, kurz tat, was Aufweisung gewöhnlich tut, machte einen Schaden grösser, trieb ihn der Unheilbarkeit entgegen, zeitigte Empfindungen, die ohne sie rasch verglommen wären, zum Brande, und was ein solcher Brand alles zu verzehren imstande ist, wer weiss es nicht!
Oh, Aufweisungen sind Teufelswerke, und Aufweisen ist ein höllisch Wort. Als der Teufel es bei der Eva anfing, Gottes Gebot ihr vernütigte, ihr weismachte, der liebe Gott gönn ihr guet sache nicht, da wusste er wohl, was er damit in die Welt pflanzte; denn Aufweiserei bricht aller guten Lehr und Strafe die Spitze ab, raubt der Gutmeinenheit das Vertrauen, ist die Handhabe, an welcher der Teufel die Dummen hält; denn wer einmal der Aufweiserei die Ohren geöffnet hat, der ist gerade, als wenn er auf einem Schlitten sässe am stotzigen Berge, an dessen Fuss das Höllentor ist; oben gibt ihm der Teufel einen Mupf, und stötzlige, hü, trärerä! gehts dem schwarzen Loche zu.
Wie Viele aber sie treiben, diese Aufweiserei, die sind des Teufels Diener, und wie die Metzgerbuben und Metzgerhunde den Metzgern Kälber, treiben sie dem Teufel Seelen zu. Bedenken dies dann die nie, welche niemand von sich lassen, es sei denn, sie hätten sie aufgewiesen gegen die, durch deren Hand sie Gott regieren will? Wenn jemand unversehens der Kopf aufschwillt zu einem unförmlichen Klotze, gross wie ein Mäss wird, so heisst es, man sei in einen bösen Luft gekommen oder sei uf enes Unghür trappet. O Mensch, bedenk, wenn du ein klein Ärgernis hast und jemand bläst es dir auf, dass es dir Kopf und Herz zersprengen will, dass es dir vorkömmt, es habe die Seele nicht mehr Weite in der Haut, bedenk, o Mensch, das ist der wahre böse Luft, und dem Teufel selbst bist du auf den Stiel getrappet, und seine giftigen Klauen hat er in dein Herz geschlagen! Mach, dass du los wirst, salbe dich mit Demut und waffne dich mit Sanftmut, strecke den Schild des Glaubens vor dich und rufe: "gang furt, Tüfel, ih wott nüt vo dr!"
Schwer ist dieses freilich, denn wenn der Mensch missstimmt ist, gereizt ist, so macht er es nicht wie ein Doktor, der den Missklang zu lösen, den Reiz aufzuheben sich müht, sondern eine eigene Verkehrteit macht es ihm zur Lust, den Reiz zu steigern, die Missstimmung immer mächtiger zu machen, und dieser Verkehrteit lässt er freien Lauf und sinnet nicht, was sie ist, wohin sie treibt. Wir haben ein gutes Wort dafür: abbrechen müssen wir; wer ihm selber nit abbrechen kann, ist e arme Tropf, sagt man. Abbrechen ohne Gnade muss man solche Stimmungen, abgebrochene Pflanzen haben keinen Wachstum mehr, sie verdorren.
Nun brach Anne Mareili niemand ab, es selbst vermochte es auch nicht, und was der Vater begonnen, setzte die Mutter fort. Sie hatte sich gefreut, die Sache werde richtig gemacht werden, hatte auf einen guten Tochtermann gehofft, der zuweilen ihr krame ein Pfundlein Kaffee, zu dem sie ziehen könne, wenn es mit Ihrem fertiggemacht hätte. Nun war die Sache noch in hängenden Rechten und in Zweifel gestellt, das ärgerte sie sehr. Ihr Alter sei der uvrschantist Hung, was gebe, sagte sie, und gheusche heig er wien e Narr, aber das düech si an ihm nichts anders, von wegen, er sei so, sei immer so gewesen und werde immer so bleiben. Aber von diesen düeche es sie wüst, und sie könne es ihnen nicht verzeihen, dass sie werweisen wollten und abraten. Es müsse doch nicht alles mit ihnen sein, und wenn dr Jung es auch nur ein Augvoll lieb hätte, so würde er anders angesetzt und seinem Alten wüst gesagt haben, bis es gegangen wäre, wie ihrer Buben auch gemacht hätten. Sie hulf es ihnen zeigen, dass man sich nicht zum Besten halten liesse, und wenn er jetzt auch mit gutem Bescheid käme, so müsste er lange nicht wissen, ob man wolle oder nicht. "O Jere, sie müssen nicht meinen, dass hier nicht auch Leute seien, die selber zu essen haben und wissen, was der Brauch ist, o Jere! Ein Reicher wärs u guet sache könntist ha, aber die müesse de notti wisse, we me da ungeruche in ihre Wildnuss chunt, me nit chunt für sih la z'regiere u z'kujiniere, das cha me hie unger o ha, sondere für guet Händel z'ha und se z'brichte, was o unger rechte Lüte dr Bruch ist, u drnah z'fahre u se dra z'gwenne."
Solche Reden umsurreten Anne Mareili, und wenn schon zuweilen ein Gedanke ihm kam, dass was man zu Liebiwyl gesagt, nicht so ungegründet sei, so fasste der nicht Fuss. Es düechte ihn es, alle Leute sehen ihm an, dass es auf der Gschaui gewesen, und möchten es ihm gönnen, dass es unverrichtet heimgekommen. Es nahm sich vor, am Freitag, wenn Resli komme, recht kohl und kalt zu sein, sich lange nicht zu zeigen, und wenn er komme mit dem besten Bescheid, so wolle es ihn anhalten lassen bis gnueg, damit er für alle Zeit wisse, wie man mit ihm umgehen müsste; von wegen, wie man sie gewöhne, so hätte man