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", sagte die erste stimme, "wenn es a Notknopf kommt, so sind sie alle gleich, und gäb wie sie vorher gränne, wenn es heisst, jetzt müsse es sein, sie wollten zum Pfarrer, das Hochzeit anzugeben, so hat man noch Keiner ein sauber Fürtuch vorbinden müssen, sie hat es noch immer selbst getan." "Nimm nicht alle in einen Klapf", sagte die andere stimme, "es gibt mancher Gattig Mädchen, so wie vieler Gattig Buben, du liessest dich auch nicht mit jedem zusammenzählen. Zähl darauf, meins wäre nicht gegangen und hätte mir Bscheid machen lassen." "Es muss dann ein Apartes sein", lautete die Antwort. "Wie ist es eins? Es nähmte mich doch wunder, es zu sehen."

"Ich kann es dir so recht nicht sagen", wurde geantwortet, "du musst warten, bis du es siehst, und dann wird es dir sicherlich gefallen. Es ist gross, fast wie die Mutter, und doch kein Bohnenstecken, hat eine schöne Haut, sufer, nit kührot, aber auch nicht wie ein ausgewaschener Fürfuss, läng Züpfe, dunkle Augen und bsungerbar schöne Zähne; wenn es den Mund auftut, so düechts einem, man sehe das Gätterli zum Paradies, und noch ganz funkelnagelneu, und bsunderbar fründlig chas de dryluege, dass es eim düecht, es schmelz alles i eim. Sonst gwöhnli macht es ein ernstaft Gesicht, fast wie wenn es einem etwas befehlen wollte, und Häng hets, man sieht ihnen ds Werche an und ds Wäsche, wies am e Meitschi wohl asteiht." "Und taubs hast du es auch schon gesehen?" wurde gefragt. "Taubs habe ich es zu Aufbegehrige gemacht, aber wie ich es erkannte, war es wieder verschwunden." "So nimm dich in acht und spring nicht so zsämefüesslige hinein", sagte die erste stimme, "ich für meinen teil heirate kein Mädchen, wenn ich es nicht taubs gesehen, so taubs, als es nur immer werderi könnte. Und wenn ich nicht angfähr dazu käme, so liesse ich nicht nach, bis ich es selbst so taubs gemacht hätte, dass es eim düechti, es möchte einen ungschabt fresse." "Warum das?" wurde gefragt, "du bist immer der seltsam Christeli."

"Ja lue", sagte derselbe, "ich will wissen, wie sie dreinsehen und was sie tun, wenn sie taub sind, und warum sie es werden." Ich will dir etwas sagen, es weiss es kein Mensch noch. Einmal hatte ich auch im Sinne zu heiraten, das war ein Meitschi wie aus Seide und Sammet gemacht und ordlig wie ein Lebkuchen, von dem hätte man glauben sollen, es könnte kein Wässerchen trüben, keine andern Augen machen als süsse und nie anders reden als wie durch ein Pfeifenröhrchen. Es het mih düecht, es schryss mih e ganze Tag bi de Haare bis am Abend, dass ich bei ihm war. Da kam ich einmal an einen Ort, wo getanzt wurde; es war noch nicht da, ich wartete, es kam nicht, aus Langeweile nahm ich ein Meitschi, hatte drei mit ihm und zahlte darauf ihm eine Halbe. Während wir sie tranken, kam mein Mädchen herein, ob es draussen mir aufgepasst, weiss ich nicht. Aber Augen machte es mir, dass es mir schien, es strecke sie armlang zum Kopf aus und jedes hätte fünf Krallen wie ein Lämmergeier. Mit mir wollte es nichts zu tun haben, schoss im Saal herum wie ein Wespi an einem Fenster, zahlte mir zTrotz ihrer Jungfrau Wein und Essen, schoss dann heim wie bsessen. Ich auf und nach, nicht weit von ihrem haus holte ich es ein, unterzog mich, wollte bestens mich versprechen, aber wohl, ich erfuhr, was ein ertaubet Meitschi kann! Es machte mir ein noch zehnmal ärger Gesicht als vorhin, die Nase tat sich auf, die Augen wurden wie Pflugsrädli, und aus dem weitgeöffneten mund fuhr eine stimme, so dick wie ein Weberbaum, und sagte mir so wüst, wie ich mein Lebtag es nie gehört. Schysshung war das Manierlichste. Als ich das Mädchen so sah, so ungattlig tun, und Augen machen, ärger als ein ertaubeter Stier, und reden wie ein halb, voller Weltsch, da entfiel es mir plötzlich, statt der Liebe hatte ich ein Abschüchen. Lieber e taubi Katz als so eine, dachte ich, machte mich davon, so streng ich konnte, und die Angst, es sei hinter mir und begehre mein, verliess mich nicht, bis ich daheim im Bette lag.

"Da war mir, als hätte mich jemand aus dem wasser gezogen oder als wäre ein schwer Fuhrwerk über mich gegangen und unerwartet erwache ich statt tot unversehrt, und ich tat einen teuern Eid, nie mehr zu heiraten oder wenigstens nicht, bis ich das Mädchen so taub als möglich gemacht und erfahren, ob was es ertaube und wie. Da tätschelt man die Mädchen nur, däselet ihnen, und wenn sie im Geringsten die Miene verziehen, so fragt man hundertmal: Was hest, was hest? und macht den Kratzfuss um sie wie ein Hund um heisse Milch. Wenn eine schon wollte, sie könnte nicht wüst tun, und so geht es, bis man sie hat. Nun meint man, man habe sie und ds Fangen sei nicht mehr