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deine Geschwister nichts dagegen haben, so wollte ich das annehmen. Wenn dein Meitschi öppe es Herz het, wies z'hoffe ist, so sinnet es ne ihr Lebtag dra." "Es ist gut", sagte Resli, "es ist wäger besser, als es sich hier gezeigt hat. Ich habe mich salbst nicht darauf verstehen können, aber sagen muss es mir noch, was es gehabt hat."

"So wär man ja richtig", sagte Christen, "ohne Streit und ohne Zank, wie es öppe nicht an manchem Orte so gegangen wäre; das freut mich, und blybit so, es wird euch noch wohl kommen im Leben, und man kann einander gar oft zGutem sein, wenn man ein Herz zu einander hat und sich kann verstehen. Sinnet daran, Kinder."

"Ja nein", sagte Resli, "es ist noch eins, aber us selbem gibt es nichts, und da es wegem Geld nicht darauf ankömmt, so denke ich, werden sie nicht ds Wüstest alles machen, um es durez'zwänge, und wette si, su tät ihs nit. Ich will doch de nadisch auch wissen, ob ich dem Meitschi lieb bin oder nicht und ob es meinetwegen auch nachgeben und sich etwas gefallen lassen kann." "Was wär denn das?" fragte Annelisi, "habe ich ihm etwa nicht gefallen und soll ich aus dem haus? wenn es das ist, ume zuegfahre, mit dreissigtausend Pfund will ich schon nächsten Sonntag verkünden lassen, mit Zweien statt mit einem, oder ih gange is Weltschlang ga lere bradle u Kürbsbrei esse; es heisst, für füfzg Dublone es Jahrs überchömm me ebe halb gnue dere im Weltschlang." "Schweig doch mit deinen Flausen", sagte Änneli, "es wird öppe von dir nicht fast die Rede gewesen sein, dulden wird man dich wohl müssen, solange wir auch da sind."

"Ja, Mutter, das meine ich auch", sagte Resli, "aber habt Ihr nicht gehört, dass dr Alt von Abtreten geredet hat, er meint, Ihr sollet abgeben, ich solle den Hof gleich übernehmen, Nutzen und Schaden mir gleich angehen, und dann wär Anne Mareili Meisterfrau." "He nun so dann", sagte Änneli, "geschehe nichts Böseres, die Ruhe ist mir auch zu gönnen, daran einmal stosse dich nicht." "Wohl, Mutter", sagte Resli, "das ist es eben, woran ich mich stosse und was ich durchaus nicht tue. Solange Ihr lebt, sollt Ihr da zu befehlen, zu schalten und zu walten haben, wie Ihr es von je im Brauch gehabt habt; anders tue ich es nicht, es freute mich nicht mehr, hier zu sein." "Du bist doch e Göhl!" sagte Änneli, "warum doch nicht; eine junge Frau mag der Sache besser nach als eine alte, sie kann gleich anfangen, wie sie es gerne hat. Es drückt junge Weiber oft gar sehr, wenn sie sich in einem andern haus neu gewöhnen sollen." "Drück es sie nun oder drück es sie nicht, so will ich, Mutter, ich mag nun die oder eine andere Frau bringen, dass Ihr, solange Ihr mögt, die Meisterschaft im Hauswesen behaltet. Mit dem Ätti und mir wirds öppe, so Gott will, im Alte blybe, solang mr lebe, und wie Ihr es mit Annelisi habt, so sollt Ihr es mit meiner Frau haben; das will ich, und mengere twege." "Mach dich deretwege nit köpfig", sagte Änneli, "ich wüsste nicht, warum du gerade das erzwangen wolltest, der Eigensinn trägt nichts ab."

"Mutter, es ist nicht Eigensinn, aber ich habe die Sache wohl überlegt. Wir haben öppe ein Hauswesen, wie wir uns dessen nicht zu schämen brauchen; wir haben genug, und für andere Leute ist auch etwas da, so ist es bei Mannsdenken gewesen und soll so bleiben, solang wir hier sind. Es würde öppe am enen iedere von uns wehe tun, wenn es ändern sollte. Dort unten haben sie ganz andere Bräuche, und die begehre ich nicht hierherauf, sie wären mir und euch nicht anständig. Und dann würde es auch viel Lachens geben deretwegen; die Leute würden öppe z'reden haben, und selb begehre ich auch nicht. Meine Frau kommt in mein Haus, und da soll sie öppe fortfahren, wie ich mich gewohnt bin, wie es mir anständig ist; das, mein ich, sei nicht über Ort. Das muss sie aber alles lernen, sie weiss von unsern Bräuchen nichts, sie muss sich selbst zuerst daran gewöhnen. Und unsere Mutter ist öppe eini, wo ein Söhniswyb öppe mit der Liebi nachziehn wird, wie öppe nit en iederi. Sie wird nicht alles an einem Tage wollen, sie wird Geduld haben, sie hat ja von je mit uns allen Geduld gehabt, wir haben sie öppe erfahren, seitdem wir leben; auch ein Söhniswyb wird nicht bös sache bei ihr haben und im Trab sein, ehe es daran denkt, wes e kly Vrstand het und dr Friede bigehrt. Soll aber meine Frau gleich das Heft in die Hand nehmen, so nimmt sie es, wie es daheim üblich war, frägt vielleicht die Mutter einige Male, und andere Male vergisst sie es. Sagt ihr die