wir jetzt sind, und doch hat er uns nicht verlassen, sondern geführt bis hieher, dass wir gottlob noch so recht aufrichtig zu ihm beten dürfen, und mein Trost ist, dass es heisst, frommer Eltern Segen baue den Kindern Häuser. Öppe die Besten sind wir nicht, aber das weiss ich und fühl ich, üse Herrgott hat uns doch für die Seinen, am Segen sölls nit fehle, und üse Herrgott wird ihm scho Kraft geben. Wotsch du oder soll ich?" "Bet ume", sagte Christe.
"Vater im Himmel", betete Änneli, "vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldnern, rechne sie üse Kinge nit a. We mr öppis Guets ta hei uf dr Welt, das rechne de Kinge a u hilf ne dessetwege. Aber nit, dass de se rych machist u vornehm, aber bhalt se uf dyne Wege, bhalt ne dr Friede im herz u dr Friede im Hus u dFreud für e Himmel. Bhalt se als Gschwisterti unter enandere, dass eis em andere sy Trost ist, sys Hauptküssi, we sHerz schwer ist u dr Kummer zvorderist. La nüt zwüsche yche cho, nit dr Tüfel, nit e Mönsch, und was i sHus chunt, o Vater, das segne auch, nimms uf i Bund, durchfürs mit dym Geist, la is es zum Engel werde, der is dr Himmel no besser zeigt. Gern wei mr ihm nahgah, mir bigehre nit voruszgah. Gib am Resli e rechti Frau mit dm rechte Geist, der nahm Friede trachtet u nah dem, was not tuet fürs ewig Lebe. Gib Beide Sanftmuet und Geduld, dass sie dr Glaube u dr Muet anenandere nie vrliere, dass dSunne nie untergeiht vor ihrem Zorn, dass sie nie schlafe, oder sie heige vor dir enandere dHänd gä u guet Nacht gseit u du heigist se gsegnet. O Vater, viel hei mr dih betet, aber wos us rechtem herz chunt, wirds dr nie zviel sy, u wer weiss, wie lang mr no Zyt hei z'bete. Machs wied witt deretwege, aber üsi King vrgiss nit u üse Seele erbarm dih!" "Amen", sagte Christen.
Es war an den beiden folgenden Tagen fast, als ob eine Leiche im haus wäre, ein Gegenstand stiller Trauer, über den zu reden jedermann sich scheute; in stillem Wesen verrichtete man seine Arbeit, aber jedermann schien gerne allein zu sein, als ob er noch mehr innerlich als äusserlich zu verwerchen hätte. Dieses innerliche Verwerchen ist eine altadeliche Tugend, oft stillen Leuten angeboren, es ist eine reiche Werkstätte: in derselben werden die Grundsätze geschmiedet, auf welche Menschen absetzen, um ihre Namen im Himmel anzuschreiben, da werden die Seelen geläutert zu reinen Spiegeln, in welchen Gott zu schauen ist, da werden die Leben geweiht zu heiligen Opfern, welche ewig und in alle Ewigkeit gelten. Knechte und Mägde merkten wohl, dass etwas obhanden war, und aus einem natürlichen Instinkte verschwanden sie, so viel sie konnten, gaben Raum zu einem vertrauten Wort. Dennoch gab es sich nicht bis am Mittwoch abends, als eben auch Knechte und Mägde abseits waren. Der Vater, der auf dem Bänkchen sein Pfeifchen rauchte sagte, er hülfe hineingehen, der Wind sei sauer und neuis sollten sie doch abreden.
Drinnen fragte der Vater: "Wer fahrt?" "Ich, denke", sagte Resli. "Was wotsch für e Wage näh?" "denke dr breitschienig", antwortete derselbe. "Ist der nicht z'schwere?" "sechs Bäum soll ich doch lade, u da muess es e guete Wage sy." "ist es nit zviel?" fragte der Vater. "Es macht sich, der Weg ist gut, dLade sy tür, un es geiht alles nidsig, u was me ungereinist füehrt, dara brucht me nit zwure z'mache", antwortete Resli. "Wennd gfahre magst, mir ist es recht", sagte der Vater. "Aber was willst du für Bescheid geben, darüber muss man doch auch reden", sagte Christeli. "He, ich habe gedacht, kurzen", antwortete Resli und stützte den Kopf in die hohle Hand, als ob ihm das Licht weh täte in den Augen. "Man kann kurzen geben und doch mancher Gattig", antwortete der Vater. "Da ist nur ein Bescheid möglich", sagte Resli, "auf die Geding hin gibt es nichts aus der Sache, ich will nicht, dass alle ihr Gluck einschiessen müssen für mich, und für was am ende? Für öppis, wo no ke Mönsch weiss, was daraus wird. Zuerst ist es mr gsi, dr Knecht chönn fahre, aber du han ih denkt: aständig sygs, was ih agfange heig, das mach ich selber us. U de ist mr ds Meitschi zSinn cho, das duret mih; so ist es nit, wies dr Schyn het, es het mih düecht, emel einist möchte ihs no gseh. Gangs de nache wies well."
"Was meinst du, das nicht gehe?" fragte Christeli, "man muss doch zuerst über eine Sache reden, ehe man den Mut verliert und den Stecken wirft." "Das ist doch öppe nicht nötig zu sagen", antwortete Resli. "Der Alt hat dSach so gestellt, dass gar nichts daran zu