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sie. Zu dem kam noch das, dass Kellerjoggi sich wieder zeigte, und dringlicher und nachgiebiger als nie. Wahrscheinlich hatte er Wind von dem, was unterhänds war, möglich auch noch andere Gründe zur Ehe, kurz eines Abends kam er dahergetrappet. Er tat, als ob nichts vorgefallen wäre, setzte sich aufs Bänklein vor der Küche, fragte nach dem Ätti und brichtete unterdessen der Mutter von seinem Reichtum und seinen Vorhaben. Und als der Vater endlich kam, lauernd und es dick tragend hinter den Ohren, sagte Kellerjoggi unbefangen: Es hätte da neuis , aber jetzt syg er drübercho und heig gseh, wies syg, und darum komme er wieder und wolle sehen, wie es stehe zwischen ihnen. Man habe so allerlei brichtet übers Meitschi vo dr Brunst nache. Er hätte es nie geglaubt, aber wissen hätte er doch wollen, was an der Sache sei, von wegen, wenn man afe dJahr uf eim heig wie er, so lueg me zerst, ehe man dSach richtig mach. Darum hätte es ihm nicht pressiert, jetzt aber sei es ihm daran gelegen, dass dSach i dRichtigkeit komme, er wisse jetzt, dass man gelogen habe; aber wie lang man lebe, wisse man nie, es gehe manchmal geschwinder, als man mein. Erst vorgester sei dr Kuderwirt gsund und wohl ins Bett gegangen und tot ufgstange, u ke Mönsch heigs ghört, wonr gstorbe syg. Selb grus ihm, so möchte er doch nicht sterben. We me i gwüssne Jahre sei, so sollte man immer jemand bei sich haben, die wüss, was gang, und emel o öppe chönnt es Gebet verrichte, wenn es ungsinnet a Notknopf käm.

"He ja", sagte die Frau, "ich habe auch schon manchmal daran gesinnet, wenn mein Alter so gehustet hat, dass es mich düechte, er sött ds Herz a dDieli ueche sprenge, es wär gut, wenn ich ein Gebetbuch zweglegte; man kann nicht wissen, was es gibt, und wenn man in der Angst etwas suchen soll, so findet man es nicht, bsungerbar öppis, wo me öppe nit viel brucht. Und denn könnts z'spät werde, u das chönnt mr doch de gruse, vo wege, es könnte etwas bleiben hangen, wo besser wär, es bliebe hier, u dass de son e armi Seel müesst umecho, selb wär doch de neue grüslig; wes einist het müesse sy, so wärs doch de besser, es blieb drby un esn ieders blieb, wos wär, mi het öppe gnue chönne binangere sy bi Lebzyte."

"Du bist e Sturm u weisst nicht, wasd redest", sagte der Bauer, "geh und gib den Schweinen, hörst nicht, wie sie nötlich tun. So haben es die Weiber; was sie nichts angeht, darum kümmern sie sich, u darob vergesse si ihr sache; es weiss kei Tüfel, wie es ging, wenn man nicht immer hinten und vornen wäre."

"He ja, öppis ist an der sache", sagte Kellerjoggi, "aber gut ist es doch allweg, wenn me allbeeinist an die Seele auch sinnet, gangs de, wele Weg es well, su het me doch de nüt gfehlt. Es ist mir manchmal so wunderlich, es geht mit mir alles ringsum und es düecht mih, ih fahr Gutsche, wyt wyt weg, u zletzt bin ich doch am gleichen Ort, wo ich abgsessen bin. Lang mache tue ihs nimme, ih förcht, ih förcht! He nu, gangs wies well, mi muess's anäh. Aber öppe, wie gseit, so alleine, dass niemere für eim betet, sturb ih nit gern, ds Lebe ist längs, u drwyle geit mängs, wos besser wär, es wär nit gange, u wos guet ist, wes drhinger blybt u wes eim öpper abnimmt. Drum han ih denkt, ih well hüt no cho, es wird öppe nüt meh im Weg sy, dass mes richtig mache cha. ist es daheim, ds Meitschi, wo ist es?"

So sprach Kellerjoggi, und der Dorngrütbauer hörte es nicht ungern, sagte aber, sövli gschwing mach sich das doch nicht. Schreiber hätte man keinen bei der Hand, und mit dem Meitschi müess da wieder frisch geredet werden; es hätte sich jetzt darauf verlassen, es sei nichts mehr, und denn wisse man nie, was dMeitschi agstellt heige. Dabei möchte er doch wissen, wie er es jetzt im Sinn hatte, die Sache machen zu lassen. Darauf hustete Kellerjoggi grimmiglich, kam lange nicht zu Atem, tat, als ob ihm fast etwas versprengt wäre, sagte endlich, als er wieder zu Atem kam: "Ja, ja, so gehts nicht mehr lang, und was du tun willst, heisst es, das tue bald"; er müsse jetzt heim, er mög dr Nachtluft nicht mehr erleiden. Aber er solle doch zu ihm kommen die nächsten Tage und darauf zählen, dSach werde richtig; aber säumen solle er nicht, man wisse nie, wie reuig man werden könne. Er leu ihm guten Abend wünschen, sagte er und stopfete davon.

"Du alte Dolders Schelm, was du bist", brummte ihm der Dorngrütbauer nach. Aber das nahe Sterben machte doch Eindruck auf ihn, und er dachte, etwas könnte doch an der Sache sein, u luege müess me