unsereiner noch sein in der Welt. Ich nehme ihnen fast alle Kälber ab, und öppe was billig ist, nehmen sie gerne, aber mehr als etwas wert war, musste ich nie zahlen und erhielt die Sache recht, und wenn sie etwas kaufen, so zahlen sie, was billig ist, und plagen einen nicht mit Märten, dass es einem düecht, man mochte ihnen fünf Finger Usgwicht geben. Öppe ungsorget darf man Schweine von ihnen kaufen auf Gewicht, man wird nie Steinkrätten voll Kieselsteine in den Därmen finden. Mit denen ist noch z'handeln, aber sonst ist mit den Bauern fast nichts mehr zu machen, sie glauben bald keinem Wirt mehr etwas. Nüt für unguet z'ha! Es werden die Bauern öppe auch alle Tage witziger, und sie müssens, wenn sie die Haut unter den Ohren behalten wollen und es ihnen nicht gehen soll wie den Hasen, die immer rarer werden, je mehr Jäger es gibt." "Sind die Leute reich?" "Ja", antwortete der Wirt, "das sind noch Bauern, wie ehedem gewesen, haben noch Würze hängen nicht zu oberst in den Ästen und müssen nicht wie so Viele jetzt, wenn sie drei Dublonen mangeln, um Geld aus und um Milch, wenn sie ein Kaffee machen müssen ungsinnet." "Ho", sagte der Dorngrütbauer, "es wird doch dere noch mehr geben, welche einen Tropf Milch übrig haben und einen Kreuzer Geld, und mügli wärs, dass dWirte auch noch oft froh darüber sind, wenn sie Geld bei Bauern finden oder eine Kuh, und manchmal zwei, dings haben können." "Es gibt auch beider Gattig", sagte einlenkend der Wirt, "aber wenn ich raten kann, so geht dortin, reuig werdet Ihr nicht werden." "Allweg", sagte der Bauer, "will ich zuerst zur Säge, liegt beides an einem Wege?" "Nein", sagte der Wirt, "dort bei jenem Haus mit dem roten dach gehen sie voneinander, und Ihr musst wieder zurück bis dort, um von der Säge nach Liebiwyl zu kommen."
Als nun Vater und Tochter zum neuen dach kamen, sagte der Vater zu Anne Mareili: "Geh du afe! Wenn sie etwa nicht daheim sind, so kann man sie rufen, damit ich nicht lange warten muss, von wegen, noch heute wollen wir heim und es ist weit." Somit ging er links und liess Anne Mareili stehen. Das wäre gerne in den Boden gekrochen, wenn ein Loch dagewesen wäre, bis der Vater wiederkam, aber dastehen durfte es nicht, es musste rechts, wie schwer es ihm auch ward. Was man gewöhnlich schüchtern nennt, war Anne Mareili nicht; es wusste, dass es des Dorngrütbauern Tochter war, und konnte Rede stehen und an ein Haus klopfen, ohne rot zu werden und dumm zu tun. Aber es gibt eine Schüchternheit, eine innere möchte man sie nennen, die man nicht sieht, an die man daher meist nicht glauben will. Sie ist etwas Unnennbares, halb Bescheidenheit, die fürchtet, jemand zu stören, ihm lästig zu sein, halb Scheu, sich selbst mit einer fremden Persönlichkeit in Berührung zu bringen, ein inneres Widerstreben, sich selbst einem fremden Auge zu öffnen, vor fremden Ohren auszusprechen, was das Herz bewegt, auf der Seele sich abspiegelt. Diese Schüchternheit trägt mancher Mann zu grab, sie wohnt in manchem weib, umschleiert, als dessen bestes Ich; ihr eigentliches Haus aber ist das Herz der Jungfrau, aber um so fester umschleiert sie es, je bedeutsamer der Moment ist, dem sie mit Bewusstsein entgegengeht. Anne Mareili, von der Liebe Angst und Weh gedrängt, hatte Resli in sein Herz schauen lassen, sich gegeben, wie es war, ohne viel Umstände und Komplimente. Es hatte Resli so viel als das Leben gerettet, dieses Bewusstsein war der Schlüssel zu seinem Herzen gewesen. Aber jetzt sollte es alleine zu einem haus gehen, wo es nie gewesen, sollte dort anklopfen, musste vielleicht lange erklären, wer es sei; was Resli von ihm gesagt, das wusste es nicht, und ob es ihnen recht anständig sei, ebenfalls nicht, was es sagen sollte und wie sich benehmen, wusste es darum auch nicht. Vielleicht konnte es gar ans unrechte Haus gelangen und zum Gspött werden oder niemand zu haus treffen als einen bösen Hund, ungefähr einen wie ihren roten Mutz, was sollte es dann machen?
So schritt es schwer und ängstlich zwischen hohen Lebhägen ein enges Gässchen entlang; da hörte es hinter dem Hag rechts erst eine Sense durchs Gras fahren, dann sagen: "Höre du, heute kommen sie nicht, sie wären da." Darauf sagte eine andere stimme, und die kam ihm gar wunderbar bekannt vor: "Das ist nicht gesagt, kommen können sie immer noch, es ist weit." "Zähl darauf", sagte wieder die erste stimme, "sie kommen nicht, sie haben dich nur abschüsselen wollen, um ds Wüestist nicht alles z'machen. Warum hätte dir sonst der Alte so nahglusset? Du bist dr Narr im Spiel, und z'wette wär, dass sie gestern vrkündet worden." "Selb nit", sagte die andere stimme, "das hätt ds Meitschi nit ta und mr Bscheid gmacht." "Ah bah, verlass dich doch auf kein Meitschi