wissen, und wie es in ihm aussieht, nicht sehen. Es hat einmal einer gemeint, es komme schon viel darauf an, ob sie am Hochzeittag die Sonne anscheine oder es regne; regne es, so hätte man manchmal ds Schinders Not mit ihrem Gesicht die ganze Ehe durch. Es kann etwas so in ein Herz hineinkommen, gäb wie wenig, und es ist ganz angers und vrpfuscht für geng." "He ja", sagte Änneli, "haben wir das nicht selbst erfahren und nicht etwa jung, sondern wir alte Stöcke."

"Darum möchte ich lieber ds Gwüssere spiele; man kann sich an einen Hausbrauch gewöhnen, wenn man Kind im Haus ist, man weiss nicht wie, hingegen wenn man einmal regieren soll, lässt man sich nicht mehr gerne brichten, sondern macht, wie es sich einem schickt", sagte Resli. "Und dMuetter ist witzig gnueg, wenn ds Meitschi öppis Chumligs weiss, wo kurzer oder besser geiht, ihm sy sache auch gelten zu lassen und einzuführen; dMuetter ist nicht von denen eine, wo meine, dKunst bstand darin, alles, was man nicht selber macht, zu vernütigen; my Muetter weiss wohl, dass dKunst die ist, aus allem immer das Beste zu nehmen und alles am besten suchen z'mache. Darum meine ich, solle meine Frau bei ihr in die Lehre gehen, und darum übernehme ich den Hof nicht." "Um öppis hest recht", sagte der Vater, "aber wenn du so damit kommst, so machst du sie bös und sie stange dr zruck. Sag du das Ding so, dass wenn ich dir die Sache verkaufe und dir Nutzen und Schaden gleich angeht, so wirst du mir also vierzigtausend Pfund schuldig; die muss ich vertellen, du aber den Hof nicht min, der, so gibt es doppelte Telle, und das sei mir zwider; säg, das wär nur son e Gspass von dreissig bis vierzig Kronen, das begreift der Dorngrütbauer allweg." "Nein, Vater", sagte Resli, "das sage ich nicht so, verzeiht, Vater, man kann sich doch auch z'fast unterzieh. Sie konnten zuletzt meinen, wie dumm oder wie schlecht wir wären, dass wir uns alles gefallen liessen, und das konnte dem Meitschi doch endlich auch in Kopf kommen, dass es meinte, wie viel mehr es sei als wir, und das tät wäger nit gut. Das möchte ich nicht erleiden, und wenn ihr scholl nicht viel sagen würdet, so gings euch doch hinein." "An dem", sagte die Mutter, "wollte ich doch nicht hangen, wenn es sonst ginge ohne das; denke, das ist ume e Meinige und vielleicht noch e lätzi, und so bloss ere Meinige twege vonenandere z'la, wär doch e strengi sache."

"Mutter", sagte Resli, "es chunt nie gut, wo eins alleine sich unterzieh soll und sich nicht eins dem Andern unterzieht. Nun haben wir uns unterzogen auf eine Weise, wie sie mir grusam zwider ist; es müssen ja alle darunter leiden, und in der Hauptsache tut man, was sie wollen, und lässt sich in unsern Sachen befehle, wo man ihnen doch nichts sagt, was man von ihnen haben möchte und wie sie es mit dem land halten sollen. Was ich jetzt will, ist eine Nebensache, wo nur das Meitschi angeht, wo dem Vater hell gleich sein kann. Het mih ds Meitschi lieb, so tuet es mr dr Gfalle, hets doch deretwegen nüt dest meh, nüt dest minger, u wotts mr Gfalle nit tue, he nu, so erfahre ich noch zu rechter Zeit, was ich z'erwarte hätt, denn was es Meitschi eim nit tuet, das tuet eim de e Frau auch nicht, u das tuet si nit."

"Du bist lätz dra", sagte Änneli, "wäger. Wenn ich zurückdenke, wo ich Christen genommen habe, und es vergleiche mit jetzt, so ist das ganz anders. Selbist, und er ist mr doch recht lieb gewesen, habe ich immer Kummer gehabt, ich gebe ihm zu viel nach, ich verderbe ihn, und wenn er etwas von mir gewollt hat, so habe ich lang studiert,