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machen ist. Der infam Hund weiss wohl, was er macht, er will nichts von der sache und will damit nur einen Andern in das Garn jagen. Ich merke ihn wohl, aber dem sage ich noch was, ehe wir auseinander kommen; der graue Schelm muss wissen, dass wir auch an einem Ort daheim sind und nit Hunde sind. Belle cheu si de nadisch da nide besser als wir hier oben." "Nit", sagte Änneli, "so musst du nicht tun; wenn man ein Meitschi lieb hat, so muss man dessen Vater nicht schelten, ästimiere sött me ne, syg er de wie nr well. Aber von der sache muss man reden stückswys u se nit so arfelswys desusschiesse. Was meinst, was geht nicht, was ist nit z'gattige?"

"He, da will er vor allem aus, dass mir der Hof nicht höher angeschlagen werde als vierzigtausend Pfund, und sövli Kronen ist er wert, wenn alles aufs Höchste getrieben würde. Ich will nicht sagen, dass er mir so teuer gegeben werden solle, weniger wär billig; aber wenn ich ihn um vierzigtausend Pfund begehrte, so wäre ich ein Schelm an diesne, und eins von ihnen bekäme nicht mehr als dreissigtausend Pfund und ich fast so viel als Beide." "Was, dreissigtausend Pfund", rief Annelisi, "so viel bekäm ich! Da nimm du nur den Hof für vierzigtausend Pfund; wenn ich dreissigtausend Pfund bekomme, so will ich auslesen ds Land auf, ds Land ab und erst jetzt mih recht ufla u bäumele wie sWetter, potz Hegel!" "Nit, nit", sagte Christen, "es gspasset sich da nicht." "He, Ätteli, es ist mir ernst", sagte Annelisi, "da spasse ich nicht." "So macht sich das, Bruder", sagte Christeli; "wenn Annelisi so denkt, so will ich ihm auch daran denken, und wenn einmal sein Mann muggeln sollte, so hab ichs in der Hand, ihn z'gschweige, wele Weg er will. Das soll also nichts heissen, wenn es nur das ist, so ist dSach e gmachti." "Das ist ume gchäret", sagte Resli, "du weisst ja wohl, dass da noch anderes ist, was nit guet ist u wo nit geiht." "He, man muss doch darüber reden, es wird sein wegem Verschreiben." "Ist das nicht ein Unsinn! Wenn mir der Hof abgetreten würde und es könnte ihn erben, wenn ich stürbe, so wärs ja möglich, dass ihr ihn alle mit dem rücken ansehen und so ne Ärgäuerkafli darauf müsstet gnürzen und hustern sehen. Das möchte ich euch doch um keinen Preis von der Welt zleid tun."

"Ich will mich in dieses eigentlich nicht mischen", antwortete der Vater, "aber wie wärs, wenn man machen würde, dass Christeli in diesem Fall das Recht hätte, ihn um den Preis, wo er dir angeschlagen ist, an die Hand zu ziehen, Das wäre nicht unbillig, vierzigtausend Pfund trüge sie allweg hinweg, und sagen muss ich, weh täts mir, wenn der Hof so ungsinnet aus der Familie kommen sollte, und ich weiss es, es täte allen Leuten weit umher ungwohnt. Nit, ich will nicht hoffen, dass du sterbest, aber man weiss ja nie, was es gibt." Er hätte es auch gedacht, sagte Christeli, es täte ihm bsunderbar weh, da fort zu müssen; aber sagen habe er es nicht wollen, er möchte doch nicht, dass man sich an dem alleine stosse. Wenn es so zu machen wäre, so sei es ihm recht, ja wenn es öppe dem Wald nicht zu wüst gegangen in der Zeit, so nähmte er ihn zurück um fünfzigtausend Pfund. So düech es ihn, das Meitschi sollte es wohl wagen dürfen, zu ihnen hinauf zu kommen; gehe es wie es wolle, so gehe es ihm nicht bös, und öppe besser werds es niene mache. "Aber recht ist es auch nicht", sagte Resli, "dass alles auf eine Seite kommt und dass ds Hürate ist wie Chrüz und Bär, wo man macht, welches dem Andern das Seine abgewinne; da muss ich sagen, das drückt mich, dass ich alles verwyben und vielleicht nichts erwyben soll. Es ist grad so, als wenn öppis an mir z'schüche wär, das ich mit Geld sollte gut machen. Und doch wüsst ich nicht was, und wenn man gegen einander rechnen wollte, so wüsste ich nicht, wer dem Andern heraus schuldig wär. Das ist ein Hochmut und e Uvrschantigkeit, dass es mr i alli Glieder schiesst."

"He", sagte Änneli, "wenn dir das Meitschi recht lieb ist, so sieh das nicht an, in den Ehetag wird der liebe Gott wohl ein Loch machen, ehe es lang geht. Wegen etwas, wo zwanzig gegen eins zu wetten ist, dass es nichts abträgt, sollen Zwei nicht von einander lassen, welche sich lieb gewonnen so recht. Das ist gar eine seltene Sache, rechte Liebe, und so wege Bagatellsache muss man sie nicht zerstören; man muss nie vergessen, dass einer glücklich ist, wenn er einmal in seinem Leben zu solcher Liebe kommt, zum zweiten Male gibt es sich ihm kaum. So, wenn