1843_Gotthelf_137_103.txt

gefährten. Wie er auf den Platz der Ehre kam, da dutterte ihm das Herz, es zwirrte ihm vor den Augen, so klein war die Scheibe, so weit der Stand! Gerne hätte er das Schiessen aufgeschoben, aber es rennt von dannen die Zeit; dann trinkt man sich Mut ins Herz, will mit Vierunddreissiger den Schlotter aus den Armen treiben, und doch zittert der Stutzer in der Hand; ob man den Zweck von oben oder von unten zu nehmen habe, weiss man nicht mehr, und aus dem Stutzer fährt der Schuss, man weiss nicht wie und nicht wohin. Allweg nicht in den Zweck, oft nicht einmal in die Scheibe.

Was eines Mädchens Herz bewegt, wenn es bald, bald am Ziele ist, welches es mit ganzer Seele erfasst hat, kann man sich denken. Aber wie es schlägt, wenn es einer Hölle entronnen und dem Himmel entgegenfährt, bald, bald ihn erreicht, das kann nur der recht sich denken, der auch einmal vom Höllentor weg noch gegen Himmel fuhr. Aber je näher man dem Himmel kommt, desto mehr will es einem schwindeln, desto mehr ängstigt die Kluft, welche noch zwischen uns und dem Gestade liegt, desto mehr fällt uns ein, was uns am glücklichen Landen hindern könnte. Wenn der Kornet in die Schlacht reitet, so ist es Gott und er, welche die Sache ausmachen, und steht der Schütze im Schiessstand, so ist zwischen seinem Stutzer und der Scheibe nichts als ein bisschen Luft. Ehedem kam noch manchmal der Zeiger dazwischen, jetzt ist dem auch abgeholfen. Wie viel schwerer hats ein Mädchen, neben dem ein zwängischer Vater sitzt mit apartigem Kopf, und das auf Gschaui zu einem jungen Burschen fährt, wo Vater und Mutter und Geschwister sind und wahrscheinlich alle mit apartigen Köpfen, und diese Köpfe alle haben etwas zu sagen, können sich stellen zwischen ihn es und sein Ziel!

Der Vater sprach nicht viel, er dachte seinem Ladenhandel nach; die Tochter sprach in dem Masse noch weniger, als ein Herzhandel das Herz mehr angreift als ein Ladenhandel. Manchmal schien ihr der Kohli so langsam zu gehen, dass ihr ein ", " nach dem andern auf die Zunge kam, und manchmal schien ihr, als kriege derselbe Flügel und müsse sie rufen: "O Ätti, Ätti, häb, häb!" Auf einmal hielt der Ätti wirklich still. "Herr Jemer, wo sy mr?" rief Anne Mareili, welches plötzlich die Angst ankam, sie seien schon an Ort und Stelle. "ZHerrlige", sagte der Vater, gab dem Stallknecht das Leitseil und sagte ihm: "Spann aus, und das Ross bleibt über Mittag hier." Jetzt wusste Anne Mareili, dass es absteigen solle und dass Liebiwyl in der Nähe sein müsse. Dem Rosse nach ging der Vater in den Stall, und Anne Mareili stunde zwischen Wägeli und Wirtshaus, wusste nicht was machen, und als das Stubenmeitli ihn es hineinkommen hiess, sagte es, es wolle dem Vater warten, es wisse nicht, was der im Sinn habe.

Der hatte im Sinn hineinzugehen, wie es sich erzeigte, und Anne Mareili folgte ihm. Drinnen kannte ihn der Wirt, tat erfreut, ihn zu sehen, und fragte, was ihn Apartes einmal in ihre Gegend bringe, wo man ihn sonst nicht zu sehen pflege. Der Dorngrütbauer tat vertraulich und sagte, er hätte noch etwas an Holz und Laden nötig und gedacht, er wolle hier durchkommen, er (der Wirt) könne ihm vielleicht raten, wo er es am besten und wohlfeilsten finde. "Mit dem Holz ist es bös", sagte dieser, "es geht alles fort, wir können ihm nachsehen und bald unser eigenes nicht mehr sägen lassen. Die Sager sägen auf den Kauf hin, und uns Bauern lassen sie warten, bis die Würmer im Holze sind, und gäb wie wir bitten und fluchen, so zäpfeln sie uns nur aus. Dürre Laden oder Holz sind rar, öppe hie und da noch ein Bäumchen bei einem Bauer, aber nicht oft, vielleicht hat der Sager im Taubloch noch etwas." "ist es wyt?" fragte der Dorngrütbauer. "O nein, keine Viertelstunde, da zvorderst im Graben", antwortete der Wirt. "Es ist mir gesagt worden, der Bauer zu Liebiwyl hätte immer Vorrat", sagte der Dorngrüter. "Das ist", antwortete der Wirt, "der hat immer, aber nicht auf den Kauf hin, nur hie und da gibt er jemand zGfallen. Kennt Ihr ihn?" "Nein", sagte der Bauer. "Sein Sohn wurde an der Brunst zu Aufbegehrige geprügelt und blieb liegen, unsere Leute fanden ihn und brachten ihn heim; der hat gesagt, wenn wir etwas mangelten, so sollten wir nur kommen, wenn es der Ätti hätt, so müesste mrs ha. Aber ich weiss, wie das ist, zGfalle geben! Märten darf man nicht, und wenn man einen betrügen kann, so spart mans nicht."

"Habt nicht Kummer" , sagte der Wirt, "wenn Euch der Sohn dies gesagt hat, so findet Ihr dort, was Ihr wollt, und wie nirgends wohlfeil und gut. Sie hätten sich nicht dafür, wie unkommod es ihnen wäre, nicht zu halten, was der Sohn gesagt. Das sind noch apartige Leute, wenn alle so wären, so könnte