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gäb wie. Hingerdry chönn me geng no luege u 's mache, wie me öppe well, dachte es. Sein Vater war zäh, auf den setzte es keine Hoffnung, alle also auf die Andern. Dass diese werweiseten und Bedenken hatten, ärgerte ihn es also doppelt, und besonders an Resli tat es ihm weh, es düechte ihn es immer mehr, wenn der ihn es recht lieb hätte, so wäre ihm alles recht, er würde nichts scheuen, um ihn es zu erhalten; hingerdry chönnt me ja de geng luege und 's mache, wie man es ha wett. Darum antwortete Anne Mareili, es hätte nicht geglaubt, dass es da so viel Bsinnens gebe, dem an, was man ihm gesagt; aber es sage nichts dazu, wie der Vater es mache, sei es ihm recht, aber das Märten sei ihm zwider, es wäre lieber nicht dabei, es müss es sagen.

So sei es ihm auch, antwortete der Vater, und so wolle er sagen, was er wolle: Sie sollten dem Sohn den Hof abtreten für vierzigtausend Pfund, dass sobald sie geheiratet, sein Meitschi Kelle und Schlüssel übernehme, und wenn Resli vor ihm ohne Kinder sterbe, so erbe das Meitschi den Hof dahin und daweg. So wolle er und sonst nicht.

Resli wurde ganz blass, als er das hörte, die Lippen bebten ihm, als ob er reden wollte; aber wenn er es schon gewollt, für kein Lieb hätte er ein Wort hervorgebracht. Etwas Giftiges quoll in ihm auf, welches sonst seinem Herzen fremd war, ein Stolz regte sich in ihm, von dem er nicht wusste, woher er kam. Kam man da von unten her und meinte, hier oben sei lauter Dummheit und man könne mit den Menschen umgehen als wie mit Tröpfen und Halbwitzigen; war dann keine Liebe im Meitschi zu ihm, sondern nur zu seinem hof, und während er nichts forderte, von keinem Kreuzer Ehsteuer sprach, war es dann recht, dass man von ihm alles forderte? War er ein Kerli, den man vergolden musste, damit ein Meitschi ihn nehme? Er fing an zu fühlen, dass er alleine ein Mädchen wert sei und dass sein Ich alleine mehr wiege als manch ander Ich, und wenn dasselbe hunderttausend Pfund mit sich auf die Wage nähme.

Der gute Resli wusste halt nicht, dass selten ein Mädchen eine rechte Wage hat für das rechte Ich, und dass wenn es sie schon hätte, auf der Eltern Wage ein rechtes Ich doch nie mehr zieht als eine Nulle, und dass jedes Ich zu seinem Ich noch legen muss einen Zinsrodel oder ein Geschäft oder einen Titel samt Namen, wenn es irgend etwas ziehen soll, gäb wie wenig. Das wusste Resli nicht und sah auch nicht in Anne Mareilis Herz hinein, nur an sein Gesicht, und das hatte ihm bereits sattsam Kummer gemacht. Es arbeitete gewaltig in seiner Brust, es düechte ihn, er möchte satteln und reiten auf Leben und Tod, gegen was man wollte; wissen sollte man, dass er nicht Nichts wäre, sondern Resli, der Bauernsohn zu Liebiwyl, e rechte Burscht un e Draguner trotz eim. Die Weiber haben einen eigenen Sinn für das, was sich auf den Gesichtern regt; dieser Sinn ist ein Schlüssel zu den Herzen der Männer, in diesem Sinne läge auch die herrschaft über sie, wenn nicht wiederum im weib ein eigener Geist des Widerspruchs läge, der das, was es im Herzen sieht, nicht beherrschen, sondern unduldsam seine Stelle ihm nicht gönnt, es vertreiben will mit Keifen oder Zürnen. Mütter sind geläuterter als Weiber, ihre Liebe ist meist weniger selbstsüchtig, sie sehen ebenfalls in die Herzen ihrer Söhne (kurios, mehr als in die ihrer Töchter), aber sie stellen sich ihnen nicht entgegen, sondern als Schirm und Schutz, als Vorfechter davor oder wenden es unvermerkt mit Zärtlichkeit, wie man ja Butter weich macht, wenn man sie kneten, und Eisen flüssig, wenn man es giessen will.

So lasen Anne Mareili und Änneli in Reslis Gesicht die unsichtbare Schrift, die auf der wunderbaren Tafel seines Herzens geschrieben ward von unsichtbarer Hand. Heiss und kalt fuhr es Anne Mareili den rücken auf, als es sie sah, für kein Lieb hätte es ein freundlich Wort reden können; hätte es reden müssen, so wär ein Gallenstrahl hoch aufgespritzt. Aber rasch ergriff Änneli das Wort und sprach, das seien Sachen, an die man nicht gedacht und über die man nicht mit einander geredet hätte. Es für seinen teil legte gerne die Bürde ab, und je eher ihm Resli ein Söhnisweib zubringe, dest lieber sei es ihm, und gerne wolle es abgeben und dasselbe machen lassen; es sei müde und ruhe gerne, und öppe ume z'bifehle sei nie seine Sache gewesen, deswegen brauche man nicht Kummer zu haben. Aber wegen dem andern müsse man doch mit den Andern reden, es gehe sie auch an, und wenn man es vorher abgeredet und ausgemacht, so gebe es hintenher keinen Streit. Wegem Christeli hätte man kaum was zu fürchten, aber wenn Annelisi heiraten sollte, so wüsste man nicht, was es für einen Mann bekäme. Darum wäre es am besten, man redete noch mit einander, ehe man das Wort gebe.

Es sei ihm recht, sagte Christen; "wo sind sie wohl, man kann sie rufen". Ein Schatten flog über Ännelis