mit ihren Worten; sie bringen allerdings es dahin, dass man eine Schweinsblase ansieht für den Berg Sinai und unten an der Schweinsblase einen Altar errichtet mit einem goldenen Kalbe darauf oder wenigstens einem Ehrenbecher. Aber leider ist das Ding nur wie Nebel und die Himmelsstüpfer erfinden sich, wenn man recht hinsieht, als Heustüffel, die bekanntlich nur einen Sommer dauern, und wenn der rechte Moses wieder kommt, so zerfallen Kälber und Becher wieder in ihr Nichts.
Wenn also von kecker und gerader Rede die Rede ist, so wird eben nicht die Rede gemeint, die eigentlich weder keck noch gerade ist, nichts als unverschämt, sondern die Rede, welche unverhohlen ausspricht, was das Herz bewegt und wünscht, dem Unrecht Unrecht sagt, der Wahrheit aber Zeugnis gibt. So gehts aber oft in der Welt, der Wahrheit trittet Schüchternheit in den Weg, ein leidig Fürchten und Werweisen, während die Unverschämteit als Vorreiterin der Lüge beständig bei der Hand ist. So geht es gerne Meitschene, deren Herz gefangen ist und befangen ihr Verstand, und wer will von einem armen Meitschi fordern, dass wenn gefangen sein Herz ist, unbefangen sein Verstand bleibe!
So ging es Anne Mareili. O wie gerne hätte es dem Vater angehalten, er solle sich in diese Verhältnisse nicht mischen, alles Gott und guten Leuten überlassen, wie gerne gesagt, es sei mit allem zufrieden, wenn es nur daheim weg und hiehin kommen könnte; aber es fürchtete, den Vater noch hinterstelliger, hinterhäger zu machen, und die Forderungen des Vaters zu unterstützen, dazu war es eben zu wenig unverschämt, zu wenig radikal, und dessetwegen ward sein Vater ärgerlich und weh tat seine Antwort den Andern; es verfehlte sich also gegen beide Partieen.
"Und dann du, was sagst du dazu?" fragte der Dorngrütbauer den Resli, "dich gehts am nächsten an, und es düecht mich, wie ich meinte, sollte es dir recht sein, du hättest es z'gniessen." Resli, dem das Herz weh tat, antwortete, es sei ihm so: Anne Mareili sei ihm lieb, er glaube, es gebe eine Frau wie dMuetter, und über Bösha solle es nie zu klagen haben. Er hätte dessetwegen nie gefragt, was es hätte und wieviel es mitbrächte, und wenn es nichts hätte, so sei es ihm recht. Aber deswegen düeche es ihn, man sollte auch ihnen vertrauen und öppe denke, man mache, wie recht. übrigens lasse er ihm alles gefallen, aber öppe dass die Andern z'klagen hätten, begehre er nicht. Gschwisterti seien einmal immer Gschwisterti.
Er meine, dHut söll eim lieber sein als ds Hemmli, und wenn man eine Frau wolle, so hätte man nichts nach den Geschwisterten zu fragen, sagte der Bauer. Aber ihm sei es gleich, sie könntens machen, wie sie wollten, deretwegen sei er nicht hergekommen. Könne es sein Meitschi bsungerbar gut machen hier oben, so möge er es ihm gönnen, sonst aber, wenn es gmannet sein müsse, finde es bei ihnen ein Dutzend für einen, und dann wisse er doch, was für einen, und hätte dSach unter Augen, es möge gehen, welchen Weg es wolle. Es sei da einer, der hätte schon lange angesetzt, und so gut mache sein Meitschi es nie mehr. Freilich meine ds Meitschi, der sei ihm wohl alte, aber es werde ihm wohl noch dGlarlöcher aufgehen, dass es es begreife, je älter, dest besser. Selb hätt er nit Kummer, und gehe es manchmal lang, bis so am ene Meitschi dGlare ufgange. Aber wenn sie noch heim wollten, so wär es Zeit furt.
"Nit", sagte Christen, "so ist es doch nit gmeint, u ufbinge wollen wir nicht; was wir gesagt haben, ist nicht bös gemeint, und si sache z'säge, het öppe en iedere dWehli. Dr Bueb lyt üs am herz, un öppe uf enes paar tusig Pfüngli uf oder nieder wirds öppe Keim acho; wo me enangere lieb het, bricht ds Geld öppe ke Handel. Ds Meitschi isch ihm aständig, u mir hei nüt drwider, we mrs scho nüt chenne, wo selb süst nüt schadt, we me enangere scho öppe vorher e weneli chennt. Aber wie gseit, wir sind etwas weit auseinander, selb ist wahr, es hat aber auch seinen Nutzen, selb ist auch wahr; man ist einander manchmal nur zu nah. So geht es einmal in der Welt, die Berge kommen nicht zusammen, aber die Menschen wohl, und wenn sie einmal zusammengekommen, so soll man sie nicht scheiden, das ist meine Meinung. Was meint Ihr, wie ist die Sache z'machen? Was möglich ist, soll geschehen."
"Was meinst, Meitschi?" sagte der Bauer zu seiner Tochter, "es ist deine Sache, rede!" Anne Mareili war es nicht ums Reden, die bitterste Angst guälte sein Herz; sie kann nicht enger zusammenpressen das Herz des Spielers, der alle seine Habe auf eine Karte gesetzt und nun starren Auges auf die zögernden hände des Bankhalters sieht. Jede Rede mehrte seine Angst, jede Rede zürnte es dem Redenden, weil sie nicht den Abschluss brachte, sondern ihn hinausschob; es düechte ihn es, es gäbte alles, was es auf Erden und im Himmel zu erwarten hätte, wenn mans nur richtig machte,